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Warum Enbridge-Vorzugsaktien jetzt als „best investment grade preferred stock“ gelten – und was das für konservative Anleger bedeutet

Die kanadische Enbridge Inc. bietet mit ihren Vorzugsaktien nach Einschätzung eines Analysebeitrags auf Seeking Alpha weiterhin eine der attraktivsten Anlagechancen im Segment der Investment-Grade-Prefs. Im Fokus stehen dabei vor allem die in kanadischen Dollar (Dollarkurs) notierten, variabel verzinsten Serien, die aus Sicht des Autors ein besonders vorteilhaftes Chance-Risiko-Profil im aktuellen Zinsumfeld aufweisen. Im Folgenden werden Struktur, Renditeprofil und zentrale Risiken der einzelnen Emissionen dargestellt.

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Unternehmen, Kapitalstruktur und Risikoprofil

Enbridge ist ein führender nordamerikanischer Betreiber von Energieinfrastruktur mit Schwerpunkt auf dem Transport von Öl (Rohöl) und Erdgas. Das Unternehmen generiert weitgehend gebührenbasierte, regulierte Cashflows und verfügt über ein Investment-Grade-Rating. Die Vorzugsaktien („preferred shares“) sind im kapitalstrukturellen Rang nachrangig gegenüber vorrangigen Anleihen, stehen aber vor den Stammaktien. Sie zahlen in der Regel kumulative Dividenden, was bedeutet, dass ausgesetzte Ausschüttungen nachgezahlt werden müssen, bevor wieder Dividenden auf Stammaktien fließen.

Enbridge hat zahlreiche Vorzugsserien begeben, überwiegend in Kanada, teils auch in Form in US-Dollar denominierten, an US-Börsen notierten Preferred Shares. Bei den kanadischen Emissionen dominiert die Struktur als „rate reset preferred shares“, deren Kupons in regelmäßigen Abständen an einen Referenzzinssatz – üblicherweise die fünfjährige kanadische Staatsanleihe – angepasst werden. Daneben existieren Serien mit variabler Verzinsung, die an kurzfristige Referenzsätze gekoppelt sind.

Rate-Reset-Struktur und Zinsanpassungsmechanik

Die Rate-Reset-Vorzugsaktien von Enbridge sind so konzipiert, dass ihr Kupon alle fünf Jahre neu festgelegt wird. Der neue Kupon ergibt sich aus dem dann geltenden Fünfjahreszins kanadischer Staatsanleihen plus einem vertraglich fixierten Spread. Je höher dieser Spread, desto attraktiver ist die Serie aus Sicht des Investors, weil sie einen Puffer gegen Zinssenkungen bietet und bei anhaltend hohen Zinsen entsprechend hohe Kupons generiert.

Die Zinsanpassung erfolgt automatisch zum jeweiligen Reset-Datum. Für Anleger bedeutet dies ein hybrides Zinsrisiko: Zwischen den Reset-Zeitpunkten verhalten sich die Papiere ähnlich wie festverzinsliche Anleihen mit Restlaufzeit bis zum nächsten Reset. Am Reset-Datum selbst droht ein Sprung im Kuponniveau nach oben oder unten, abhängig vom Zinsumfeld. Serien mit kurzfristig anstehendem Reset reflektieren dieses Ereignis bereits stärker im Kurs.

US-notierte Enbridge-Prefs: ENB.PF.V und ENB.PF.U

Enbridge hat zwei an US-Börsen gehandelte Preferred Shares, die in dem Beitrag auf Seeking Alpha im Detail betrachtet werden. Eine dieser Serien ist derzeit der Favorit des Autors: Sie sei „still the best investment grade preferred stock“. Diese Serie weist eine Investment-Grade-Bonität auf und kombiniert eine hohe laufende Rendite mit einem attraktiven Spread über der relevanten Referenzrendite, was sie im Vergleich zu anderen Investment-Grade-Prefs als besonders interessant erscheinen lässt.

