Billigmarke soll Telekom sanieren
Mit einer radikalen Neuausrichtung reagiert Telekom-Chef René Obermann auf das katastrophale Ergebnis des Konzerns im vergangenen Jahr. Der Markenname T-Com soll verschwinden. Dafür will der Konzern mit einer neuen Marke im Billigsegment angreifen.
Im Privatkundengeschäft werde die Telekom ihre Produkte künftig nur noch unter den Marken "T-Mobile" und "T-Home" anbieten, sagte Obermann bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in Bonn. Damit könne der Konzern seine Kunden künftig besser ansprechen.
Die bisherige Mobilfunkmarke "T-Mobile" stehe künftig für alle Angebote für unterwegs, "T-Home" stehe für Produkte, die zu Hause genutzt werden, sagte der Konzernchef. Die kaum überschaubare Markenvielfalt stifte bisher oft Verwirrung. "Wir haben eine Markensituation, die etwas diffus ist", räumte Obermann ein. Außerdem seien mit der neuen Strategie erhebliche Einsparungen im Marketingetat verbunden, der sich derzeit auf rund 2 Mrd. Euro weltweit beläuft.
Auf den Preiskampf im deutschen Festnetz und unter den Mobilfunkanbietern will die Telekom noch vor diesem Sommer mit dem Start einer Zweitmarke reagieren. Geplant seien einfache und günstige Angebote im Festnetz und Mobilfunk, sagte Obermann. Bis 2010 will er mit der Zweitmarke einen Umsatz von 1 Mrd. Euro erzielen.
Gewinneinbruch um 43 Prozent
Europas größter Telekommunikationskonzern musste 2006 einen Gewinneinbruch von rund 43 Prozent hinnehmen. Unter dem Strich erzielte der Konzern einen Überschuss von knapp 3,2 Mrd. Euro. 2007 waren es noch 5,6 Mrd. Euro. Wie die Telekom am Donnerstag in Bonn bekannt gab, stieg der Konzernumsatz um 2,9 Prozent auf 61,3 Mrd. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda zum Glossar...) sank jedoch im Gesamtjahr um 6,2 Prozent auf 19,4 Mrd. Euro und traf damit die Erwartungen der Analysten, die 19,2 bis 19,7 Mrd. Euro vorausgesagt hatten.
Alle drei Sparten, T-Com, T-Mobile und die Geschäftskundensparte T-Systems, büßten sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis im inländischen Geschäft ein. Nur dank des US-Geschäfts und des Erlösbeitrags der erstmals konsolidierten Töchter Telering, Gedas und PTC konnte der Konzernumsatz zulegen.
Erst im Januar hatte die Telekom ihre zweite Gewinnwarnung innerhalb eines halben Jahres ausgegeben und dies unter anderem mit dem scharfen Wettbewerb sowohl im Breitband- als auch im Mobilfunkmarkt in Deutschland begründet. Im vierten Quartal 2006 rutschte die Telekom wegen der Belastungen durch den Personalabbau in die Verlustzone. Der Fehlbetrag belief sich auf 898 Mio. Euro nach einem Überschuss von 991 Mio. Euro ein Jahr zuvor.
Dividende wird nicht erhöht
Enttäuschend für die Anleger war vor allem die Ankündigung einer Dividende in Vorjahreshöhe von 0,72 Euro je Aktie. Noch Ende Januar hatte der Telekom-Vorstand den Anlegern eine Dividende "mindestens in Vorjahreshöhe von 0,72 Euro je Aktie" in Aussicht gestellt und damit Hoffnungen auf eine Ausschüttung in neuer Rekordhöhe genährt.
"Bei der Dividende gab es noch geringe Hoffnungen auf eine leichte positive Überraschung, die haben sich nicht erfüllt", sagte Thomas Friedrich, Analyst bei der Hypovereinsbank. Die T-Aktien brachen am Donnerstag zeitweise um 3,3 Prozent ein.
Die Gewerkschaft Verdi, mit der die Konzernführung in Kürze Verhandlungen über geringere Löhne und Mehrarbeit für Zehntausende Mitarbeiter verhandeln will, hatte eine mögliche Dividendenerhöhung kritisiert. Konzernchef Obermann will mindestens 45.000 Service-Mitarbeiter der Festnetzsparte T-Com in konzerneigene Gesellschaften ausgliedern, wo andere Tarifbedingungen gelten sollen. Die Gewerkschaft droht dagegen mit Streik. Der Aufsichtsrat hatte Obermanns Personalpläne am Mittwoch gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter gebilligt.
Auf der Bilanzpressekonferenz in Bonn legte Obermann auch Details zu seiner Strategie vor, mit der er die Probleme in allem Sparten der Telekom in den Griff bekommen will. Neben der anhaltenden Abwanderung von Kunden aus dem T-Com-Festnetz macht dem Konzern auch der Preiskampf und das gesunkene Preisniveau im Mobilfunk zu schaffen. Vor allem mit Kostensenkungen von bis zu 4,7 Mrd. Euro bis 2010 will Obermann sein Unternehmen wettbewerbsfähig machen. Bereits im laufenden Jahr sollen 2 Mrd. Euro eingespart werden.
Wachstumschancen sieht Obermann für die Telekom unter anderem beim internetbasierten Fernsehen. Bis Ende 2010 will er rund 1,5 Millionen Kunden für das Angebot gewinnen. Dazu sollen 50 Städte in Deutschland an das neue Hochgeschwindigkeitsnetz VDSL angeschlossen werden. 750 weitere Städte sollen mit der aufgerüsteten DSL-Technologie ADSL2+ erschlossen werden. Für 2007 gab Obermann das Ziel aus, 40 Prozent der neuen Kunden auf dem Breitbandmarkt für die Telekom gewinnen zu wollen.
Strategiewechsel im Ausland
Im Ausland will Obermann vor allem im Mobilfunkgeschäft expandieren. Dabei seien auch Zukäufe und eine Expansion in neue Regionen möglich. Bislang hatte die Telekom auf seine weitgehend gesättigten Stammmärkte gesetzt. In wichtigen wachsenden Märkten, wie China und dem Nahen Osten ist der Konzern dagegen bislang nicht vertreten.
Für die Geschäftskundensparte T-Systems strebt die Telekom eine strategische Partnerschaft an. Die Mittel für die Expansionspläne sollen aus dem Verkauf von Randbereichen kommen. Der Konzern erwäge unter anderem, sein Internetgeschäft in Frankreich und Spanien zu verkaufen.