Valero Energy plus 125 Prozent seit unserer Berichtertsattung: Trägt die Ölkrise die Rekordrally auch durch den Fed-Tag?
Nicolas Fuchs
Nicolas Fuchs
Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.
Ein Pipeline-Angriff in Saudi-Arabien lässt die Ölpreise explodieren – und beschert Raffinerien wie Valero Energy die höchsten Margen seit der Energiekrise 2022. Doch heute Abend um 20 Uhr entscheidet die Fed über die erste Zinserhöhung seit 2023 – und damit auch, ob der Rückenwind für die Aktie anhält
Für dich zusammengefasst:
Valero Energy verzeichnete ein Plus von ca. 125 Prozent.
Die saudische East-West-Pipeline wurde beschädigt.
Der Crack Spread für Raffinerien erreichte historische Ausmaße.
Wer unserer Empfehlung von ARIVA.DE aus dem Januar gefolgt ist, sitzt aktuell auf einem Plus von ca. 125 Prozent. Valero Energy, einer der größten US-Raffineriekonzerne, schloss am Dienstag bei 391,61 US-Dollar – ein Tagesgewinn von 2,3 Prozent und nur wenige Dollar (Dollarkurs) unter dem erst kürzlich markierten 52-Wochen-Hoch von 399,26 Dollar. Der Grund für die anhaltende Stärke liegt nicht in der Aktie selbst, sondern in einem Ölmarkt, der binnen weniger Tage gleich mehrere Schocks verarbieten musste – und in einem Zinsentscheid, der heute Abend über die nächste Marktphase mitentscheidet.
Pipeline-Angriff schickt den Ölpreis auf Mehrmonatshoch
Auslöser der jüngsten Eskalation war die Beschädigung der saudischen East-West-Pipeline am vergangenen Freitag, für die Riad proiranische Milizen im Irak verantwortlich macht. Der Betreiber Saudi Aramco musste den Betrieb mit unmittelbaren Folgen einstellen: Die Rohölsorte Brent sprang am Montag um mehr als vier Prozent auf knapp 110 US-Dollar je Barrel, auch die US-Sorte WTI zog im Sog der Entwicklung deutlich an.
Die Pipeline war bislang der entscheidende Puffer gegen eine Eskalation an der Straße von Hormus: Über die Leitung zum Hafen Yanbu am Roten Meer konnte Saudi-Arabien in der Spitze bis zu fünf Millionen Barrel pro Tag umleiten, wohingegen vor dem Krieg nur rund 1,4 Millionen Barrel über diese Route liefen. Bis zu vier Millionen Barrel täglich, etwa vier Prozent der weltweiten Nachfrage, sind nun gefährdet. Insider gehen laut Nachrichtenagentur AP von mehreren Wochen Reparaturzeit aus, zudem bleibt die Leitung auch danach angreifbar.
Analysten hatten bereits vor dem Angriff höhere Preisziele ausgerufen: Goldman Sachs sah bei einer Eskalation in der Straße von Hormus ein Niveau von 120 Dollar, die Bank of America warnte für den Fall erheblicher Infrastrukturschäden sogar vor bis zu 150 Dollar je Barrel. Genau dieses Szenario ist nun eingetreten. Entsprechend rechnet DBS-Bank-Energieanalyst Suvro Sarkar kurzfristig mit einem Test der 120-Dollar-Marke. Verschärft wird die Lage durch steigende chinesische Importe, die im August laut UBS-Analyst Giovanni Staunovo auf knapp neun Millionen Barrel pro Tag kletterten, nachdem Peking zuvor seine strategischen Reserven angezapft hatte.
Rekordmargen: Der eigentliche Rückenwind für Valero
Für Raffineriekonzerne wie Valero ist nicht der Rohölpreis selbst entscheidend, sondern die Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis der fertigen Produkte, der sogenannte Crack Spread. Und dieser hat historische Ausmaße erreicht: Bis zu 85 Dollar je Barrel, mehr als auf dem Höhepunkt der Energiekrise 2022.
Der Grund liegt im Angebot: Rund acht Prozent der weltweiten Raffineriekapazität sind derzeit außer Betrieb, was der höchste Stand seit der Coronapandemie ist. Die saudische Jazan-Raffinerie mit 400.000 Barrel Tageskapazität steht still, ukrainische Drohnenangriffe haben laut Bloomberg rund 1,6 Millionen Barrel russischer Raffineriekapazität beschädigt und Moskau zu einem strikten Exportverbot veranlasst. Vitol-Chef Russell Hardy beziffert den daraus resultierenden Ausfall an Kraftstoffexporten auf jeweils rund zwei Millionen Barrel pro Tag aus dem Nahen Osten und aus Russland.
