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AWSX der Telegram-Trader.de: Evotec nach dem Kursschock: Warum jetzt die entscheidenden Wochen beginnen

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Während wichtige Partnerschaftserlöse verschoben werden, zeigt das operative Kerngeschäft erste Stabilisierungstendenzen. Wie ist die technische Lage im Chart?

Bei Evotec ging es in den vergangenen Tagen ordentlich zur Sache. Der Wirkstoffforscher hat mit einer deutlichen Prognosesenkung viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Statt der bisher erwarteten 700 bis 780 Millionen Euro Umsatz rechnet das Management für 2026 nun nur noch mit 570 bis 610 Millionen Euro. Auch beim operativen Ergebnis wird der Verlust deutlich höher ausfallen als bislang geplant.

Der Grund dafür ist allerdings nicht, dass das Kerngeschäft plötzlich eingebrochen wäre. Vielmehr verschieben sich wichtige Meilensteinzahlungen und Partnerschaftserlöse nach hinten. Einige Kooperationen wurden später als erwartet abgeschlossen, andere Verhandlungen dauern länger. Ein Teil der Erlöse, die ursprünglich für 2026 eingeplant waren, dürfte nun erst 2027 in den Büchern auftauchen.

An der Börse kam diese Nachricht erwartungsgemäß überhaupt nicht gut an. Die Aktie brach massiv ein und zahlreiche Analysten mussten ihre Modelle überarbeiten. Besonders kritisch äußerte sich Berenberg. Die Analysten störten sich vor allem daran, dass offenbar ein größerer Teil der bisherigen Erwartungen auf noch nicht vertraglich gesicherten Partnerschaften beruhte. Das Kursziel wurde drastisch gesenkt und die Kaufempfehlung gestrichen. Auch andere Analysten mahnen nun mehr Transparenz an.

Trotzdem gibt es auch einige Punkte, die Anleger nicht übersehen sollten. Evotec betont weiterhin, dass das operative Geschäft stabil läuft. Vor allem im klassischen Forschungs- und Entwicklungsbereich sei die Nachfrage zuletzt gestiegen. Auch die Biologics-Sparte entwickelt sich laut Unternehmen ordentlich und profitiert von einer guten Auslastung. Die aktuelle Prognosesenkung ist deshalb eher ein Problem des Timings als ein Zeichen für einen grundsätzlichen Nachfrageeinbruch.

Zusätzlich arbeitet der neue Vorstand weiter am Umbau des Konzerns. Mit dem Programm „Horizon“ sollen Prozesse verschlankt, Kosten gesenkt und die Profitabilität verbessert werden. Bis Ende 2027 sollen dadurch jährlich rund 75 Millionen Euro eingespart werden. Erste Effekte erwartet das Management bereits in diesem Jahr.

Genau hier liegt aktuell auch die große Chance, aber gleichzeitig das Risiko. Die Börse glaubt Evotec momentan viele Versprechen nicht mehr blind. Das Vertrauen wurde durch die überraschende Prognosekürzung beschädigt. Jetzt muss das Unternehmen liefern. Gelingt es, die verschobenen Partnerschaftserlöse tatsächlich 2027 zu realisieren und gleichzeitig die Kostenbasis nachhaltig zu verbessern, könnte die aktuelle Bewertung im Nachhinein sehr günstig wirken. Scheitert dieser Plan, drohen weitere Enttäuschungen.


Für Anleger werden deshalb die kommenden Quartale entscheidend. Besonders spannend wird die Veröffentlichung der vollständigen Halbjahreszahlen im August. Dort dürfte das Management deutlich genauer erklären müssen, welche Projekte verschoben wurden, wie die Pipeline aussieht und wann die erhofften Erlöse tatsächlich fließen sollen.

 

Technische Lage:
Nach dem schmerzhaften Kursrutsch landet die Evotec-Aktie inzwischen auf einer wichtigen Unterstützungszone, die bis ins Jahr 2016 zurückreicht. In diesem Bereich bewegte sich der Kurs bereits zwischen 2013 und 2016 über längere Zeit seitwärts, bevor schließlich die große Aufwärtsbewegung über die 5-Euro-Marke begann, die später bis in den Bereich von 20 Euro und zeitweise sogar über 40 Euro führte.

Nach dem jüngsten Schock dürfte die Aktie allerdings etwas Zeit benötigen, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Entsprechend rechne ich in den kommenden Tagen eher mit einer Seitwärtsbewegung als mit einer schnellen Gegenreaktion. Einen direkten und dynamischen Rücklauf halte ich aktuell für eher unwahrscheinlich.

Interessanter könnte die Lage wieder in Richtung August werden. Am 13. August stehen die Zahlen zum zweiten Quartal an. Hier besteht die Hoffnung, dass das Management weitere Fakten liefert und möglicherweise einige der zuletzt aufgekommenen Unsicherheiten entschärfen kann. Sollten die Ergebnisse oder der Ausblick positiv überraschen, könnten von dort die nächsten konstruktiven Kursimpulse ausgehen.

Technisch betrachtet ergeben sich nach dem einschneidenden Kursrutsch zunächst nur begrenzte Erholungschancen. Im Idealfall könnte die Aktie die Rücklaufzone zwischen 4,50 Euro und 5,10 Euro ansteuern. Dort wartet allerdings bereits ein massiver Widerstandsbereich, an dem die Verkäufer sehr wahrscheinlich wieder aktiver werden dürften.

Aus meiner Sicht wäre ein solcher Rücklauf zunächst eher als technische Gegenbewegung zu werten. Die eigentliche Vertrauenskrise ist damit noch nicht überwunden. Der Schock sitzt tief und viele Anleger wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Entsprechend dürften zunächst zahlreiche Marktteilnehmer versuchen, bei einer Erholung ihre Positionen zu reduzieren.

Vertrauen baut sich an der Börse nicht innerhalb weniger Tage wieder auf. Nach einem derart heftigen Einbruch braucht es Zeit, neue Fakten und vor allem die Bestätigung, dass sich die operative Entwicklung tatsächlich stabilisiert. Bis dahin dürfte die Aktie vor allem mit den Folgen des Kurssturzes beschäftigt sein.

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