FRANKFURT/AMSTERDAM/NEW YORK (dpa-AFX) - In einem wackeligen Marktumfeld hat die Kursrally im Halbleiterbereich am Mittwoch etwas an Dynamik verloren. So schwangen sich in Amsterdam die Aktien von ASML nur mit Mühe zu einem weiteren Rekord auf. Die Papiere des deutschen Branchenvertreters Infineon (Infineon Aktie) verharrten nach 134 Prozent Jahresplus zur Wochenmitte leicht in der Verlustzone.
Allerdings sahen die Anleger offenbar noch Nachholpotenzial bei Sektorwerten aus den hinteren deutschen Börsenreihen. So zogen Aixtron und Suss Microtec stark an.
In New York deutet sich im vorbörslichen Handel an, dass die Rekordrally bei den Anteilsscheinen von Marvell Technology mit einem Plus im zweistelligen Prozentbereich in eine neue Runde geht. Nvidia-Chef Jensen Huang hatte den Chipdesigner als "nächstes Billionen-Unternehmen" bezeichnet.
Generell profitieren Halbleiterwerte immer noch von der boomenden Nachfrage rund um Künstliche Intelligenz (KI). Denn die zu verarbeitenden Datenmengen steigen exorbitant und erfordern spezielle Prozessoren. Um den Bedarf decken zu können, investieren Cloud-Anbieter massiv in den Ausbau von Rechenzentren. Davon profitieren aus der Chipbranche unter anderem Ausrüster und Speicherhersteller.
Allerdings reagieren Technologiewerte insgesamt auch stark auf konjunkturelle Nachrichten. Denn der Börsenwert der Tech-Unternehmen hängt in hohem Maße von den Wachstumserwartungen in der Zukunft ab, die wiederum stark von der Inflation und der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung bestimmt werden. Und aktuell schüren die erneut aufgeflammten Spannungen im Nahen Osten wieder die Sorge, dass die Ölpreise lange auf hohem Niveau verharren könnten. In der Folge könnte ein Teuerungsschub die Notenbanken dazu zwingen, mit Zinserhöhungen gegenzusteuern.
Dies wäre ein schlechtes Umfeld auch für Halbleiterwerte, denn bei höheren Leitzinsen wären die erwartete zukünftige Gewinne aus heutiger Sicht weniger wert. Würden die hohen Zinsen zudem das Wirtschaftswachstum drosseln, wären die Unternehmen aus diesem Sektor doppelt getroffen.
Zur Wochenmitte rückte Analyst Sandeep Deshpande von der US-Bank JPMorgan ASML mit seinem Kursziel von 1.900 Euro im Schaufenster nach vorne. Die Markterwartungen an den Anlagenbauer für die Chipindustrie für 2027 und 2028 müssten komplett überarbeitet werden, so Deshpande. Die jüngsten Signale aus dem Konzern zu den Kapazitäten für EUV-Lithografiesysteme seien sehr optimistisch und deuteten auf eine starke Kundennachfrage hin. Immersions-DUV-Lithografie werde ein weiterer Wachstumstreiber für die Niederländer. Damit können sehr kleine Mikrochips gebaut werden.
Unter dem Strich schafften die Aktien von ASML am Mittwoch noch einen Satz auf 1.496 Euro, womit sie ihr Jahresplus auf 62 Prozent erhöhten. Sie gehörten auch auf Tagessicht zu den besten Werten im EuroStoxx 50 , der etwas nachgab.
Unter den besten Aktien im deutschen Nebenwerteindex SDax zogen Suss Microtec auf einen Höchststand von 99,45 Euro an, womit ihr Jahresplus 154 Prozent beträgt. Der Halbleiterzulieferer gilt als Kandidat für den Aufstieg in den MDax. Die Deutsche-Börse-Tochter ISS Stoxx wird am Abend bekanntgeben wer das Rennen macht.
Unter den besten Werten im MDax erreichten die Anteilsscheine des Chipindustrie-Ausrüsters Aixtron bei 60,46 Euro den höchsten Stand seit 2000. Trotz 250 Prozent Jahreszuwachs ist das zum Ende des Dotcom-Booms erklommene Rekordhoch bei 89,50 Euro aber noch weit entfernt./la/ag/jha/
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