Wer soll das jemals bezahlen? KI-Schuldenkrise im Anmarsch!
Max Gross
Max Gross
Max Gross verfügt über langjährige Börsenerfahrung, davon fünf Jahre als Redakteur bei einem der führenden Anlegermagazine Deutschlands. Für ARIVA.DE bereitet er Markt- und Unternehmensentwicklungen fundiert, praxisnah und mit klarem Fokus auf Anlageentscheidungen auf. Sein Schwerpunkt liegt auf US-Aktien, Dividendenwerten und Value-Titeln. Ziel seiner Arbeit ist es, Anlegerinnen und Anlegern relevante Informationen, konkrete Investmentideen und belastbare Impulse für den langfristigen Vermögensaufbau zu liefern. Dafür setzt er auf die Kombination aus technischer und fundamentaler Analyse.
Sowohl private als auch institutionelle Investoren wetten darauf, dass der KI-Boom noch jahrelang anhalten und für hohe Börsengewinne sorgen könnte. Während professionelle Fondsmanager mit Blick auf den NAAIM Exposure Index aktuell vollständig investiert sind, liegt das Volumen von auf Marginkrediten gekauften Wertpapieren mit 1,45 Billionen US-Dollar auf dem zweithöchsten Stand der Finanzgeschichte. Mehr waren es nur im Juni.
Das zeigt, dass nicht nur auf fortgesetzte Kursgewinne am Aktienmarkt gesetzt wird, sondern dabei auch vor Fremdkapital nicht zurückgeschreckt wird. Das gilt erst recht für den japanischen Technologieinvestor SoftBank. Um seine Beteiligung an OpenAI weiter aufstocken zu können, hat sich der Konzern bei Anlegerinnen und Anlegern umgerechnet rund 10 Milliarden US-Dollar geliehen – und zahlt hierfür bis 10 Prozent Zinsen.
Doch die gewaltigen Ausgaben, die vor allem Hyperscaler wie Alphabet, Amazon, Microsoft und Oracle für den Ausbau ihrer Rechenkapazitäten für KI-Anwendungen bezahlen müssen, stehen unter wachsendem Finanzierungsvorbehalt – und damit auch die Nachhaltigkeit des Börsenbooms, der von genau diesen Ausgaben lebt, die vor allem Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerten zugutekommen.
Die Erosion von einstmals gesunden Unternehmensbilanzen und Cashflows im zweistelligen Milliardenbereich schreitet schon jetzt unaufhaltsam voran. Der aktuell unangefochtene Schuldenkönig ist SAP-Rivale Oracle, denn das Unternehmen hat bereits fast 170 Milliarden US-Dollar an Verbindlichkeiten aufgetürmt. Das entspricht dem 5-Fachen des EBITDA – als gesund und nachhaltig gilt ein Verhältnis von 2.
Doch auch als finanziell konservativ geltende Unternehmen wie Microsoft haben ihre Bilanzen inzwischen deutlich belastet. Saß das Unternehmen vor 3 Jahren noch auf einem Nettovermögen von knapp 32 Milliarden US-Dollar, ist Microsoft jetzt mit 52 Milliarden US-Dollar verschuldet. Ohne das Gegenrechnen von Vermögenswerten ist die Verschuldung auf 128,8 Milliarden US-Dollar angeschwollen – und es könnten bald schon mehr werden, denn die früheren Barmittelzuflüsse im zweistelligen Milliardenbereich sind im zurückliegenden Quartal auf 1,4 Milliarden US-Dollar zurückgegangen. Bei Mitbewerber Alphabet haben die Cashflows ihr Vorzeichen bereits gewechselt.
Goldman Sachs schockiert mit gewaltiger Kostenprognose ...
