MÜNCHEN/INGOLSTADT/STUTTGART (dpa-AFX) - Gleiche Krise, gleiche Sorgen: Die Beschäftigten von BMW (BMW Aktie) und der VW-Tochter Audi und die bayerische IG Metall stellen sich hinter die bundesweiten Proteste bei Mercedes-Benz . Das ist nicht nur Solidarität, denn auch im Freistaat steht die Branche unter Druck, gehen Jobs verloren und wird um Arbeitnehmerrechte gerungen.
Für dich zusammengefasst:
BMW und Audi unterstützen den Mercedes-Protest.
Tausende Mitarbeiter protestieren gegen den Sparkurs.
Viele Mercedes-Mitarbeiter erhalten keine Sonderzahlung.
"Die unverblümten Angriffe gegen die Tarifverträge bei Mercedes sollen uns alle treffen", sagt der Vorsitzende des Audi-Betriebsrats, Jörg Schlagbauer. "In einer Zeit von Absatzeinbrüchen, globalen Krisen und Konflikten" versuchten die Verantwortlichen bei Mercedes "die Gunst der Stunde zu nutzen, um hier tarifpolitische Grenzlinien zu verschieben und die Belegschaften zu erpressen", kritisiert er. "Und wir wissen, wie es weitergehen soll: erst Stuttgart, dann Wolfsburg, dann München und Ingolstadt. Dieses abgekartete Foulspiel der Arbeitgeber dürfen wir Ihnen nicht durchgehen lassen." Jetzt seien Solidarität und Geschlossenheit über die Werksgrenzen hinaus angesagt.
Auch der BMW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Martin Kimmich wird deutlich: "Wem heutzutage nichts anderes einfällt, als nach der 40-Stunden-Woche zu schreien, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt", sagt er. "Die Kolleginnen und Kollegen bei Mercedes haben unsere volle Solidarität und wir stehen in diesem Kampf Seite an Seite."
Bayern ist keine Insel der Seligen
"Mit dem Verzicht von Beschäftigten sichern wir keine Arbeitsplätze", sagt der bayerische IG Metall-Chef Horst Ott und betont: "Wer die 35-Stunden-Woche angreift, legt sich mit der gesamten IG Metall an."
Auch in Bayern ist die Krise der Autoindustrie zu spüren. Nicht nur Zulieferer bauen Tausende Stellen ab. Auch Audi hat bereits vergangenes Jahr eine deutliche Reduzierung der Belegschaft angekündigt und bei BMW wird seit der drastischen Gewinnwarnung im Juni darüber spekuliert, dass ebenfalls Tausende Jobs wegfallen könnten.
Bayern ist hier keine Insel der Seligen: Die großen Umwälzungen der Autoindustrie - unter anderem die Schwäche des wichtigen chinesischen Marktes und der sich international verschärfende Wettbewerb treffen letztlich alle deutschen Hersteller. Auch das gerade veröffentlichte aktuelle Branchenbarometer des Ifo-Instituts zeigt, wie schlecht die Stimmung ist. Seit inzwischen rund drei Jahren liegt es kontinuierlich klar im Minus - im Juni sank die Stimmung leicht auf minus 21,4 Punkte.
Bei Mercedes protestieren Tausende
Bei Mercedes protestierten derweil nach Gewerkschaftsangaben Zehntausende Mitarbeiter gegen die Ausweitung des Sparkurses. Vergangene Woche hatte der Vorstand von Mercedes-Benz die Beschäftigten informiert, dass man "weiterhin mit Hochdruck die Kosten senken" müsse, um bei den Preisen für die Produkte wettbewerbsfähig zu bleiben. "Trotz all unserer Anstrengung ist die Situation heute in Deutschland dramatisch", hieß es darin.
Etwa 90.000 der rund 108.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland erhalten demnach als Sofortmaßnahme nicht wie erwartet im Juli eine tarifliche Sonderzahlung. Diese werde auf das kommende Jahr verschoben, hieß es in dem Schreiben. Zugleich will das Management mit dem Betriebsrat in den kommenden Wochen über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich sprechen, wie das Unternehmen mitteilte. Laut Tarifvertrag arbeiten die Beschäftigten zurzeit 35 Stunden in der Woche./ruc/DP/stw
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