Die US-notierten Enbridge-Prefs unterscheiden sich in Währung und Steuerbehandlung von den kanadischen Serien. Sie sind für US-Investoren leichter handelbar und unterliegen der US-Regulierung, während die kanadischen Vorzugsaktien an der Toronto Stock Exchange notieren und in kanadischen Dollar geführt werden. Beide Gruppen bieten eine Exponierung gegenüber dem gleichen Emittentenrisiko, unterscheiden sich aber in Detailstrukturen wie Call-Daten, Reset-Terminen und Kuponformeln.

Kanadische Vorzugsserien: Fokus auf variabel verzinste Papiere

Die Analyse auf Seeking Alpha konzentriert sich im weiteren Verlauf auf die kanadischen Vorzugsserien von Enbridge und betont vor allem die Attraktivität der variabel verzinsten („floating“) Serien im aktuellen Umfeld. Diese Floating-Rate-Prefs passen ihre Kupons kurzfristiger an Referenzzinsen an als klassische Fünfjahres-Reset-Strukturen. Daraus resultiert eine höhere Sensitivität der laufenden Ausschüttung gegenüber Veränderungen im kurzfristigen Zinsniveau.

Im derzeit noch vergleichsweise hohen Zinsumfeld generieren diese variablen Serien eine überdurchschnittliche laufende Rendite. Gleichzeitig dürfte sich der Kurs weniger stark negativ entwickeln, falls die Zinsen weiter steigen, weil die Kupons nach oben folgen. Bei beginnenden Zinssenkungen besteht hingegen das Risiko rückläufiger Kupons und tendenziell sinkender Kurse, wenngleich der Kursrückgang durch die geringere Duration gegenüber klassischen Fixed-Rate-Anleihen begrenzt sein kann.

Renditen, Spreads und Bewertungssituation

Der Seeking-Alpha-Beitrag stellt heraus, dass die Renditen vieler Enbridge-Vorzugsserien deutlich über denen vergleichbarer Investment-Grade-Anleihen und Preferred Shares anderer Emittenten liegen. Die Kombination aus Unternehmensbonität, hoher Kuponbasis und strukturellem Schutz durch Reset- oder Floating-Mechanismen werde vom Markt aus Sicht des Autors nur unzureichend eingepreist.

Besonders die Floating-Serien erscheinen nach dieser Analyse unterbewertet. Sie bieten nicht nur eine hohe laufende Cashflow-Rendite, sondern auch einen attraktiven Spread über den zugrunde liegenden Referenzsätzen. Dieser Spread reflektiert das Emittentenrisiko sowie die strukturellen Besonderheiten der Papiere. Angesichts der Qualität des Emittenten und der stabilen Cashflows wird argumentiert, dass der Markt einen zu hohen Risikoaufschlag verlangt.

Hinzu kommt, dass einige Serien mit deutlichem Abschlag auf ihre Liquidationspräferenz („par value“) gehandelt werden. Daraus ergibt sich ein zusätzliches Kurssteigerungspotenzial, sollte der Emittent die Titel zum Nennwert kündigen („callen“) oder sollte sich die Marktstimmung zugunsten von Preferred Shares verbessern. Die Call-Risiken – also die Gefahr, dass hohe Kupons durch eine Emittentenkündigung früher enden – werden dabei in Kauf genommen, weil sie im Gegenzug Kursgewinne am Tag der Kündigung ermöglichen, wenn vorher unter Pari gekauft wurde.

Emittentenrisiko, Regulierung und politische Faktoren

Das Emittentenrisiko bleibt ein zentraler Faktor. Enbridge ist zwar Investment Grade, dennoch ist das Geschäftsmodell nicht frei von regulatorischen und politischen Risiken. Pipeline-Projekte unterliegen Genehmigungsverfahren, und Änderungen im regulatorischen Rahmenwerk können Cashflows und Wachstumspläne beeinträchtigen. Diese Risiken schlagen sich im Risikoaufschlag der Vorzugsaktien nieder.

