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"Tschechien positioniert sich als Bitcoin-Hauptstadt Europas"

Vom 11. bis 13. Juni findet Europas größte Bitcoin-Konferenz in Prag statt. Organisator Matyáš Kuchař erklärt, wie Tschechien zum europäischen BTC-Vorreiter wurde und was das Land für deutsche Auswanderer jetzt besonders attraktiv machen könnte.

Als Bitcoin-Veteran war Matyáš Kuchař schon zu einer Zeit in der Community aktiv, als das Thema noch keinerlei politische Aufmerksamkeit bekam. Heute organisiert er die größte Bitcoin-only-Konferenz des europäischen Kontinents. Dass ausgerechnet die goldene Stadt zu einem Zentrum der Szene wurde, hält er für keinen Zufall. Misstrauen gegenüber staatlicher Kontrolle und eine lange Bitcoin-Tradition hätten den Boden bereitet. Im Interview erklärt Kuchař, was die BTC Prague im Bärenmarkt besonders spannend macht und welche Folgen das Bitcoin-Investment der tschechischen Nationalbank langfristig haben könnte. Außerdem: Warum Tschechien jetzt zu einem steuerlich attraktiven Auswanderungsziel für deutsche Hodler wird.

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BTC-ECHO: Matyáš, die BTC Prague hat sich zur größten Bitcoin-Konferenz Europas entwickelt. Was macht eure Veranstaltung so einzigartig?

Matyáš Kuchař: Bärenmärkte sind die Zeiten, in denen die echte Arbeit geleistet wird und in denen nur die wirklich Entschlossenen durchhalten. Auch zeigen sie, wer die wahren Wegbereiter für die Adoption sind: die Unternehmen, die Communitys und die Infrastruktur. Sie bestimmen den nächsten Zyklus. Bei der Konferenz mag die Teilnehmerzahl zwar sinken, aber diese Menschen sind dafür wirklich überzeugt.

Es könnte sogar der beste Zeitpunkt sein, um zu kommen, denn die Reisekosten sind niedriger, es gibt weniger Menschenmassen und so kriegt man leichter Zugang zu den Speakern und Entwicklern. Wir haben unsere Konferenz tatsächlich auf zwei Zielgruppen ausgerichtet: die tschechische und die deutschsprachige BTC-Community. Diese Länder führen ganz Europa an, wenn es um das Thema Bitcoin geht.

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Der Bitcoin-Kurs wirkt wie ein Magnet, aber wir konzentrieren uns lieber auf das Wesentliche, also auf Verwahrung, Souveränität und persönliche Freiheit. Daneben gibt es weiter gefasste Themen wie die Frage, wie man ein guter Bürger ist, wie man zu guten Eltern wird oder wie man mit Tools wie KI oder Nostr umgeht. Die Welt wird sich in den kommenden zwei bis fünf Jahren dramatisch verändern. Bei der BTC Prague 2026 drehen sich 90 Prozent der Inhalte um Bitcoin, aber bei den anderen 10 Prozent geht es darum, wie man in der Welt, die auf uns zukommt, wettbewerbsfähig bleibt.

Wie kam es zur ersten BTC Prague und was unterscheidet sie eigentlich von all den anderen Krypto-Konferenzen?

Es begann im Jahr 2020 mit unserer tschechischsprachigen Bitcoin-Konferenz, und die BTC Prague war eine ganz natürliche Weiterentwicklung, da wir erkannt hatten, dass diese Bewegung eine internationale Vertretung braucht. Die Amerikaner hatten Nashville und Las Vegas, aber in Europa fehlte eine solche große Leitveranstaltung, da zwischen unseren Ländern eine sprachliche und kulturelle Barriere besteht. Doch Tschechen und Deutsche sind sich kulturell nahe, uns verbindet eine gemeinsame Geschichte sowie eine ähnliche Einstellung zum Geld aufgrund der Inflationserfahrung.

Als mein Bruder Martin und ich 2022 ausgiebig reisten, haben wir auch die Bitcoin-Konferenz in Innsbruck als die einzigen beiden nicht-deutschsprachigen Teilnehmer besucht. Dort wurde uns klar, dass wir die Barrieren zwischen den Bitcoin-Communities überwinden und dafür sorgen müssen, dass sie sich begegnen. Denn die Zukunft ist sehr ungewiss, und wenn es Probleme gibt, braucht man echte Freunde. Man braucht Verbündete. BTC Prague ist sozusagen die Zentrale des Widerstands. Es wird bald viele KI-Deepfakes geben, und man wird keine Chance haben, zu überprüfen, ob etwas wahr ist oder nicht, wenn man die Menschen vor Ort nicht direkt befragen kann.

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Wir hatten auch großes Glück, in Tschechien geboren zu sein, denn hier fanden wir einen sehr fruchtbaren Boden für unsere Bitcoin-Konferenz. Es gibt eine gut etablierte Infrastruktur, denn der allererste Mining-Pool, Slush, der allererste Hardware-Wallet-Hersteller, Trezor, die BIP-39-Wortliste sowie der größte Hersteller von Bitcoin-Geldautomaten, General Bytes – sie alle stammen aus diesem kleinen Land, sodass es schon seit den Anfängen von Bitcoin eine sehr starke Community gab.

Was waren die tieferen Voraussetzungen dafür, dass Prag zu einem führenden Bitcoin-Hub werden konnte?

