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Marktrisiko steigt: Fondsmanager ziehen Milliarden aus Risikoanlagen ab

Fondsmanager ziehen sich aus Risikoanlagen zurück. Trumps Druck auf die Fed, hartnäckige Inflation und die Angst vor Stagflation treiben sie trotz steigender Börsen in sichere Häfen.
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Zum Start in das vierte Quartal zeigen sich Fondsmanager weltweit zunehmend vorsichtig. Statt auf risikoreiche Anlagen zu setzen, verlagern viele ihre Mittel in defensive Werte mit geringer Volatilität. Die Stimmung ist von Sorge über die wirtschaftliche Entwicklung, die Geldpolitik der US-Notenbank und den politischen Druck durch US-Präsident Donald Trump geprägt.

"Wir sehen aktuell keine unmittelbare Rezession, aber angesichts des Risiko-Rendite-Verhältnisses ist es sinnvoll, stärker auf sichere Anlagen zu setzen", erklärte David Aujla, Multi-Asset-Fondsmanager bei Invesco (Invesco Aktie), gegenüber CNBC. Hochwertige Staatsanleihen seien daher derzeit attraktiver als Unternehmensanleihen oder Kreditrisiken.

Besonders kritisch sehen Marktbeobachter die Ausweitung riskanter Kredite aus den USA auf andere Märkte. Nach den Insolvenzen der Automobilzulieferer Tricolor und First Brands befürchten Analysten eine Fehlallokation von Kapital im Schattenbankensystem. "Diese Fälle sollten Anlegern zu denken geben", sagte Will McIntosh-Whyte von Rathbone Multi-Asset Portfolio Funds. 

Auch die Euphorie rund um künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend mit Vorsicht betrachtet. "KI-Investitionen stützen derzeit das Wachstum in schwächeren Sektoren. Doch ein Vertrauensverlust könnte sich überproportional negativ auf die Finanzmärkte auswirken", zitierte CNBC Derek Hynes, Portfoliomanager bei Wellington Management.

Trump, Inflation und die Gefahr der Stagflation

Während die Inflation in vielen Ländern hartnäckig bleibt, beobachten Fondsmanager vor allem die USA. Trumps Eingriffe in die Geldpolitik und seine protektionistischen Maßnahmen verschärfen die Unsicherheit. "Eine unerwartet hohe US-Inflation wäre das größte Risiko für die Märkte", sagte John Wyn-Evans von Rathbones.

Der ehemalige EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zeigte sich in einem Interview mit CNBC besorgt. Viele Entscheidungen der US-Regierung seien vom Markt noch nicht verarbeitet, erklärte er.

"Die Kombination aus hohen Zöllen, restriktiver Einwanderungspolitik und einem explodierenden Defizit schafft ein Vertrauensproblem – das alles deutet auf eine Art Stagflation hin."

Trichet lobte zwar die Glaubwürdigkeit der Federal Reserve, kritisierte aber Trumps Eingriffe als "entsetzlich". Auch Pierre-Olivier Gourinchas, Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, betonte, dass die Fähigkeit der Fed, Preisstabilität zu sichern, entscheidend von ihrem Vertrauen am Markt abhänge.

Trotz wachsender Unsicherheit bleiben die globalen Indizes erstaunlich stabil. Doch laut Aujla verdeckt diese Ruhe größere Schwankungen innerhalb einzelner Anlageklassen.

"Volatilität ist nichts, was man fürchten sollte. Sie schafft Chancen, wenn man Unterschiede bei Wachstum und Politik erkennt."

Die verschiedenen geldpolitischen Strategien der Notenbanken könnten dabei zum entscheidenden Treiber werden. "Wir sehen die divergierenden Wege der Zentralbanken als Quelle potenzieller Chancen", so Hynes. Die Europäische Zentralbank dürfte die Zinsen im Oktober stabil halten, nachdem sie zuletzt ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent für 2025 prognostizierte.

In den USA hat die Fed im September ihre erste Zinssenkung seit über einem Jahr vorgenommen. Die Bank of England und die Bank of Japan verfolgen dagegen eine weniger kohärente Linie. "Die Bank of England riskiert, mit ihren Zinssenkungen die Inflation erneut anzuheizen", warnte Hynes. Gleichzeitig könnten höhere Renditen beim japanischen Yen Kapitalrückflüsse auslösen – mit Folgen für die globalen Kreditmärkte.

Autor: sbh-Redaktion/neb


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