- Der Yen wertet auf, was Anleger unter Druck setzt.
- Japanische Staatsanleihen bieten wieder attraktive Renditen.
- Ein Rückfluss von Kapital könnte die Märkte belasten.
- Energiekrise als Kurstreiber:
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Ingo Kolf Über viele Jahre war Japan der wichtigste Lieferant von billigem Kapital für die Weltmärkte. Anleger konnten sich Yen zu extrem niedrigen Zinsen leihen, die Währung in US-Dollar oder andere Währungen tauschen und das Geld in renditestärkere Anlagen investieren. Dieser sogenannte Yen-Carry-Trade wurde zu einem der wichtigsten, aber wenig beachteten Motoren der globalen Finanzmärkte.
Doch dieses Modell gerät zunehmend unter Druck. Der Yen wertet auf, die Bank of Japan entfernt sich weiter von ihrer ultralockeren Geldpolitik und japanische Anleihen bieten wieder attraktive Renditen. Für Anleger stellt sich deshalb eine entscheidende Frage: Kehrt eine jahrelange Kapitalströmung jetzt um?
Warum ein stärkerer Yen für Anleger zum Problem werden kann
Die Logik des Carry-Trades war einfach: Investoren liehen sich Yen günstig und investierten das Geld dort, wo höhere Renditen winkten, etwa in Aktien, Unternehmensanleihen, Schwellenländeranlagen oder Kryptowährungen.
Solange der Yen schwach blieb, funktionierte diese Strategie. Ein steigender Yen verändert jedoch die Rechnung. Denn die Kredite müssen in der japanischen Währung zurückgezahlt werden. Wird der Yen stärker, steigen die Kosten der Rückzahlung, und Anleger können gezwungen sein, ihre Positionen zu verkaufen.
Genau diese Entwicklung beobachten die Märkte derzeit. Der Yen legte im September bereits rund drei Prozent gegenüber dem US-Dollar zu und erreichte den höchsten Stand seit Februar. Auslöser waren Erwartungen, dass die Bank of Japan die Zinsen schneller anheben könnte. Zusätzlich sorgte der Druck aus Washington für einen stärkeren Yen für Aufmerksamkeit.
Japanisches Geld wird wieder teurer
Der entscheidende Unterschied zur Vergangenheit: Japan ist nicht mehr nur Quelle billiger Liquidität. Der japanische Anleihemarkt gewinnt wieder an Bedeutung.
Nach Jahrzehnten extrem niedriger Zinsen steigen die Renditen japanischer Staatsanleihen deutlich. Die Rendite zweijähriger japanischer Staatsanleihen liegt inzwischen bei rund 1,84 Prozent, zehnjährige JGBs rentieren bei etwa 2,98 Prozent und beide pendeln damit um den höchsten Stand seit mehr als 30 Jahren.
Für japanische Versicherer, Pensionsfonds und andere Großanleger verändert das die Situation grundlegend. Über Jahre waren viele Investoren gezwungen, im Ausland nach Rendite zu suchen, weil heimische Anleihen kaum Ertrag brachten. Jetzt bieten japanische Staatsanleihen wieder eine Alternative – ohne zusätzliches Währungsrisiko.
Sollte japanisches Kapital zurück ins Inland fließen, könnte das die internationalen Finanzmärkte belasten. Weniger Nachfrage aus Japan könnte beispielsweise die Renditen von US-Staatsanleihen weiter nach oben treiben.
Aktienmärkte besonders anfällig
Für Aktienanleger ist vor allem die Frage entscheidend, welche Märkte besonders stark von einer Auflösung des Carry-Trades betroffen wären.
Experten sehen die größten Risiken bei hoch bewerteten Wachstumswerten und anderen Anlagen, die stark von günstiger Liquidität profitieren. Wenn Anleger Risiken reduzieren müssen, verkaufen sie häufig zuerst liquide und gut gelaufene Positionen.
Auch Schwellenländer könnten unter Druck geraten, weil viele dieser Märkte von internationalen Kapitalzuflüssen abhängig sind.
Ein Warnsignal lieferte bereits der Sommer 2024. Damals führten eine Zinserhöhung der Bank of Japan und schwache US-Arbeitsmarktdaten zu einer schnellen Auflösung von Yen-finanzierten Positionen. Der japanische Nikkei brach damals an einem Handelstag um zwölf Prozent ein. Auch der Nasdaq und Bitcoin gerieten deutlich unter Druck.
Nicht jede Yen-Aufwertung ist ein Börsenrisiko
Trotz der aktuellen Nervosität gibt es wichtige Unterschiede zu 2024. Die Märkte sind besser vorbereitet, und eine weitere Zinserhöhung der Bank of Japan ist bereits weitgehend eingepreist. Außerdem ist der Zinsunterschied zwischen Japan und den USA kleiner geworden, nachdem die US-Notenbank ihre Geldpolitik gelockert hat.
Entscheidend ist deshalb weniger die Richtung des Yen als die Geschwindigkeit der Bewegung. Eine kontrollierte Aufwertung kann die Märkte verkraften. Eine plötzliche Bewegung dagegen könnte Anleger zu schnellen Verkäufen zwingen.
Was Anleger jetzt beobachten sollten
Für Investoren wird der Yen damit zu einem wichtigen Frühindikator. Steigt die japanische Währung weiter, könnten Aktienmärkte mit hoher Bewertung, Kryptowährungen und Schwellenländer stärker unter Druck geraten.
Gleichzeitig könnten japanische Banken und Finanzwerte von der Zinswende profitieren. Auch der japanische Anleihemarkt wird für internationale Anleger wieder interessanter.
Der Yen-Carry-Trade war über Jahrzehnte ein Symbol für die Ära des billigen Geldes. Mit der Zinswende in Japan könnte diese Ära langsam enden – und die globalen Kapitalströme könnten sich neu sortieren.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Ingo Kolf
| Strategie | Hebel | |||
| Steigender Kurs |
Call
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5
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10
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20
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Put
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5
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