Die CME Group hat den 400-Unzen-Goldkontrakt (GCC) an der Comex mit Wirkung zum 18. November 2024 gestrichen, während die physischen Bestände und die Auslieferungsdaten bei Gold und Silber auf eine anhaltend robuste Nachfrage hinweisen. Eine Auswertung aktueller Comex-Daten durch Seeking Alpha zeigt, dass vor allem Silber weiterhin deutliche physische Abflüsse verzeichnet, während Gold stabil nachgefragt wird.
Abschaffung des 400-Unzen-Goldkontrakts
Die CME Group, Betreiberin der Comex, hat angekündigt, den GCC – einen 400-Unzen-Goldkontrakt – zum 18. November 2024 aus dem Handel zu nehmen. Dieser Kontrakt war 2020 in der Phase außergewöhnlicher Marktverwerfungen eingeführt worden. Hintergrund war damals die Knappheit an 100-Unzen-Barren, die traditionell an der Comex geliefert werden, während in London überwiegend 400-Unzen-Barren zirkulieren.
Mit der Einstellung des GCC entfällt die Möglichkeit, an der Comex direkt auf 400-Unzen-Basis zu handeln. Die übrigen Goldkontrakte, insbesondere der maßgebliche 100-Unzen-Kontrakt, bleiben unverändert bestehen. Laut CME erfolgte die Einführung des GCC ursprünglich als temporäre Maßnahme, um Arbitrage zwischen London und New York zu erleichtern und Lieferengpässe zu entschärfen.
Gold: Auslieferungsaktivität und Bestände
Die von Seeking Alpha ausgewerteten Comex-Daten zeigen, dass der Goldmarkt trotz des Auslaufens des GCC keine Anzeichen einer akuten Stresssituation aufweist. Die Zahl der zur Auslieferung stehenden Kontrakte („open interest in the delivery period“) liegt im saisonalen Rahmen. Ein signifikanter Einbruch der Auslieferungsaktivität ist nicht erkennbar.
Die Bestände in den Comex-Lagern werden in zwei Kategorien geführt: „registered“ (zur Auslieferung verfügbar) und „eligible“ (eingelagertes, aber nicht für die aktuelle Kontraktlieferung registriertes Metall). Bei Gold sind die „registered“-Bestände in den vergangenen Monaten relativ stabil geblieben. Es gibt keine drastischen Bewegungen, die auf eine plötzliche Verknappung oder auf einen Run auf physische Bestände schließen lassen.
Zugleich ist zu beobachten, dass physische Auslieferungen aus dem Comex-System weiterhin stattfinden. Anleger und Institutionen nutzen den Future-Markt also nicht nur zur Preisabsicherung, sondern auch zur tatsächlichen Metallentnahme. Die Größenordnung dieser Abflüsse bewegt sich im Bereich der letzten Jahre.
Silber: Deutliche physische Abflüsse und robuste Nachfrage
Deutlich dynamischer stellt sich die Lage bei Silber dar. Seeking Alpha verweist auf ein anhaltend hohes Auslieferungsvolumen, das die physische Nachfrage nach Silber kontrastiert mit der Entwicklung des Papiermarktes. Die Zahl der zur Auslieferung angemeldeten Kontrakte ist vor allem in den großen Liefermonaten markant. Dies deutet darauf hin, dass Marktteilnehmer die Möglichkeit nutzen, sich physisches Silber über die Comex liefern zu lassen.
Die „registered“-Bestände in den Silberlagern an der Comex sind im längerfristigen Vergleich rückläufig. Das Niveau der zur Auslieferung verfügbaren Silberbestände ist gesunken, während die „eligible“-Bestände ebenfalls keinen nennenswerten Rebound zeigen. Dies unterstreicht die anhaltende physische Inanspruchnahme des Metallbestands.
Die Diskrepanz zwischen physischer Nachfrage und den teils schwankenden Notierungen an den Terminmärkten wird von Seeking Alpha als Indiz für eine strukturelle Stärke des Silbermarktes interpretiert. Physische Abflüsse aus den Lagern stehen dabei im Kontrast zu Phasen, in denen spekulative Marktteilnehmer den Silberpreis über Futures unter Druck setzen.
Implikationen für die Gold-Silber-Dynamik
Die Kombination aus der Einstellung des GCC-Kontrakts und den beobachteten Bestandsbewegungen an der Comex verändert die Mikrostruktur im Edelmetallhandel. Im Goldsegment kehrt die CME zur traditionellen Kontraktstruktur zurück und beendet damit eine pandemiebedingte Sonderlösung. Dies spricht dafür, dass die akute Phase der Marktverwerfungen von 2020 überwunden ist.
Bei Silber dagegen zeichnen die Daten ein Bild anhaltender physischer Knappheit im Comex-System. Die Abflüsse deuten darauf hin, dass größere Marktteilnehmer gezielt physisches Metall sichern. Das steht im Kontext einer fundamentalen Story, in der Silber sowohl als monetäres Metall als auch als Industriemetall – etwa für Photovoltaik und Elektronik – gefragt ist.
Im Vergleich dazu bleibt Gold eher der klassische Wertspeicher und Safe-Haven. Die relativen Bewegungen der Comex-Bestände legen nahe, dass Investoren bei Silber derzeit aggressiver physisch engagiert sind als bei Gold. Diese Entwicklung spiegelt sich in der Beobachtung wider, dass Silber in Phasen erhöhter physischer Nachfrage häufig eine höhere Volatilität aufweist als Gold.
Fazit: Mögliche Reaktionen konservativer Anleger
Für konservative Anleger liefert die Analyse der Comex-Daten durch Seeking Alpha mehrere Ansatzpunkte. Die Streichung des 400-Unzen-Goldkontrakts ist in erster Linie eine technische Anpassung der Kontraktlandschaft und kein Signal für eine fundamentale Schwäche des Goldmarkts. Langfristig orientierte Investoren können ihre strategische Goldallokation daher unverändert auf etablierte Instrumente wie physisch hinterlegte ETCs, Goldbarren oder den Standard-Goldfuture stützen.
Die anhaltend starken physischen Abflüsse bei Silber und der Rückgang der „registered“-Bestände sprechen für eine robuste Nachfragebasis. Konservative Anleger, die bereits eine Edelmetallquote halten, könnten prüfen, ob innerhalb dieser Quote eine moderate Umschichtung zugunsten von Silber sinnvoll ist – etwa über physisch besicherte Silber-ETCs oder den schrittweisen physischen Erwerb von Silberbarren. Angesichts der höheren Volatilität von Silber bleibt jedoch ein ausgewogenes Chance-Risiko-Verhältnis entscheidend, sodass Silber eher als Beimischung und nicht als dominierende Position im Portfolio fungieren sollte.