"NASDAQ’s midyear rally officially ends on Friday, July 14. The end of the rally also coincides with the historical seasonal mid-month July market peak in pre-election years. Since 1950, the second half of July has been weaker than the first half."
So ein Zitat aus dem Alamanac Trader von Jeff Hirsch. Eine mehr als klare Aussage. Heute wäre demnach der Tag zum Shorten. Das gilt nach der Statistik nicht nur für den Nasdaq sondern auch die anderen US-Indices. Wie immer in solchen Situationen hat man Angst, dass man etwas verpasst und die Erfahrung zeigt auch, dass es oft weiterläuft als man denkt. Aber was spricht noch für einen Short auf Nasdaq-Werte. Entgegen dem hier oft zitierten Sentimentindikator sprechen andere US-Indikatoren für Short. Wir haben ein extrem niedriges PUT/Call-Ratio. Der Markt hat eine Entwicklung vorweggenommen, die von den Unternehmenszahlen wohl kaum bestätigt werden kann. Wahrscheinlich wird nur Verdrängung helfen und der Blick weit in die Zukunft. Apple z.B. sieht sich konfrontiert mit schwachen europäischen und chinesischen Konjunkturdaten. Zinsen sind gestiegen; die Finanzierung eines I-Phones wird teurer. Wo soll da gerade jetzt die Explosion der Gewinne herkommen? Bisher sehen wir bei den Tech-Werten lediglich eine Multiple-Expansion und die hört immer irgendwann auf, wenn die Zahlen nicht entsprechend geliefert werden. Dazu kommt, dass voraussichtlich am 24. Juli die Indices zulasten der Schwergewichte umgebaut werden soll. Warum also jetzt noch kaufen. Wir reden hier von einer Reduzierung von ca. 20% bei den Schwergewichten. Die heute dominierenden passiven Produkte müssen das nachvollziehen. Da geht es nicht um Peanuts.
Alles zusammen schreit nach Shorts in den 5 größten N100-Namen.
Dazu sollte man nicht vergessen: Die Liquidität wird momentan massiv abgeschöpft: die Staaten emitieren Anleihen im Rekordvolumen und die Notenbanken verkaufen Anleihen. Die Zinsstrukturkurve ist inzwischen so invers wie bisher nur 3x in der Historie, darunter das Jahr 1929.
Die Geopolitik unterstützt auch nicht. Der Ukraine-Krieg dauert und der Westen eskaliert die Lage mit der Lieferung von Streumunition, Langstreckenraketen und F16-Flugzeugen. Es ist eine Situation wo man sehenden Auges auf eine Abgrund zufährt, den irgendwann geht eine Eskalation zu weit. Und plötzlich gibt es dann doch eine schlimme Reaktion mit der man nicht mehr rechnet nachdem Russland bisher alle Eskalatioinsstufen geschluckt hat ohne auszuflippen.
Dazu ist es in Mode gekommen China anzugreifen. Was wir Deutsche uns erst recht nicht leisten können. Wird es einen Boomerang geben?
Viele Themen, die nicht für Aktien sprechen. Und das Klima? Wir sehen jeden Tag eine Verschärfung der Klimaveränderungen. Aber jetzt hat man kein Geld gegenzusteuern weil das Geld ja jetzt zwingend in den Militärkomplex gehen muss. Da freut sich nur Rheinmetall (die ich aus grundsätzlichen Erwägungen nicht kaufe und auch noch nie gekauft habe).
Gefühlt sehe ich eine Euphrie , eine Hausse-Stimmung, aber die Realität sieht anders aus: Der DAX kämpft letztendlich mit dem ATH von 2021. Der MDAX liegt 20% darunter; die US-Indices liegen ebenfalls darunter. Der Nikkei hat immer noch die Marke aus den 80er - Jahren überschritten; China befindet sich eher in einer Baisse. Frage mich warum eine Bewegung von ein paar Tagen für so viel Euphorie sorgen kann. In der Euphorie verkauft man und erhöht nicht das Risiko. Den richtigen Zeitpunkt zum Shorten zu finden ist sicher nicht so einfach. Aber die Seitenlinie tut ja nicht weh. Ich habe bisher in diesem Monat eine (Fehl)trade auf Nvidia gemacht und mein Pulver trocken gehalten. Das gilt auch für den Vormonat. Jetzt kommen wir dem richtigen Zeitpunkt m.E. näher.