
Speicherchip-Hersteller überflügeln KI-Beschleuniger
In der Chip- und KI-Branche ist es in den vergangenen Monaten zu einem bemerkenswerten Favoritenwechsel gekommen. Im Zentrum des Halbleiterbooms standen nicht mehr die Hersteller von KI-Beschleunigern, wie AMD, Broadcom und Nvidia, sondern deren Zulieferer Micron, Samsung und SK Hynix.
Der Grund hierfür: Ein explodierende Speichernachfrage ist auf ein begrenztes Angebot gestoßen, was zu einer Explosion der Speicherpreise geführt hat. Wie bei Rohstoffaktien auch ist das für die Hersteller ein unmittelbarer Hebel auf die operativen Margen. Dementsprechend stark haben auch die Aktien angezogen mit Kursgewinnen von mehreren Hundert Prozent in wenigen Monaten. Flash-Speicher-Spezialist SanDisk wurde gar als potenzieller Nachfolger von Nvidia (Nvidia Aktie) gehandelt.
Der in den Monaten so starke Aufwärtstrend bei Micron ist dadurch nicht nur zum Erliegen gekommen, sondern stark unter Druck geraten. Jetzt liegen Anzeichen dafür vor, dass die Aktie nachhaltig in einen übergeordneten Abwärtstrend übergehen könnte.

Die Party ist gelaufen, Micron-Aktie jetzt in Schwierigkeiten
Nach einer längeren Seitwärtsphase in den Börsenjahren 2024 und 2025 startete die Micron-Aktie nach dem Zoll-Crash im April vergangenen Jahres den Turbo und etablierte einen Aufwärtstrend. Der lieferte im Juni mit einem Golden Cross der Durchschnittslinien ein Kaufsignal, wodurch es in den Folgemonaten zu einer vom Trendstärkeindikator MACD unterstützten Beschleunigung des Aufwärtstrends gekommen ist.
Zum Jahreswechsel hin erfolgte dann eine weitere Trendbeschleunigung, die jedoch zu einer Überhitzung der Aktie führte. Außerdem konnten die Rekordhochs im Kurschart nicht mehr durch neue Hochs im Relative-Stärke-Index bestätigt werden, wodurch es zu bearishen Divergenzen und damit einem potenziellen Trendwendesignal gekommen ist.
Beträchtliche Abwärtsrisiken bei wahrscheinlicher werdender Trendwende
Ein erstes Verkaufssignal liegt nun auch im MACD vor. Der zeigt weit über der Nulllinie notierend zwar noch einen Aufwärtstrend der Aktie an, die (rote) Signallinie musste jedoch bereits aufgegeben werden. Das genügt nach zuvor starken Anstiegsphasen häufig schon für eine mehrwöchige bis mehrmonatige Korrektur. Für ein weiteres Verkaufssignal hat außerdem das Unterschreiten der 50-Tage-Linie führt. Am Dienstag ist auch die Aufwärtstrendlinie in Gefahr geraten.
Im Kursverlauf ist es darüber hinaus zu einer sogenannten Trompetenformation gekommen. In Verbindung mit nachlassender Stärke gilt ein Anstieg der Volatilität als äußerst zuverlässiges Trendwendesignal. Anlegerinnen und Anleger sollten die jüngsten Verschlechterungen im Chart daher ernst nehmen – nicht zuletzt, da die Abwärtsrisiken beträchtlich sind. Im schlimmsten Fall könnte Micron bis zur 200-Tage-Linie bei 242,30 US-Dollar oder sogar in den Bereich um 200 US-Dollar zurücksetzen.
Bei einem Platzen der Investitions- und Spekulationsblase im KI- und Halbleiterbereich ist sogar eine Rückkehr in die Zone um 100 US-Dollar möglich. Investoren sollten nicht vergessen, wie zyklisch insbesondere die Speicherchip-Branche ist. Erst vor wenigen Quartalen hat Micron noch rote Zahlen geschrieben.
Das könnte dich auch interessieren | 01.04.26 - ARIVA.DE Redaktion |
Fazit: Hände weg, hier könnte es noch viel tiefer gehen
Beim US-Speicherchiphersteller Micron ist es nach den jüngsten Kursverlusten zu einer gravierenden Verschlechterung des Chartbilds gekommen. Anlegerinnen und Anleger sollten sich daher auf weitere Verluste einstellen und ihre Gewinne sichern oder zumindest auf den Kauf weiterer Anteilsscheine verzichten.
Verschärft werden könnte die Krise durch weiter fallende Speicherpreise, nachdem es jüngst erstmals seit vielen Monaten zu fallenden RAM-Preisen gekommen ist, sowie durch eine Störung der Lieferketten im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg. Auf dem aktuellen Kursniveau bietet die Micron-Aktie daher noch keine geeignete Einstiegschance.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross
