Britische Aktien vor Comeback? Experten sehen seltene Chance

Nicolas Ebert Nicolas Ebert
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Nicolas Ebert steht für kompakte Nachrichten mit einem sicheren Gespür für relevante Marktthemen. Nach über 6 Jahren für wallstreetONLINE und ariva.de im Einsatz fühlt sich der Berliner in der Finanzwelt wie zu Hause. Seine Inhalte reichen querbeet von Value-Titeln und den Märkten in Asien über die US Big-Techs bis hin zu aktuellen Top-Performern auf dem globalen Börsenparkett. So entstehen informative News, die Anlegern echten Halt geben.

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Die englische Flagge.
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Britische Aktien gelten vielen Anlegern als politisch belastet. Doch Profis sehen dort globale Qualitätsunternehmen mit Rabatt, starkem Cashflow und konkreten Hebeln zur Wertsteigerung.
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Der britische Aktienmarkt wird von vielen internationalen Anlegern weiter unterschätzt. Vishal Bhatia, Senior Fondsmanager bei J O Hambro, hält das für einen Fehler. Viele Investoren sähen London zu stark durch die Brille der britischen Politik. Dabei seien zahlreiche dort gelistete Unternehmen keine rein britischen Firmen, sondern globale Marktführer mit internationalem Geschäft.

Genau darin sieht Bhatia die Chance. Britische Aktien handeln seit Jahren mit einem deutlichen Abschlag gegenüber anderen großen Märkten, vor allem gegenüber den Vereinigten Staaten. Aktive Anleger könnten daher internationale Qualitätsunternehmen zu niedrigeren Bewertungen finden.

Entscheidend sei aber Selektivität. J O Hambro investiere nicht pauschal in den britischen Markt, sondern in Unternehmen mit eigener Wertsteigerungskraft. Im Fokus stehen Firmen, die sich in einer Transformation befinden. Dazu zählen Unternehmen mit neuem Management, Kostendisziplin, Schuldenabbau oder Verkäufen von Randaktivitäten.

Der wichtigste Maßstab ist für Bhatia der freie Cashflow. Er zeigt, wie viel Geld einem Unternehmen nach Kosten und Investitionen bleibt. Steigt dieser Wert nachhaltig, könne der Markt den inneren Wert neu bewerten. 

Werte aus dem Artikel:
Barclays Bank Aktie 5,911 € -2,14%
Diageo Aktie 18,27 € +0,44%

Ein Beispiel ist Rolls-Royce. Der Konzern wurde während der Pandemie hart getroffen, hat aber Bilanz, Kostenbasis und Cashflow-Profil deutlich verbessert. Unter Vorstandschef Tufan Erginbilgic läuft eine umfassende operative Erneuerung. Heute profitiert Rolls-Royce nicht nur vom Luftverkehr, sondern auch von steigenden Verteidigungsausgaben, Backup-Strom für Rechenzentren, kleineren Triebwerken und kleinen modularen Nuklearreaktoren.

Auch Diageo zählt zu den größeren Positionen. Der Spirituosenkonzern steht laut J O Hambro erst am Anfang einer mehrjährigen Transformation. Nach einer Phase starker Premiumisierung richtet sich das Unternehmen nun stärker auf Bruttogewinn, Cashflow, Schuldenabbau und Verkäufe nicht strategischer Vermögenswerte aus.

Chancen sieht Bhatia auch rund um Künstliche Intelligenz. Der Markt teile Unternehmen oft zu schnell in Gewinner und Verlierer ein. Firmen wie WPP oder Pearson (Pearson Aktie) seien nach dem Start von ChatGPT pauschal abgestraft worden. Dabei würden Restrukturierungen, neues Management und eigene Werkzeuge für Künstliche Intelligenz häufig übersehen.

Andere britische Unternehmen profitieren von der Infrastruktur hinter Künstlicher Intelligenz. Bhatia nennt BT. Der Telekomkonzern baut über Openreach das Glasfasernetz aus. Nach dem Höhepunkt der Investitionsphase soll der freie Cashflow deutlich steigen. Im kommenden Jahr könnte er um rund 35 Prozent wachsen. Bis Ende des Jahrzehnts könnte er sich verdoppeln.

Auch Barclays und Standard Chartered gelten als interessant. Beide Banken arbeiten seit Jahren an Kostensenkungen. Künstliche Intelligenz könnte zusätzliche Effizienz bringen. Die Kosten-Ertrags-Quoten könnten sich laut Bhatia in Richtung 50 Prozent bewegen. Die Bilanzen seien deutlich stärker als vor der Finanzkrise.

Für Bhatia ist der britische Markt damit keine reine Konjunkturwette auf Großbritannien. London bietet Zugang zu globalen Unternehmen, die wegen ihres Börsenplatzes oft günstiger bewertet sind. Gerade in Phasen hoher Unsicherheit können dadurch Fehlbewertungen entstehen.

Die Haushaltspolitik bleibt aber ein Risiko. Katharine Neiss, Chefvolkswirtin Europa bei PGIM, sieht die Märkte bisher relativ gelassen. Viele Nachrichten seien bereits eingepreist. Dennoch bleibe die Unsicherheit hoch.

Neiss erwartet im nächsten britischen Haushalt wenig Spielraum und hält Steuererhöhungen für wahrscheinlich. Zugleich dürften die Märkte stärker auf Ausgabendisziplin achten. Kürzungen würden oft als glaubwürdigeres Signal für fiskalische Vorsicht gesehen als Steuererhöhungen.

Für Anleger ergibt sich damit ein gemischtes Bild. Politische Unsicherheit bleibt. Gleichzeitig bieten britische Aktien Zugang zu globalen Qualitätsunternehmen mit Bewertungsabschlag, hoher Cashflow-Rendite und konkreten Hebeln zur Wertsteigerung.

Autor: Nicolas Ebert, sbh-Redaktion


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