Besonders sichtbar wird der Engpass bei Diesel: Die US-Lagerbestände liegen auf dem niedrigsten Stand seit 1982, die Futures erreichten mit rund sechs Dollar je Gallone ein Rekordhoch. Die Bank of America rechnet bis Ende Oktober mit einem Dieselpreis von 1.600 bis 1.800 Dollar je Tonne, aktuell liegt er bei 1.500 Dollar. Goldman Sachs erwartet für das vierte Quartal Dieselmargen von 75 Dollar in den USA und 65 Dollar in Europa. Das sind Werte die genau in das Geschäftsmodell von US-Raffinerien wie Valero einzahlen. Wie stark sich dieser Rückenwind bereits in den Erträgen niederschlägt, dürften die fundamentalen Kennzahlen beim nächsten Quartalsbericht am 22. Oktober 2026 zeigen.
Der Fed-Tag: Zinsentscheid mit Signalwirkung
Während der Ölmarkt für Schlagzeilen sorgt, richtet sich der Blick der Anleger heute auf einen zweiten Termin: Um 20 Uhr deutscher Zeit verkündet die US-Notenbank ihren Zinsentscheid, eine halbe Stunde später tritt Fed-Chef Kevin Warsh vor die Presse. Die Fed-Funds-Futures preisen laut CME FedWatch mit über 90 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent ein. Zum Vergleich: Vor einem Monat lag diese Wahrscheinlichkeit noch bei rund einem Drittel. Es wäre die erste Zinserhöhung seit 2023.
Ausschlaggebend waren die Augustdaten: Die US-Inflationsrate lag bei 3,4 Prozent, die Kerninflation stieg im Monatsvergleich um 0,30 Prozent statt der erwarteten 0,20 Prozent. Der von der Fed bevorzugte PCE-Kernindex kletterte im Juli auf 3,7 Prozent im Jahresvergleich. Der Anleihemarkt hat die Notenbank dabei längst überhollt: Die zweijährige US-Staatsanleihe rentierte am Dienstag bei 4,66 Prozent – rund 90 Basispunkte über der aktuellen Obergrenze des Leitzinses. Die zehnjährige Rendite stieg auf 5,004 Prozent, den höchsten Stand seit 2007, die 20- und 30-jährigen Laufzeiten notieren bei 5,409 respektive 5,372 Prozent.
Politisch ist der Termin heikel: Die Trump-Administration, darunter Vizepräsident JD Vance und das Finanzministerium, drängt nur sieben Wochen vor den Midterms seit Wochen auf niedrigere Zinsen. Auf der anderen Seite warnt Bank-of-America-Stratege Mark Cabana, die Fed stehe vor der Wahl zwischen einer Anhebung oder einem ungeordneten Ausverkauf am langen Ende der Zinskurve. Dass der S&P 500 in der Vorwoche trotz erwarteter Zinserhöhung fast ein Prozent zulegte, deutet darauf hin, dass Aktienanleger eine zögerliche Fed derzeit mehr fürchten als eine handelnde. Historisch ist Vorsicht dennoch angebracht: Nach Daten von Canaccord verlor der S&P 500 in sechs Zinserhöhungszyklen der vergangenen rund 30 Jahre im Monat nach dem ersten Schritt im Schnitt 3,4 Prozent.
Ölpreise und Zinsen: Warum beide Themen heute zusammengehören
Der Zinsschritt und die Ölmarkt-Eskalation sind keine zwei getrennten Geschichten. Laut Marex-Analyst Jonathan Pryor sind es explizit der Ölpreis von zuletzt rund 108 Dollar, neue Zollstreitigkeiten und die wachsende US-Staatsverschuldung, die gemeinsam die langfristigen Anleiherenditen nach oben treiben und die Fed damit faktisch zum Handeln zwingen. Steigende Energiepreise wirken direkt auf die Inflationsdaten – und eine Notenbank, die glaubwürdig bleiben will, kann eine angebotsseitige Verteuerung nicht ignorieren, selbst wenn sie konjunkturell unangenehm ist.
Für Raffineriewerte wie Valero ergibt sich daraus eine Sondersituation: Anders als kapitalintensive Wachstumswerte hängt ihr kurzfristiges Ergebnis primär an der Marge zwischen Rohöl- und Produktpreis, nicht an den Finanzierungskosten. Steigende Zinsen verteuern zwar Investitionen, doch die aktuelle Ertragsdynamik wird von den Crack Spreads dominiert. Ob die Fed heute Abend entschlossen oder zögerlich auftritt, entscheidet laut Cabana vor allem über die Form der Zinskurve: Ein klarer Schritt dürfte kurzfristige Renditen leicht steigen und lange fallen lassen – die freundlichere Variante für Aktienmärkte insgesamt. Ein zögerlicher Schritt hätte das Gegenteil zur Folge.
Ausblick
Für die kommenden Tage bleiben mehrere Faktoren entscheidend: das Tempo der Pipeline-Reparatur in Saudi-Arabien, der Ton von Kevin Warsh um 20:30 Uhr sowie die Frage, wie sich die Crack Spreads angesichts der beginnenden Heizperiode weiterentwickeln. Der DAX, der die Fed-Entscheidung erst am Donnerstagmorgen vollständig verarbeiten wird und zusätzlich überlagert ist von der Zinsentscheidung der Bank of England am selben Tag, notiert aktuell bei rund 25.370 Punkten und damit knapp fünf Prozent unter seinem Rekordhoch vom 28. August.
Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen finden Sie jeweils hier:
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