Da Aldi kein eigenes Mobilfunknetz besitzt, kauft das Unternehmen Minutenpakete bei dem drittgrößten Netzbetreiber E-Plus ein. Seinen Kunden verkauft der Lebensmitteldiscounter dann im voraus bezahlte Guthabenkarten unter der eigenen Marke Aldi-Talk.
Die Erfolgsaussichten im neuen Markt bewertet Aldi anscheinend sehr optimistisch: In der Branche heißt es, die Kette werde E-Plus bis Ende kommenden Jahres 750 000 Guthabenkarten abnehmen.
Das wäre deutlich mehr als der Kaffeeröster Tchibo in den vergangenen eineinhalb Jahren erzielen konnte. Das Unternehmen verkauft bereits seit Juli 2004 Mobilfunkkarten im Joint Venture mit dem Mobilfunkkonzern O2 und hat damit bislang rund 440 000 Kunden gewonnen. Ketten wie Aldi und Tchibo wollen im lukrativen Mobilfunkgeschäft mit ihren starken Marken und ihren zahlreichen Filialen gegen die etablierten Unternehmen und Vertriebsschienen bestehen.
Roman Friedrich von der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton ist dagegen pessimistischer: „Die neuen Anbieter werden dauerhaft nur in den seltensten Fällen erfolgreich sein, weil sie stets am Tropf der Netzbetreiber hängen“, sagt der Branchenexperte. Das hindert aber gerade die Lebensmittelhändler nicht daran, massiv in das Mobilfunkgeschäft zu drängen. Kurz nach Aldi hat auch der Discounter Plus einen Mobilfunktarif ins Programm genommen – vorerst allerdings nur als Online-Angebot. Aldis schärfster Konkurrent, Lidl, steht ebenfalls bereits in den Startlöchern.
Der Grund, warum es allerlei Branchenfremde in den Mobilfunk zieht, sind die vergleichsweise hohen Gewinnmargen von zwanzig bis vierzig Prozent. Bisher gab es in Deutschland nur vier Anbieter, die sich ihr Leben nicht gegenseitig schwer gemacht haben. In dem zunehmend gesättigten Markt kämpfen die Unternehmen aber nun mit immer härteren Bandagen.
Nach dem Aldi-Vorstoß haben sich die Billigheimer bei Tarifen zwischen 14 und 16 Cent pro Minute eingependelt. Untereinander telefonieren Aldi-Kunden für fünf Cent. Die Konkurrenten Simply und Easymobile lassen ihre Nutzer bis Ende Februar sogar kostenlos miteinander plaudern. Klar im Vorteil bei Preisoffensiven in der eigenen Kundengruppe ist Branchenführer T-Mobile mit seinen 28 Mill. Kunden. Ihnen bietet das Unternehmen nun ebenso wie Aldi Gespräche für fünf Cent. „Das war ein geschickter Zug“, erklärt Thomas Goette von der Unternehmensberatung Diamond Cluster. „T-Mobile signalisiert so den eigenen Kunden, dass sie nicht zu einem Billiganbieter wechseln müssen, um ein gutes Angebot zu bekommen. “
Das Gerangel um den niedrigsten Preis hat allerdings eine natürliche Grenze: Die Mobilfunknetzbetreiber verlangen für jeden Anruf, den sie in ihr Netz leiten, zwischen 11 und 12 Cent Gebühren. Bei jedem Tarif darunter würden sie bei Anrufen in ein anderes Mobilfunknetz Verluste machen.
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Mobilfunktarife in Deutschland im freien Fall
Hintergrund: Nach einem äußerst rasanten Wachstum zu Beginn ist der Mobilfunkmarkt in Deutschland inzwischen weitgehend gesättigt. Weil bereits fast jeder Bundesbürger ein Handy besitzt, müssen sich die Unternehmen der Branche nun gegenseitig Kunden abjagen.
Auslöser: Angefacht hat den Preiskrieg in der deutschen Mobilfunkbranche der drittgrößte Netzbetreiber E-Plus, der im Frühjahr seine Billigmarke Simyo auf den Markt brachte und Gespräche für 19 Cent pro Minute anbot. E-Plus vertreibt die Billigmarke allerdings nur über das Internet. Auch Handys verkauft das Unternehmen bei diesem Angebot nicht.
Nachahmer:Das Modell haben inzwischen zahlreiche Anbieter kopiert. Selbst Marktführer T-Mobile hat schon drei Billigheimer auf sein Netz gelassen: Simply, Klarmobil und Easymobile – eine Tochter der britischen Easy-Gruppe, zu der auch der Billigflieger Easyjet gehört. Diese kaufen Minutenpakete bei Netzbetreiber T-Mobile ein und verkaufen sie unter eigener Marke an ihre Kunden weiter.
Margen von 20 - 40 % ;-)))
Nicht schlecht oder ?