Der Bilanzstreit kostet dem Verpackungskonzern Gerresheimer den Indexplatz im SDAX, während die Shelly Group als Nachrücker in den Kleinwerteindex aufsteigt.
Der angeschlagene Verpackungshersteller Gerresheimer verliert seinen Platz im SDAX. Wie Indexbetreiber STOXX am Mittwochabend im Rahmen einer außerplanmäßigen Indexanpassung mitteilte, wird das Unternehmen aus dem Kleinwerteindex ausgeschlossen, nachdem es die Frist zur Veröffentlichung seines geprüften Jahresfinanzberichts verpasst hatte. Nachrücker ist die bulgarische Technologiefirma Shelly Group, deren Aufnahme ab dem 10. April wirksam wird.
Der Schritt markiert einen weiteren Rückschlag für den Düsseldorfer Konzern, der seit Monaten wegen Bilanzierungsfragen und regulatorischer Untersuchungen unter erheblichem Druck steht.
Verpasste Bilanz-Frist führt zum Index-Ausschluss
Hintergrund des Ausschlusses ist die Nichterfüllung einer zentralen Voraussetzung für die Zugehörigkeit zum SDAX: die fristgerechte Veröffentlichung des testierten Jahres- und Konzernabschlusses. Unternehmen im Auswahlindex müssen ihren geprüften Jahresfinanzbericht grundsätzlich innerhalb von vier Monaten nach Ende des Geschäftsjahres vorlegen.
Gerresheimer konnte diese Vorgabe für das Geschäftsjahr 2024/25, das Ende November abgeschlossen wurde, nicht einhalten. Der Konzern hatte den testierten Abschluss nicht bis zum 31. März veröffentlicht und verfehlte damit die Regularien des Indexanbieters.
Bilanzierungsfehler und BaFin-Prüfung belasten Vertrauen
Dass der Ausschluss drohte, galt am Markt bereits als weitgehend eingepreist. Gerresheimer steht seit geraumer Zeit wegen Zweifeln an seiner Rechnungslegung unter Beobachtung. Nach Angaben des Unternehmens wirft die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) dem Konzern Bilanzierungsfehler vor.
Im Zuge der Aufarbeitung überprüft derzeit eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Geschäftsvorfälle aus den Jahren 2024 und 2025 sowie deren bilanzielle Verbuchung. Die Untersuchung verzögert die Fertigstellung des Jahresabschlusses voraussichtlich bis Juni.
Die anhaltende Unsicherheit rund um die Bilanzqualität hatte in den vergangenen Monaten bereits das Vertrauen vieler Investoren erschüttert und zu einem Minus von 35 Prozent innerhalb der letzten 3 Monate geführt. Am Donnerstagvormittag reagiert die Aktie mit weiteren 2,5 Prozent Kursverlust auf den Ausschluss.
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