21.9. 15:31 Friedensforscher zur Rolle Bushs


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21.9. 15:31 Friedensforscher zur Rolle Bushs

 
21.09.01 21:37
ftd.de, Fr, 21.9.2001, 15:31  

Friedensforscher loben Bush

Von David Costanzo und Dirk Heitkötter, Hamburg

Friedensforscher bewerten die Rede von US-Präsident George Bush vom Donnerstag vor dem amerikanischen Kongress positiv. Vor allem lobten sie die Worte an die arabischen Staaten.


"Die Ansprache der islamischen Welt war geradezu vorbildlich. Bush hat deutlich gemacht, dass die USA verstehen, dass nicht der Islam verantwortlich für die Attentate ist, sondern Terroristen mit einer pervertierten Interpretation des Koran", sagte Harald Müller von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt. Diese werde selbst in der islamischen Welt nicht gebilligt. "Bush hat eine ruhige, abgeklärte Figur abgegeben", sagte Hans-Joachim Gießmann vom Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik und verwies auf den Besuch des US-Präsidenten einer Moschee. Bush habe deutlich gemacht, dass es einen gemeinsamen Gegner, den internationalen Terrorismus, gebe.

Auf der anderen Seite warnte der Experte davor, die Unterstützung für die USA durch die islamische Welt überzubewerten. Der Iran hätte etwa Beistand angekündigt, obwohl dort traditionell eine große Feindschaft gegenüber den USA bestehe. "Das ist rein taktischer Natur", sagte Gießmann. Hintergrund sei ein tiefsitzender Hass auf die Taliban. Sollten die USA diesen ausnutzen, drohten andere traditionelle Feindschaften in der Region auszubrechen. "Das könnte sogar stabile Staaten wie etwa Jordanien aus der Balance bringen."



Kein schneller Angriff


Weiter werteten die Experten positiv, dass der US-Präsident keine schnellen, möglicherweise unüberlegten Vergeltungsschläge ankündigte, sondern die US-Bevölkerung zu Geduld aufrief. "Ein schneller Angriff mit Opfern in der afghanischen Zivilbevölkerung wäre ganz falsch", sagte Müller. Mit der Zahl der unschuldigen Opfer steige das Potenzial, dass sich die islamische Welt mit den Terroristen verbünde.


Nach Meinung von Andreas Rieck vom Hamburger Orient-Institut ist die Rede auch nicht als generelle Kriegserklärung zu werten, sondern als Ultimatum an Afghanistan. "Ich sehe in dieser Rede aber die deutliche Absicht, die Taliban zu entmachten", sagte Rieck. Bush habe auf die Unterdrückung der Afghanen durch die Taliban hingewiesen und auch eine Verbindung zu Osama Bin Laden und dessen Terror-Organisation El Kaida gezogen. Eine große Solidarisierung der islamischen Welt mit Afghanistan erwartet Andreas Rieck nicht. Bei einem Angriff auf die Taliban werde es wohl nur in Pakistan zu größeren Protesten kommen.



Pakistan keine Gefahr


Von pakistanischen Anhängern des Taliban-Regimes geht nach Ansicht Riecks allerdings kaum eine Gefahr aus. Die schweigende Mehrheit in Pakistan sei froh über die aktuellen Entwicklungen und habe Angst vor den Fundamentalisten. "Wenn die Taliban scheitern, dann ist das eine große Chance für Pakistan, den Einfluss der Fundamentalisten im eigenen Land zurück zu drängen." Pakistan sei der "unsicherste Faktor", sagte auch Gießmann. Sollte das Land die Unterstützung der USA zurückziehen, ergebe sich eine völlig andere Situation, zumal Pakistan eine Atommacht sei.


Die Experten kritisierten, dass Bush in seiner Rede keine Beweise zu den Hintermännern der Attentate vorgelegt hat. "Man darf die gerichtlichen Aspekte in der öffentlichen Diskussion nicht vernachlässigen", sagte Müller. Wenn die USA überzeugende Beweise für die Schuld Bin Ladens und der Organisation El Kaida vorlegen könne, sinke die Wahrscheinlichkeit, dass sich die islamische Welt mit Bin Laden verbündet. "Es gibt im Islam ein großes Gerechtigkeitsgefühl, aber auch in den gemäßigten Staaten unterschwellige Ressentiments gegen die USA. Diese beiden Aspekte ringen miteinander." Gießmann zeigte sich überzeugt, dass es Beweise gebe: "Die müssen aber unbedingt nachgereicht werden."



Russland und China nicht erwähnt


Müller kritisierte weiter, dass Bush in seiner Rede weder Russland und China noch die Forderung der Vereinten Nationen, Bin Laden auszuliefern, erwähnt habe. Gerade Russland und China komme eine Schlüsselrolle zu. "Wenn die beiden Staaten nicht mitziehen, macht die weltweite Terrorbekämpfung keinen Sinn", sagte Müller. Beide Staaten seien von radikalislamischen Terroristen bedroht und hätten ihren Beistand für die USA unzweifelhaft verdeutlicht. "Hier hätte die Rede vollständig sein müssen. Da müssen die Nato-Verbündeten noch nachhaken."



© 2001 Financial Times Deutschlan
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