Vom Vermögensaufbau zur Entnahmephase
Im Beitrag wird herausgearbeitet, dass viele Anleger ihren Ruhestand noch immer mit der Faustregel der „4%-Entnahmerate“ planen, bei der jährlich ein fixer Prozentsatz des Portfolios veräußert wird. Dieses Modell zwingt in schwachen Marktphasen zum Verkauf von Anteilen zu ungünstigen Kursen und erhöht das Risiko, dass das Vermögen vorzeitig aufgezehrt wird. Die vorgestellte Methode verfolgt stattdessen das Ziel, „to live off the income your portfolio generates, without having to sell shares".
Der Autor auf Seeking Alpha betont, dass der Fokus auf laufendem Cashflow den psychologischen Druck reduziert, in Bärenmärkten Verkäufe zu tätigen. Gleichzeitig bleibt das Kapital weitgehend investiert, sodass es am langfristigen Wachstum teilhaben kann. Entnahmen erfolgen bevorzugt aus Dividenden, Zinsen und sonstigen laufenden Erträgen.
Konzeption eines einkommensorientierten Portfolios
Die „Income Method“ setzt auf ein breit diversifiziertes Portfolio von Wertpapieren mit hohen und verlässlichen Ausschüttungen. Im Zentrum stehen ertragsstarke Anlageklassen wie REITs, Business Development Companies (BDCs), geschlossene Fonds (Closed-End Funds, CEFs) und andere Hochdividendenwerte. Ziel ist es, eine laufende Rendite zu erzielen, die deutlich über den Ausschüttungen klassischer Blue-Chip-Dividendentitel liegt.
Hervorgehoben wird, dass es dabei nicht um reine Maximierung der Dividendenrendite geht, sondern um ein ausgewogenes Verhältnis von Ertrag, Risiko und Nachhaltigkeit der Ausschüttungen. Die Titelauswahl berücksichtigt die Stabilität der Cashflows, die Ausschüttungshistorie und die Fähigkeit der Emittenten, ihre Zahlungen auch in wirtschaftlich schwierigeren Phasen aufrechtzuerhalten.
Planbare Zahlungsströme im Ruhestand
Ein zentrales Element der vorgestellten Methode ist die Planung der Cashflows entlang des tatsächlichen Liquiditätsbedarfs im Ruhestand. Zielgröße ist, dass die laufenden Erträge die regelmäßigen Lebenshaltungskosten sowie planbare Sonderausgaben abdecken. Der Beitrag führt aus, dass Anleger ihre jährlichen Ausgaben ermitteln und daraus die notwendige Ziel-Cashflowrendite des Portfolios ableiten sollen.
Wenn die laufenden Erträge temporär über den benötigten Ausgaben liegen, kann der Überschuss reinvestiert werden, um den künftigen Cashflow weiter zu steigern. In Phasen erhöhter Ausgaben dienen die laufenden Ausschüttungen als Puffer, ohne dass in größerem Umfang Substanz veräußert werden muss.
Umgang mit Marktvolatilität
Die „Income Method“ adressiert explizit das Problem von Kursschwankungen und Crashphasen. Da der Schwerpunkt auf dem Cashflow und nicht auf kurzfristigen Kursgewinnen liegt, soll die emotionale Belastung durch Marktvolatilität reduziert werden. Dividenden und Ausschüttungen werden in der Regel weniger stark und weniger unmittelbar von Marktschwankungen beeinflusst als Kurse.
Der Beitrag zeigt auf, dass einkommensorientierte Anleger Kursschwächen nutzen können, um Positionen mit attraktiver Ausschüttung zu niedrigeren Kursen auszubauen, sofern die fundamentale Ertragskraft der jeweiligen Unternehmen oder Vehikel intakt bleibt. Reinvestierte Ausschüttungen in Schwächephasen erhöhen die künftige Einkommensbasis.
Reinvestition vor dem Ruhestand
Für Anleger in der Aufbauphase empfiehlt der Artikel, den Großteil der laufenden Erträge konsequent zu reinvestieren, um den Zinseszinseffekt auf den Cashflow zu maximieren. Je früher begonnen wird, desto stärker wirkt der Effekt kumulierender Ertragsströme. Aus einem moderaten Anfangscashflow kann im Zeitverlauf durch Wiederanlage eine deutlich höhere Einnahmenbasis entstehen.