Anders als bei vorrangigen Anleihen ist bei Vorzugsaktien zudem die Ausschüttung formal diskretionär. Der Emittent kann Dividenden aussetzen, ohne technisch in Zahlungsverzug zu geraten. Die Kumulativität der Dividenden schafft zwar einen nachgelagerten Anspruch, schützt aber nicht vor temporären Ausschüttungspausen. Für ein Unternehmen wie Enbridge, das auf Kapitalmarktzugang angewiesen ist und eine lange Historie regelmäßiger Ausschüttungen besitzt, wird dieses Risiko jedoch vom Markt als begrenzt eingeschätzt.

Liquidität, Währungsrisiko und steuerliche Aspekte

Die Liquidität der verschiedenen Enbridge-Vorzugsserien variiert. US-notierte Serien weisen in der Regel ein höheres Handelsvolumen auf als viele kanadische, teils kleinvolumige Emissionen. Für institutionelle oder größere private Investoren kann die Marktliquidität einzelner Serien deshalb ein praktischer Beschränkungsfaktor sein, insbesondere bei einem gewünschten schnellen Auf- oder Abbau von Positionen.

Für nicht-kanadische Investoren kommt das Währungsrisiko hinzu. Kanadische Vorzugsaktien in CAD unterliegen Schwankungen des USD/CAD- oder EUR/CAD-Kurses. Diese Wechselkursvolatilität kann die in Heimatwährung gemessene Gesamtrendite erhöhen oder verringern. Steuerlich sind Quellensteuern und deren Anrechnung im Wohnsitzstaat des Anlegers zu berücksichtigen; die konkreten Auswirkungen hängen vom jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen ab.

Gesamturteil der Analyse

Die Analyse auf Seeking Alpha kommt zu dem Ergebnis, dass die Enbridge-Vorzugsaktien – insbesondere die in dem Beitrag hervorgehobene US-notierte Investment-Grade-Serie und die kanadischen Floating-Rate-Prefs – im aktuellen Marktumfeld ein überdurchschnittlich attraktives Risiko-Ertrags-Profil bieten. Wörtlich heißt es, dass es sich dabei „still the best investment grade preferred stock“ handle. Ausschlaggebend sind die hohe laufende Rendite, die soliden, weitgehend gebührenbasierten Cashflows des Emittenten sowie die Zinsanpassungsmechanismen, die einen gewissen Schutz gegenüber Zinsänderungsrisiken bieten.

Gleichzeitig wird betont, dass Anleger die spezifischen Risiken – Emittentenrisiko, Call-Risiko, regulatorisches Umfeld, Währungs- und Liquiditätsrisiko – sorgfältig abwägen müssen. Die Papiere eignen sich demnach vor allem für Investoren, die mit der Struktur kanadischer Rate-Reset- und Floating-Preferred-Shares vertraut sind und bereit sind, die höhere Komplexität gegenüber einfachen Festzinsanleihen in Kauf zu nehmen.

Fazit: Einordnung für konservative Anleger

Für konservative Anleger mit Fokus auf laufende Erträge und Bonität im Investment-Grade-Bereich können die diskutierten Enbridge-Vorzugsaktien eine interessante Beimischung sein. Der Ansatz, über Preferred Shares eines stabilen Infrastrukturanbieters erhöhten laufenden Cashflow zu generieren, passt in ein einkommensorientiertes Portfolio, sofern eine angemessene Diversifikation und Größenbegrenzung je Emittent gewahrt bleibt.

Wer stark sicherheitsorientiert ist und Zinsschwankungen oder Währungsrisiken möglichst vermeiden will, dürfte weiterhin mit klassischen Investment-Grade-Anleihen besser bedient sein. Wer hingegen bereit ist, das spezifische Profil von Preferred Shares – Nachrangigkeit, Call-Risiko und komplexe Zinsstrukturen – bewusst zu tragen, kann die von Seeking Alpha hervorgehobenen Enbridge-Serien als potenziell attraktive Renditequelle prüfen. Aus konservativer Sicht bietet sich eine schrittweise, begrenzte Positionsaufbau-Strategie an, idealerweise im Rahmen eines breiter gestreuten Einkommensportfolios.

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