Die US-Investmentbank Goldman Sachs rechnet bereits für 2026 damit, dass die KI-Investitionsausgaben die Schwelle von einer Billion US-Dollar überschreiten könnten. Im kommenden Jahr sollen es dann bereits 1,4 Billionen sein. Bis 2030 sollen der Prognose zufolge allein die fünf Hyperscaler vor Investitionsausgaben von 5,8 Billionen US-Dollar stehen – da sind die ebenfalls zunehmend stark verschuldeten Neocloud-Anbieter wie CoreWeave, IREN und Nebius noch gar nicht mit inbegriffen, die in Ermangelung profitabler Geschäfte vollständig auf Fremdkapital angewiesen sind.
Bereits im Juni schätzte der japanische Finanzdienstleister Nikkei, dass die Schulden großer KI-Anbieter schon jetzt deutlich höher als in den Bilanzen unmittelbar ersichtlich sein könnten. Auf 1,65 Billionen US-Dollar schätzte das Handelshaus die versteckten Verbindlichkeiten (langfristige Lieferverpflichtungen, Leasingvereinbarungen, Abschreibungen auf KI-Hardware).
... doch die Kosten könnten sogar noch viel höher sein!
Doch eine neue Studie lässt diese gewaltige Summe noch größer erscheinen. Die unabhängige, in Washington angesiedelte Denkfabrik Brookings Institution hat ermittelt, dass die Fortsetzung des KI-Booms bis 2032 Investitionen von 10,3 Billionen US-Dollar erfordern könnte – mit einem wachsenden Anteil außerbilanzieller Finanzverpflichtungen und zunehmend undurchsichtigen Kredit- und Finanzierungslösungen. Das erinnert an die Immobilienblase 2007/2008.
Stijn van Nieuwerburgh, Professor an der renommierten Columbia Business School, erwartet, dass die Ausgaben für Rechenzentren, Energieinfrastruktur sowie Hardware-Lösungen zwischen 2025 und 2032 3,6 Prozent der gesamten US-amerikanischen Wirtschaftsleistung ausmachen könnten. Zum Vergleich: Der Eisenbahnboom zum Ende des 19. Jahrhunderts, der gleich mehrere Börsencrashs verursachte, verschlang auf seinem Höhepunkt zwischen 3,5 und 7,0 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Gefahr einer Spekulations- und Investitionsblase ist also real.
Van Nieuwerburgh vermied es in der jüngst veröffentlichten Studie zwar, von unmittelbaren Systemrisiken wie in früheren Kreditzyklen zu sprechen, warnte jedoch vor "zunehmend komplexen außerbilanziellen Strukturen", welche das frühzeitige Erkennen von Gefahren vor einem möglichen Abschwung in der Branche erschweren könnte. Er forderte daher zu transparenten Bilanzierungsmethoden und -standards auf.
Doch auch wenn Van Nieuwerburgh in der Studie zu beschwichtigen versuchte, sollten Anlegerinnen und Anleger die wachsenden Gefahren durch den fremdfinanzierten Boom zunehmend ernst nehmen. Der unaufhaltsame Anstieg der Anleiherenditen in den vergangenen Monaten ist nicht nur die Folge des Iran-Krieges und stark gestiegener Öl- und Treibstoffpreise, sondern auch der zunehmenden Konkurrenz hoher Staats- und Unternehmensschulden.
Gleichzeitig sind die Kosten für Kreditausfallversicherungen ebenfalls gestiegen. Besonders hohe Prämien werden aktuell für Kredite von Oracle und SoftBank verlangt. Das zeigt ein wachsendes Misstrauen in die Zahlungsfähigkeit der Branche an. Selbst für finanziell solide aufgestellte Unternehmen wie Nvidia sind die Kosten für Kreditausfallversicherungen angestiegen. Auch wenn es der vermeintlich starke Aktienmarkt nicht vermuten lässt: Die Gefahr einer neuen Finanz- und Schuldenkrise wird mit jedem Tag ungehemmter KI-Investitionen größer.
Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen finden Sie jeweils hier:
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Im Durchschnitt erleiden 7 von 10 Kleinanlegern Verluste beim Handel mit Turbo-Zertifikaten. Turbo-Zertifikate sind hoch risikoreiche Produkte und nicht für langfristige Anlagestrategien geeignet.
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