Die Gründe für Bitcoins Schwächephase sind für Armstrong offensichtlich. Der Rückgang sei vor allem auf kurzfristige Faktoren zurückzuführen, erklärt der Coinbase-Chef im Interview mit Peter Diamandis. Künstliche Intelligenz habe einen Großteil des verfügbaren Risikokapitals angezogen. Aber auch Stablecoins haben nach dem Genius Act zusätzliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Hinzu komme, dass der klassische Inflationsschutz-Trade zuletzt an Überzeugungskraft verloren habe.
Einen möglichen Boden sieht Armstrong im Bereich von 60.000 US-Dollar. Festlegen wolle er sich aber nicht. Er bezeichnet die Marke als Zone, in der Bitcoin nach seiner Einschätzung Unterstützung finden könnte.
Der Markt bleibt skeptisch. Bitcoin notiert derzeit bei rund 62.600 US-Dollar und damit etwa 50 Prozent unter dem Hoch von rund 126.000 US-Dollar aus dem vergangenen Herbst. Wettmärkte wie Polymarket rechnen weiterhin damit, dass die Kryptowährung im Laufe des Jahres noch einmal die Marke von 60.000 US-Dollar testen könnte. Für Armstrong ist die Kursfrage jedoch nur ein Nebenschauplatz. Die eigentliche Entwicklung sieht er an einer anderen Stelle.
Nach Ansicht des Coinbase-Gründers beginnt derzeit eine neue Phase des Internets. Immer mehr KI-Agenten sollen künftig eigenständig Aufgaben erledigen, Dienstleistungen einkaufen und digitale Güter handeln. Damit diese Systeme wirtschaftlich agieren können, benötigen sie jedoch eine eigene Finanzinfrastruktur. Genau hier sieht Armstrong die Chance für Krypto.
„KI-Agenten können heute bereits eigene Wallets erstellen und Transaktionen ausführen“, sagt Armstrong. Und das alles, ohne dass ein Mensch jede einzelne Transaktion freigeben muss. Die Technologie stehe zwar noch am Anfang, entwickle sich aber deutlich schneller, als viele Beobachter erwarteten.
Die Vision klingt futuristisch. Erste Daten deuten darauf hin, dass die Entwicklung bereits begonnen hat. Über das Coinbase-Protokoll x402 wurden bis April 2026 mehr als 165 Millionen Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von rund 50 Millionen US-Dollar verarbeitet.
Die Zahlen zeigen, dass Aktivität vorhanden ist. Die Daten werfen auch neue Fragen auf. Ein erheblicher Teil der Transaktionen dürfte auf Tests oder automatisierte Prozesse entfallen. Der durchschnittliche Zahlungswert liegt häufig nur im Cent-Bereich. Von einer etablierten Maschinenwirtschaft kann deshalb noch keine Rede sein.
Besonders interessant ist dabei die Rolle, die Armstrong Bitcoin in dieser Architektur zuweist. Für die eigentliche Zahlungsabwicklung sieht er Stablecoins im Vorteil. Sie sind wertstabil, leicht übertragbar und eignen sich für den täglichen Einsatz.
Bitcoin sieht Armstrong dagegen als langfristigen Wertanker. „Stablecoins werden das Zahlungsmittel sein, Bitcoin der Goldstandard dahinter“, beschreibt er die künftige Arbeitsteilung im Interview mit Peter Diamandis. In Armstrongs Vorstellung wird die Kryptowährung zum Reservewert einer digitalen Wirtschaft. Armstrong zieht einen Vergleich zu Gold. Bitcoin könnte nach seiner Einschätzung künftig als Wertanker für autonome Netzwerke und KI-Agenten fungieren.
Armstrong geht davon aus, dass künftig Millionen autonomer Systeme wirtschaftliche Entscheidungen treffen werden. Sollte diese Entwicklung eintreten, stellt sich zwangsläufig die Frage, auf welchem Geldsystem diese neue Wirtschaft aufbaut.
Werden KI-Agenten tatsächlich zur nächsten großen Nutzergruppe von Kryptowährungen – oder ist die Vision einer Maschinenökonomie ihrer Zeit noch weit voraus?
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