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DAX gegen S&P 500 – Ist teuer relativ?

Vanyo Walter ist seit Juni 2023 Managing Director bei der RoboMarkets Deutschland GmbH.

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FR: Herr Walter, Europas Aktienmärkte – allen voran der DAX – haben in der ersten Jahreshälfte beeindruckend zugelegt. Doch nun holt die Nasdaq wieder auf. Hat der DAX seinen Höhepunkt bereits erreicht?

Vanyo Walter: Der DAX hat tatsächlich eine starke erste Jahreshälfte gezeigt, steht aber vor Herausforderungen. Die zuletzt wieder aufflammende Wachstumsfantasie in den USA ist vor allem durch gesunkene Zinserwartungen bedingt, was wachstumsstarke US-Technologieaktien bevorzugt. Trotzdem sehe ich für den DAX weiterhin Chancen, sofern Europa stabil bleibt und die US-Zollpolitik sich nicht weiter verschärft. Es spricht einiges dafür, dass Europa im zweiten Halbjahr weiterhin attraktiv bleibt – allerdings selektiver als zuvor.

FR: Mit Blick auf Bewertungen: Der S&P 500 ist derzeit deutlich höher bewertet als der DAX. Bedeutet das automatisch, dass deutsche Aktien günstiger sind?

Walter: Nur auf den ersten Blick. Der S&P 500 liegt mit einem KGV von 21,6 zwar deutlich über seinem historischen Durchschnitt und auch über dem DAX (KGV etwa 16). Allerdings gibt es hierfür gute Gründe: Die US-Unternehmen zeigen seit Jahren höhere Wachstumsraten als deutsche Firmen. Aktuell liegen die Prognosen für die USA bei etwa neun Prozent Gewinnwachstum, für den DAX dagegen nur bei fünf Prozent. Hinzu kommt, dass US-Unternehmen in der Vergangenheit oft sogar über den Erwartungen lagen. Die höhere Bewertung ist somit fundamental gerechtfertigt.

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FR: Bleibt das Umfeld für Wachstumsaktien in den USA auch in der zweiten Jahreshälfte attraktiv, oder sehen Sie Risiken?

Walter: Grundsätzlich bieten fallende Zinsen einen erheblichen Vorteil für Wachstumsaktien, da künftige Gewinne höher bewertet werden und Finanzierungskosten sinken. Derzeit ist allerdings die Zinspolitik der Fed unsicherer denn je, gerade wegen möglicher politischer Einflussnahme unter einer Trump-Regierung. Hinzu kommt die anhaltende Zollunsicherheit, die das Potenzial hat, die Gewinne negativ zu beeinflussen. Die nächsten Quartalsergebnisse werden entscheidend sein, um zu beurteilen, ob die Märkte derzeit realistische Erwartungen widerspiegeln – oder ob wir eine Übertreibung erleben, die korrigiert werden muss.

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