Es liegt an unserer Geschichte – ich meine, wir standen so lange unter sowjetischer Kontrolle und unter einem strengen sozialistischen Regime, dass die Menschen ihr Vertrauen in die staatlichen Autoritäten verloren haben. Gleichzeitig erlebte die Handwerkskultur einen enormen Aufschwung, denn die Menschen mussten ihre Dinge wirklich selbst herstellen, um etwas Besonderes zu haben, da der Markt leer war. Die zentrale Planwirtschaft funktionierte nicht, und das zeigte sich auf so vielen Ebenen.

Ich gehöre zur ersten Generation, die in die Demokratie hineingeboren wurde, und wir nehmen das sehr ernst. Deshalb hat Bitcoin sofort Anklang gefunden, und außerdem sind die Tschechen ziemlich technikaffin. Wir haben viele großartige Entwickler. Als sie erkannten, wie Bitcoin die Themen Geldtechnologie und Freiheit vereint, haben sie sich ziemlich schnell darauf eingelassen.

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Wir haben auf diesem fruchtbaren Boden eine riesige Community aufgebaut. Außerdem respektieren wir stets die Werte von Bitcoin, was bedeutet: keine Altcoins, kein “Debt Tree”, keine Vorträge über Blockchain, keine Politiker auf der Bühne. Nicht zuletzt ist die BTC Prague klar europäisch. Unser Charakter ist nicht aus Amerika importiert, wie es beispielsweise bei der Veranstaltung in Amsterdam der Fall ist. Wir lieben, was wir tun und glauben an “Make Europe Great Again”. Dafür muss jeder Einzelne von uns seine Souveränität wahrnehmen und die frohe Bitcoin-Botschaft verbreiten.

Wie steht es denn 2026 um die Mainstream Adoption in Tschechien?

Nun, ich sehe eine riesige Veränderung. Schau dir nur die Menge an – es gibt definitiv nicht mehr so viele schwarze T-Shirts und Hoodies. Man sieht ganz normale Leute, die mit ihren Kindern zur Konferenz kommen, es sind mehr Frauen da, und die Leute sprechen mehr Freiheit sowie darüber, wie Bitcoin ihren eigenen Alltag verändert hat. Die Cypherpunk-Kultur war am Anfang wirklich wichtig, und es ist traurig zu sagen, dass sie irgendwie verschwindet, denn ihre Werte sind extrem wichtig, damit Bitcoin gedeihen kann und den Menschen bessere Werkzeuge an die Hand gibt, um effektiv zu sein.

Schätzungsweise gibt es hier zwischen 500.000 und 1 Million Bitcoin- oder Krypto-Nutzer. Bei 10 Millionen Einwohnern in der Tschechischen Republik entspricht das etwa fünf bis zehn Prozent. Und diese Zahl stammt sogar aus einer zwei Jahre alten Studie unseres tschechischen Kryptowährungsverbands. So wie die Deutschen “Einundzwanzig” haben, die lokalen Meetup-Gruppen, haben wir “Jednadvacet”, was ebenfalls 21 bedeutet. Diese wöchentlichen und monatlichen Meetups sind voll von Power-Usern und ganz normalen Leuten, die versuchen, Bitcoin zu verbreiten und ihre Familienmitglieder mit ins Boot zu holen. Das gab es hier vor vier Jahren noch nicht.

Die Tschechische Nationalbank hat kürzlich Bitcoin in ein kleines Testportfolio aufgenommen, was die EZB kritisiert hat. Was hältst du davon?

Dass die Nationalbank öffentlich erklärt, sie verfüge über ein Testportfolio und habe Bitcoin sowie andere Krypto-Vermögenswerte wie Stablecoins und tokenisierte Vermögenswerte gekauft, ist etwas, das noch vor zwei Jahren absolut unvorstellbar gewesen wäre. Aber es ist geschehen, und schon allein als Fallstudie ist dies ein großartiges Beispiel für andere europäische Länder. Das ist keine Einführung im Stil von El Salvador, sondern eine seriöse Nationalbank eines EU-Mitgliedstaats, die sich mit Bitcoin beschäftigt – also ein enorm wichtiges politisches Signal. Wer weiß, welches Land das nächste sein wird.

Im vergangenen Jahr hat Tschechien eine dreijährige Spekulationsfrist für Krypto-Gewinne eingeführt. Wie wichtig war dieser Schritt?

Als wir dieses Gesetz vor mehr als vier Jahren auf einem Blatt Papier entworfen haben, hielt ich das für eine “Mission Impossible”. Ich habe also wirklich nicht geglaubt, dass es durchkommen würde. Damals betrachtete die tschechische Regierung die Bitcoin-Anhänger zwar nicht freundlich, aber zumindest neutral. Dennoch dachten viele darüber nach, in andere Jurisdiktionen umzuziehen.

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Als diese Wende dann kam und das tschechische Parlament das Gesetz mit parteiübergreifender Unterstützung verabschiedete, war das ein unglaublicher Erfolg. Ich dachte mir: ‘Selbst in der Politik passiert gerade etwas Großes, und es ist sinnvoll, in der Tschechischen Republik zu bleiben und hier etwas aufzubauen.’

Und ich war nicht der Einzige, der sich entschied, zu bleiben und seine Meinung zu ändern. So viele Bitcoin-Anhänger haben ihren Plan B – den Pass und den Umzug mit der Familie – verworfen und sind allein wegen dieses Gesetzes hier geblieben. Sonst hätten sie ihre Heimat verlassen und das Land hätte einen sehr produktiven Teil der Gesellschaft verloren. Die Spieltheorie ist klar: Wenn man seine Bürger nicht gut behandelt, fliehen sie in eine bessere Jurisdiktion, wo sie geschätzt werden. Tschechien hat nun diese rechtliche Klarheit in Bezug auf Steuern und positioniert sich damit als die Bitcoin-Hauptstadt Europas.

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