DAX – Aktienrekord im schwächsten Land der Welt

Feingold Research  | 
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Der deutsche Aktienindex knackte zum Monatsbeginn August die Marke von 26.000 Punkten und verzeichnet ein neues Rekordhoch. Wie kann das sein? Die Nachrichtenlage zur Wirtschaft in Deutschland könnte im Sommer 2026 kaum turbulenter sein.

Die großen Automobilhersteller verkünden Entlassungen nahezu wöchentlich im 1000er-Paket. Ein paar tausend Mitarbeiter bei Audi, als nächstes BMW, dann Mercedes, dann Porsche und Volkswagen. Hinzu kommt ein katastrophal laufendes Geschäft bei Firmen wie Bosch und Trumpf oder Zulieferern aus dem Autosektor. Deutschland ist seit 2020 per saldo mit Nullwachstum gesegnet, während in Europa die gesammelte Konkurrenz auf Wachstumspfad ist. Böse Statistiker zitieren immer wieder die Auswertung, dass es weltweit in den letzten Jahren nur ein Land gibt, das in Sachen Wachstum noch Schlechter als Deutschland dasteht – Äquatorialguinea. Die Bundesregierung hat für 2026 angekündigt, dass die Hoffnung auf eine schwarze Null besteht und dies mit der Ansage garniert, dass 2026 gar keine Rezession anstünde. Mit anderen Worten, man ist mit derart wenig zufrieden, dass Nullwachstum schon als Erfolg gewertet wird. Die jüngsten Zahlen zur Auswanderung, vor allem bei jungen Menschen, sprechen ebenso eine deutliche Sprache wie das Vertrauen der Selbstständigen und des Mittelstands in die Politik.

Der DAX spricht die Sprache internationaler Konzerne

Auf all diese negativen Merkmale trifft ein deutscher Aktienindex, der eben ein Rekordhoch hinlegt. Doch der DAX spricht nicht die Sprache der deutschen Wirtschaft, sondern die Sprache international agierender Konzerne. “Im DAX werden 80 % der Umsätze im Ausland erzielt”, erklärt Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets. Dabei spielt es nur eine geringe Rolle, ob man bei Software auf SAP blickt oder sich bei MTU Aero oder Airbus mit Flugzeugen und Flugzeugzulieferern beschäftigt. Gleichsam werden Titel wie Infineon und Siemens vom internationalen Hype für künstliche Intelligenz getrieben. Im Juli 2026 wurden als meist gehandelte Aktien am Börsenplatz gettex in München die Titel Siemens Energy, Micron, SK Hynix, SAP und Rheinmetall verzeichent.

Die Zugpferde im DAX in den letzten zwölf Monaten sehen dabei relativ logisch aus. “Mit Hochtief und Infineon liegen eben zwei Konzerne ganz vorne, die den Bereich künstliche Intelligenz und die notwendigen Rahmen abdecken”, so CMC. Infineon ist mit 80 Milliarden Euro Marktkapitalisierung mittlerweile doppelt so groß wie BASF und sogar größer als Deutsche Bank oder Münchner Rück. Bei den Autoherstellern macht im DAX Infineon so viel aus wie BMW, Volkswagen und Mercedes zusammen.

Deutschlandbezug wird an der Börse bestraft

Schaut man auf deutsche Aktien mit hohem Anteil an der deutschen Wirtschaft, so wird das Desaster doch sehr augenscheinlich. Porsche Automobil Holding im MDAX liefert auf zwölf Monate einen negativen Renditebeitrag von 17 Prozent. Ähnlich geht es dem Autozulieferer Hella und den Immobilienkonzernen LEG Immobilien oder Aroundtown. Dies wundert kaum und gilt auch für Titel wie Vonovia oder Deutsche Wohnen, da der Wohnungsmarkt von der Politik versehen wird mit Ansätzen wie “Deutsche Wohnen enteignen” oder anderen Regulierungsmöglichkeiten, die vor allem Sozialdemokraten und Grüne sehen.

Der Wohnungsbau in Deutschland liegt auf Mehrjahrestief, weil die Anreize zum Bauen und zum simplen Geschäftemachen in Deutschland so wenig attraktiv sind wie in Vergleichsländern. Im MDAX finden sich auch Titel wie Bechtle, Krones oder TAG Immobilien. Und schaut man eine Klasse tiefer in den SDAX, so ist auf zwölf Monate auffällig, dass auch Titel und Aktien wie Sto, Jungheinrich oder Carl Zeiss ebenso wenig funktionieren wie Hypoport oder Heidelberger Druck. Alles, was großen Bezug hat zum Inland, funktioniert mittel bis gar nicht.

Die Gewinner sind international – und der DAX-Rekord ist kein Deutschland-Rekord

Die High-Flyer im DAX dagegen in den letzten zwölf Monaten werden ergänzt durch Bayer, die mit 75 Prozent Kursplus eine Spezialstory bilden, da die Klagen in den USA sich möglicherweise erledigen könnten, respektive ein teurer Vergleich gefunden wird. Dies haben Investoren vorausgeschickt und die Bayer-Aktie deswegen in den letzten zwölf Monaten massiv gekauft. “Hinter dem Top-Trio folgen mit RWE und Siemens Energy die nächsten beiden Titel aus dem weiteren erweiterten Kreis der KI-Profiteure, flankiert von Siemens und Allianz sowie der Commerzbank mit der Sonderstory der Übernahme durch die UniCredit”, so Thomas Soltau vom Smartbroker. Die einzige Aktie unter den ersten 15, die in Deutschland noch nennenswerte Geschäftsanteile verzeichnet und aus dem Tal der Tränen sich ein wenig emporarbeiten konnte, ist BASF, der die Rendite von viereinhalb Prozent zugute kommt und die Tatsache, dass man im letzten Jahr ein wenig der deutlichen Underperformance im internationalen Vergleich korrigieren konnte.

Dennoch sei bei BASF mit starkem Deutschlandbezug darauf hingewiesen: Wer in den letzten fünf Jahren BASF in seinem Portfolio hatte, sitzt auf Verlusten von immer noch 22 Prozent, während internationale Indizes wie die NASDAQ oder der S&P 500 genauso wie der breite DAX deutlich nach vorne liefen. Kein einziger Titel mit großem Deutschlandbezug schaffte eine Outperformance und somit zeigt sich, dass der DAX-Rekord ein Rekord der international erzielten Umsätze ist.


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