ACG meiden
Der Anlegerbrief
Nach Aussage der Analysten von „Der Anlegerbrief“ dürften die Aktien von ACG (WKN
500770) aufgrund der niedrigen Gewinne bei gleichzeitig hoher Bewertung nicht zu den Outperformern des Neuen Marktes gehören.
Vor wenigen Tagen habe das Unternehmen aus Wiesbaden seine Geschäftszahlen für das erste Quartal abgeliefert. Diese hätten keine wirklichen Überraschungen beinhaltet. Angesichts der ständigen Planzahlenrevisionen, die sich zweifellos durch alle Sektoren hingezogen hätten, sollte man das schon mal als ein positives Zeichen werten. Vor allem aber der Übernahmehunger von ACG habe von sich reden gemacht. Im vergangenen Jahr habe ACG mehr als ein Dutzend Firmen weltweit übernommen. Als Altlasten würden nun Abschreibungsbedürfnisse in nicht unbeträchtlicher Millionenhöhe in den Büchern schlummern. Nicht von ungefähr lege der Chipkartenbroker gesteigerten Mitteilungsbedarf auf das EBITDA-Ergebnis, also den Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Nach Abzug der nicht liquiditätswirksamen Goodwill-Beträge würden unter dem Strich durchweg rote Ziffernblöcke stehen bleiben.
Darüber hinaus sei hinlänglich bekannt, dass sich Synergieeffekte erst sehr zögerlich einstellen würden. Integrationen, vor allem wenn sie multikultureller Natur seien, bedürfen ihrer Zeit. Der von ACG für das erste Quartal gemeldete Umsatz habe mit einem Plus von 150 % auf 106 Mio. Euro und das EBITDA mit einer Steigerung von 250 % auf 3,94 Mio. Euro (EBITDA-Marge damit 3,7 %) mehr oder weniger im Rahmen der ohnehin sehr umstrittenen Erwartungen gelegen – die Zunahmen seien jeweils akquisitionsbedingt erfolgt. Der Vorstand habe sich zuversichtlich gegeben, den vom Markt angeblich erwarteten Umsatz im Gesamtjahr auf 550 Mio. erreichen zu können. Als EBITDA seien etwa 36 Mio. Euro geplant, Netto ein Gewinn von über 1 Mio. Euro. Um das eine wie das andere erreichen zu können, müsse ACG zwangsläufig von einer ganz deutlichen Erholung des Chip-Business im zweiten Halbjahr ausgehen.
In der Ad hoc-Meldung zu den endgültigen Quartalsergebnissen habe, wie üblich bei den EBITDA-Spezialisten des Neuen Marktes, der Hinweis auf das Nettoergebnis gefehlt. Dieses würden sich informationswillige Anleger aus dem Geschäftsbericht herbei holen müssen. Es sei, bedingt durch die Firmenwertabschreibungen, mit einem Minus von 1,35 Mio. Euro im roten Bereich ausgefallen, vor einem Jahr habe noch ein geringfügiger Gewinn für das erste Quartal zu Buche gestanden. Die Absicht des ACG-Vorstandes, im Gesamtjahr 550 Mio. Euro Umsatz, 36 Mio. EBITDA-Gewinn und schließlich einen Nettogewinn einzufahren, halte der Anlegerbrief für einen frommen Wunsch.
Die Notwendigkeit, neue Produkt- und Dienstleistungsbereiche zu erschließen, habe auch ACG ergriffen. Im höhermargigen Bereich der Smartcards sei die Aufstellung aussichtsreich, im Bereich des so genannten Überbestandsmanagements im Halbleitersektor gelte es, zusätzliche Marktanteile zu ergattern und den Margenverfall zu stoppen. Da bei den Chips aber der Großteil der Umsätze anfalle, bleibe die hohe Abhängigkeit vom Wohl und Wehe dieses Bereichs bestehen. Der Umsatzanteil der Smartcards von 20 bis 30 % solle alsbald weiter ausgebaut werden und in den nächsten Jahren gleichrangig werden. Gleichrangig sei das Segment schon jetzt beim EBITDA-Gewinn gewesen. Obwohl erst für 25 % der Umsätze verantwortlich, hätten Smartcards 50 % des Gewinns beigesteuert. Daran lasse sich ablesen, dass beim Überbestandsmanagement im Halbleitersegment derzeit nicht viel zu holen sei.
Somit sollten mittel- und langfristig orientierte Anleger nach Auffassung der Experten von „Der Anlegerbrief“ den Titel meiden