Rätselhaftes Anbandeln bei Drillisch
Der Internetanbieter United Internet und der Mobilfunkdienstleister Drillisch führen eine komplizierte Beziehung. Gerade noch schien ihre Zweckgemeinschaft zum Einstieg beim Wettbewerber Freenet angeknackst. Nun aber schiebt United Internet dem Partner Millionen zu. Analysten betrachten diese Verquickung argwöhnisch.
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United Internet hatte sich bei der Kapitalerhöhung von Drillisch mit knapp zehn Prozent an dem Unternehmen beteiligt. "Wir stärken unsere Partnerschaft", sagte ein United-Internet-Sprecher dazu am Mittwoch. Den Internetanbieter kostet der Einstieg 31,4 Mio. Euro. Angestrebt ist auch eine Vermarktungskooperation im DSL- und Mobilfunkgeschäft. Drillisch hatte die Kapitalerhöhung am Dienstag abgeschlossen und dabei insgesamt 106 Mio. Euro eingenommen.
Marktbeobachter mutmaßen jedoch, dass hinter der Aktion von United Internet andere Motive stecken könnten. Cheuvreux-Analyst Felix Braune äußerte die Vermutung, dass die Kapitalerhöhung von Drillisch nicht vollständig gezeichnet worden und United Internet eingesprungen sei. Eine strategische Logik bezweifelt der Analyst. Es sei nicht zu erkennen, wozu ein Anteil an Drillisch für eine Vertriebskooperation oder eine Übernahme von Freenet nötig sei, erklärte Braune.
Die Anleger sprangen jedoch positiv auf den Schritt an: Die Drillisch-Aktie legte am Mittwoch in der Spitze um knapp vier Prozent zu. Die United Internet-Aktie stieg zeitweise bis zu sechs Prozent.
Die beiden Unternehmen hatten sich bereits verbündet, um Anteile am Konkurrenten Freenet aufzustocken oder den Wettbewerber ganz zu übernehmen. Die Gemeinschaftsfirma MSP ist mit sechs Prozent an Freenet beteiligt und hat die Option auf weitere 18,5 Prozent der Anteile bis Ende November. Drillisch hält darüber hinaus weitere zehn Prozent an Freenet.
Versatel im Visier von Investoren
United-Internet-Chef Ralf Dommermuth
United-Internet-Chef Ralf Dommermuth
Drillisch macht sich seit längerem für eine Aufspaltung von Freenet stark und würde sich gerne das Mobilfunkgeschäft einverleiben. Darüber laufen exklusive Gespräche. Ein Verkauf der Sparte ist aber an eine Gesamtlösung für das Unternehmen geknüpft. United Internet wurde bislang als Käufer des DSL-Geschäfts von Freenet gehandelt. Allerdings stieg das Unternehmen vergangene Woche aus den bilateralen Kooperationsgesprächen mit Freenet aus.
Am Finanzmarkt wird unterdessen spekuliert, dass United Internet nun die Fühler nach dem Telekommunikationsanbieter Versatel ausstreckt. Versatel, an der der Finanzinvestor Apax mehr als 40 Prozent hält, gilt schon länger als Übernahmekandidat. In den letzten Tagen hat die Berenberg Bank ihren Versatel-Anteil massiv aufgestockt. Das Geldinstitut meldete am Mittwoch, dass es eine Beteiligung von 15,05 Prozent hält. Ein Berenberg-Sprecher bezeichnete den Anteil als Handelsbestand, die Beteiligung sei nicht strategisch angelegt. Die Handelsvolumina der vergangenen Tage deuten darauf hin, dass die Bank nicht alle Anteile im freien Handel aufgekauft hat, sondern sich womöglich auch einer der großen Aktionäre von Anteilen trennt. Neben Apax ist auch der niederländische Investor Cyrte an Versatel beteiligt. Analysten bezeichneten eine Übernahme von Versatel als plausibel, allerdings sprachen sie von vielen möglichen Interessenten. Die Versatel-Aktie lag auch am Mittwoch deutlich im Plus, sie stieg zeitweise um fast 13 Prozent.
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