Börsenrallye auf Kredit: Die Wall Street wird nervöser

Nicolas Ebert Nicolas Ebert
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Nicolas Ebert steht für kompakte Nachrichten mit einem sicheren Gespür für relevante Marktthemen. Nach über 6 Jahren für wallstreetONLINE und ariva.de im Einsatz fühlt sich der Berliner in der Finanzwelt wie zu Hause. Seine Inhalte reichen querbeet von Value-Titeln und den Märkten in Asien über die US Big-Techs bis hin zu aktuellen Top-Performern auf dem globalen Börsenparkett. So entstehen informative News, die Anlegern echten Halt geben.

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Der Bulle vor der Börse in New York.
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Die Wall Street profitiert von starken KI-Gewinnen. Doch die Rallye läuft zunehmend auf Kredit. Steigende Hebel und höhere Finanzierungskosten könnten den nächsten Rücksetzer verschärfen.
Für dich zusammengefasst:
Hinweis

Die Rallye am US-Aktienmarkt hat einen neuen Risikofaktor: steigende Verschuldung. Wie Bloomberg berichtet, nehmen gehebelte Wetten deutlich zu. Dazu zählen gehebelte börsengehandelte Produkte, kreditfinanzierte Depots von Privatanlegern und größere Positionen von Hedgefonds bei Prime Brokern.

Die hohe Nachfrage nach Krediten treibt die Finanzierungskosten nach oben. Sie liegen inzwischen auf dem höchsten Stand seit Dezember 2024. Normalerweise steigen diese Kosten eher zum Jahresende, wenn Banken ihre Bilanzen steuern.

Andy Kent, Broker bei Kyte, sieht Verschuldung inzwischen als eines der bestimmenden Themen für Anleger. Die Margenschulden seien hoch, und auch im Schattenbankensystem nehme die Kreditaufnahme weiter zu, sagte er.

Das macht den Markt anfälliger. Hohe Hebel können Kursbewegungen verstärken. Fallen Aktien, müssen Investoren Positionen schneller abbauen. Dadurch können selbst moderate Rückgänge eine Eigendynamik entwickeln.

Werte aus dem Artikel:
Apple Aktie 281,785 $ +0,17%
Broadcom Aktie 368,66 $ +1,00%
Chevron Aktie 168,89 $ -1,27%
Exxon Mobil Aktie 135,81 $ -0,53%
Micron Technology Aktie 1.071,08 $ -4,64%
Microsoft Aktie 372,47 $ +0,30%
Nvidia Aktie 194,24 $ +1,32%

Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit über Aktien, Inflation und Zinsen hoch. Anleger greifen deshalb verstärkt zu komplexeren Optionsstrategien. Diese sollen gegen Szenarien absichern, in denen Aktien und Zinsen gleichzeitig stark reagieren.

Raphael Cyna von der Bank of America verweist auf zwei zentrale Absicherungsideen. Zunächst setzten Anleger auf ein Stagflationsszenario mit fallenden Aktien und steigenden Zinsen. Andere Händler nutzten danach die Gegenposition: fallende Aktien und fallende Zinsen als günstige Absicherung gegen eine Rezession.

Auffällig ist aber

Die klassischen Angstbarometer zeigen bisher keine Panik. Der Cboe-Volatilitätsindex stieg im Juni trotz mehrerer Rückgänge im S&P 500 nur kurzzeitig. Auch stärkere Schwankungen im Nasdaq 100 lösten keinen dauerhaften Stress aus.

Abhilfe kommt von den Unternehmensgewinnen

Goldman Sachs erwartet ein weiteres Quartal mit robustem Wachstum. Stabile wirtschaftliche Bedingungen und Investitionen in Infrastruktur für Künstliche Intelligenz sollen die Ergebnisse treiben.

Analysten rechnen laut Goldman Sachs damit, dass der Gewinn je Aktie im S&P 500 im zweiten Quartal um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigt. Das wäre die stärkste Prognose vor einer Berichtssaison seit 2021.

Besonders wichtig bleiben große Technologie- und Energiewerte. Zu den wichtigsten Gewinnbeiträgen zählen Micron Technology, Nvidia, Broadcom, Microsoft, Apple, Exxon Mobil und Chevron. Die zehn größten Treiber sollen im zweiten Quartal 74 Prozent des gesamten Gewinnwachstums im S&P 500 liefern.

Für Anleger ein fragiles Bild

Die Gewinne bleiben stark. Gleichzeitig steigt die Verschuldung im Markt. Damit wächst das Risiko, dass der nächste Rückschlag härter ausfällt, als es die ruhigen Volatilitätsindikatoren derzeit vermuten lassen.

Autor: Nicolas Ebert, sbh-Redaktion


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