Britische Börse unterschätzt? Diese Chance ignorieren viele Anleger noch

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Die englische Flagge.
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Britische Aktien legen kräftig zu. Vermögensverwalter J O Hambro sieht vor allem bei mittelgroßen Titeln einen Bewertungsabschlag, der Anleger locken könnte.
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Britische Aktien haben zuletzt zugelegt. Entlastung kam von schwächeren Inflationsdaten, fallenden Ölpreisen und stabileren Renditen am Anleihemarkt. Der FTSE 100 und der FTSE 250 erreichten den höchsten Stand seit rund zwei Wochen.

Die Verbraucherpreise stiegen im April um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im März hatte die Teuerung noch bei 3,3 Prozent gelegen. Erwartet worden waren 3,0 Prozent. Damit ließ der Druck auf die Bank of England etwas nach, die Zinsen rasch anzuheben.

Luke Bartholomew, stellvertretender Chefökonom bei Aberdeen, sieht dennoch keine Entwarnung. Die niedrigere Inflation nehme der Bank of England zwar Druck, sagte er. Mit Blick auf die Folgen des Iran-Konflikts für die Inflation sei Großbritannien aber noch nicht über den Berg.

Die Ölpreise stützten die Stimmung, nachdem US-Präsident Donald Trump Fortschritte in den Gesprächen mit dem Iran angedeutet hatte. Gleichzeitig pausierte der jüngste Anstieg globaler Staatsanleiherenditen. Das erhöhte die Risikobereitschaft der Anleger.

Werte aus dem Artikel:
Anglo American Aktie 45,77 € 0,00%
Barclays Bank Aktie 5,239 € -1,09%
FTSE 100 10.490,16 -0,18%

Besonders gefragt waren Luftfahrt- und Verteidigungswerte. Der Sektor legte um 3,7 Prozent zu. Auch Banken waren stark. Barclays und Lloyds stiegen. Marks & Spencer gehörte ebenfalls zu den größten Gewinnern im FTSE 100. Der Einzelhändler stellte für dieses Jahr eine Rückkehr zum Gewinnwachstum in Aussicht.

Politisches Umfeld bleibt schwierig

Anleger beobachten weiter die Zukunft von Premierminister Keir Starmer. Zugleich sehen Vishal Bhatia und Tom Matthews von J O Hambro gerade in der lange gemiedenen britischen Börse Chancen.

Der Markt leide seit Jahren unter einem Imageproblem aus Brexit, schwachem Wachstum, Kapitalabflüssen und politischer Unsicherheit. Viele Unternehmen seien aber international tätig und würden trotzdem mit einem britischen Bewertungsabschlag gehandelt.

Nach Berechnungen von J O Hambro liegt der Abschlag britischer Aktien gegenüber den Vereinigten Staaten bei 26,7 Prozent. Besonders groß sei die Fehlbewertung bei mittelgroßen und kleineren Unternehmen. In den vergangenen vier Jahren hätten Werte aus dem FTSE 250 und Small Caps deutlich schlechter abgeschnitten als große Aktien. Aus Sicht der Fondsmanager eröffnet genau das Chancen für aktive Anleger.

Als Beispiele nennen sie das britische Telekommunikationsunternehmen BT, WPP, Victrex, AB Dynamics, Vanquis und Anglo American. BT könne durch den Breitbandausbau über Openreach seinen freien Cashflow bis zum Ende des Jahrzehnts deutlich steigern. WPP werde vom Markt wegen der Risiken durch generative künstliche Intelligenz stark abgestraft, biete aber inzwischen eine sehr hohe Free-Cashflow-Rendite. 

Bhatia und Matthews sehen Großbritannien daher nicht als reine Wette auf die heimische Konjunktur.

Der britische Aktienmarkt bleibt unbeliebt. Genau deshalb ist er interessant. Viele Unternehmen werden nach ihrem Börsenplatz bewertet, nicht nach der Herkunft ihrer Umsätze, der Qualität ihrer Geschäftsmodelle oder der Stärke ihrer Bilanzen.

In einem Umfeld tiefer Unsicherheit könnten solche Fehlbewertungen für aktive Investoren besonders attraktiv werden.

Dagegen warnt Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst CMC Markets: 

Nun überschatten [...] im Vereinigten Königreich die schwächeren Wirtschaftsdaten die positive (Börsen-)Tendenz. Die Einkaufsmanagerindizes signalisieren einen weiteren Rückgang und unterbrechen damit den positiven Trend aus dem ersten Quartal. 

Autor: sbh-Redaktion/neb



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