Die Systematik ähnelt dem bekannten Konzept des Wiederanlegens von Dividenden, fokussiert sich aber dezidiert auf Hochdividendenwerte und einkommensstarke Vehikel. Mit Fortschreiten des Lebensalters und Annäherung an den Ruhestand verschiebt sich der Schwerpunkt von Reinvestition zu Nutzung der Erträge für den Lebensunterhalt.
Risikomanagement und Diversifikation
Der Beitrag auf Seeking Alpha unterstreicht, dass hohe Ausschüttungen stets mit Risiken verbunden sind, etwa hinsichtlich Ausfall-, Zinsänderungs- oder Sektorenspezifika. Ein Kernelement der „Income Method“ ist daher eine breite Diversifikation über verschiedene Sektoren und Instrumente. Dazu gehören unterschiedliche REIT-Segmente, vielfältige BDC-Strategien sowie CEFs mit abweichenden Anlageuniversen und Hebelstrukturen.
Die Überwachung der einzelnen Positionen konzentriert sich nicht primär auf die Kursentwicklung, sondern auf Kennzahlen wie Ausschüttungsdeckungsgrad, Cashflow-Stabilität und Verschuldungsniveau. Potenzielle Dividendenkürzungen werden als wesentliches Risiko identifiziert, da sie den laufenden Cashflow unmittelbar reduzieren.
Entnahmestrategie in der Ruhestandsphase
Im Ruhestand zielt die Methode darauf ab, die Entnahmen strikt an den laufenden Cashflows auszurichten. Fixe prozentuale Entnahmeraten aus dem Gesamtportfolio treten in den Hintergrund. Stattdessen werden Dividenden, Zinsen und andere Ausschüttungen für den Lebensunterhalt verwendet.
Sofern die laufenden Erträge stabil bleiben, kann das Portfolio nominell weitgehend unangetastet bleiben. Nur in Ausnahmesituationen – etwa bei außergewöhnlich hohen Ausgaben – kommt es zu selektiven Teilverkäufen. Dies soll die Langlebigkeitsrisiken des Portfolios verringern, da systematischer Kapitalverzehr vermieden wird.
Psychologische Aspekte der Einkommensorientierung
Der Beitrag hebt hervor, dass viele Anleger in der Entnahmephase emotional stark auf Kursschwankungen reagieren, wenn ihr Fokus auf dem Gesamtportfoliowert liegt. Der Wechsel der Perspektive vom Kurswert zum Cashflow kann diese Anfälligkeit reduzieren. Regelmäßige Ausschüttungen vermitteln Planbarkeit und verringern die Tendenz zu panikartigen Verkäufen in Baissephasen.
Die Wahrnehmung, „from living off your portfolio's value to living off its income" zu wechseln, wird als mentaler Paradigmenwechsel beschrieben. Dieser soll helfen, disziplinierter investiert zu bleiben und langfristige Strategien konsequent umzusetzen.
Fazit: Einordnung für konservative Anleger
Für konservative Anleger bietet die in dem Seeking-Alpha-Beitrag beschriebene „Income Method“ einen strukturierten Ansatz, den Ruhestand auf laufende Cashflows zu stützen anstatt auf systematischen Kapitalverzehr. Wer sicherheitsorientiert agiert, könnte diese Nachricht zum Anlass nehmen, die eigene Ruhestandsplanung dahingehend zu überprüfen, inwieweit der Cashflow aus Dividenden, Zinsen und anderen Ausschüttungen die Ausgaben im Alter decken kann.
Eine mögliche Reaktion bestünde darin, schrittweise einen größeren Anteil einkommensstarker, aber diversifizierter Positionen ins Portfolio zu integrieren und die Stabilität ihrer Ausschüttungen kritisch zu analysieren. Dabei bleibt es für konservative Investoren zentral, Renditeerwartung und Risiko sorgfältig abzuwägen und keine übermäßige Konzentration in einzelnen Hochdividenden-Segmenten einzugehen.
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