Ein Reihe Tesla-Automobile beim Laden am V4 Supercharger.
Quelle: - ©Tesla Inc.:
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Tesla: Warum die große Wette auf Robotik das Kerngeschäft nicht retten dürfte

Teslas ambitionierte Robotik-Offensive mit Optimus und autonomem Fahren könnte sich trotz ihres disruptiven Potenzials als unzureichend erweisen, um die strukturellen Probleme des Kerngeschäfts zu kompensieren. Der von Seeking Alpha analysierte Investment-Case kommt zu dem Schluss, dass die aktuelle Bewertung der Tesla-Aktie das Risiko erheblich unterschätzt. Für Anleger ergibt sich daraus ein deutlich skeptischer Blick auf die mittelfristigen Renditeaussichten.

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Bewertungsspanne und Risiko-Rendite-Profil

Der Autor auf Seeking Alpha veranschlagt für Tesla eine faire Bewertungsspanne zwischen 70 und 187 US-Dollar je Aktie und geht davon aus, dass sich die Aktie „in den nächsten Jahren … höchstwahrscheinlich um 100–150 USD“ einpendeln dürfte. Der aktuelle Kurs wird als nicht mehr „tragfähig“ angesehen, weil die zugrunde liegenden Annahmen zur Gewinnentwicklung als zu optimistisch bewertet werden. Aus Sicht des Artikels überwiegen die Downside-Risiken gegenüber dem verbleibenden Aufwärtspotenzial deutlich.

Die Argumentation stützt sich auf ein eher konservatives, aber mehrstufiges Bewertungsmodell. Dieses unterstellt zwar weiterhin Wachstum in wesentlichen Geschäftsfeldern, setzt jedoch strengere Parameter bei Margen, Volumina und Skaleneffekten an. Die Spanne von 70 bis 187 US-Dollar spiegelt dabei verschiedene Szenarien wider – vom Basisszenario mit moderatem Wachstum bis zu optimistischeren Annahmen, in denen Tesla in einzelnen Segmenten überdurchschnittlich stark expandiert.

Kerngeschäft unter Druck

Im Zentrum der Kritik steht das Automobilgeschäft, das nach Auffassung der Analyse strukturell unter Druck geraten ist. Der Artikel verweist auf zunehmende Konkurrenz, Margendruck und eine Sättigung der Erstadoptionsphase im Elektrofahrzeugmarkt. Das ursprüngliche Wachstumsnarrativ – stark steigende Stückzahlen bei gleichzeitig hohen Margen – erscheint unter den gegenwärtigen Marktbedingungen aus Sicht der Analyse nicht mehr belastbar.

Hinzu kommt der zyklische Charakter der Automobilindustrie, der zu höheren Schwankungen der Profitabilität führt. Kosteninflation, der Bedarf an laufend hohen Investitionen in neue Plattformen und Technologie sowie ein intensiver Preiswettbewerb im EV-Segment belasten laut der Darstellung die Ertragsdynamik. Tesla wird damit in ein Wettbewerbsumfeld gedrängt, in dem sich strukturelle Überrenditen schwieriger verteidigen lassen.

Robotik und KI: Hohes Potenzial, hohe Unsicherheit

Der Artikel widmet einen zentralen Abschnitt der Frage, ob Robotik, KI und FSD das schwächere Automobilgeschäft auffangen können. Tesla setzt stark darauf, dass Optimus und autonome Fahrfunktionen neue, hochmargige Erlösquellen erschließen. Die Analyse hält dagegen, dass diese Hoffnung mit erheblichen technologischen, regulatorischen und marktreifen Risiken behaftet ist.

Der Robotik-Markt wird als perspektivisch attraktiv, aber äußerst kompetitiv und kapitalintensiv beschrieben. Der Weg von Prototypen zu skalierbaren, industriell einsetzbaren Systemen wird als lang und fehleranfällig charakterisiert. Selbst bei erfolgreicher Produktentwicklung sei nicht sicher, dass die erzielbaren Renditen im Verhältnis zum eingesetzten Kapital die heutigen Bewertungsniveaus rechtfertigen könnten.

Optimus: Vision vs. ökonomische Realität

Besonderes Augenmerk legt der Beitrag auf Teslas humanoiden Roboter Optimus. Zwar wird anerkannt, dass ein universell einsetzbarer Serviceroboter ein enormes Marktpotenzial adressieren würde. Gleichzeitig wird aber festgehalten, dass die technische Marktreife, die Produktionskostenstruktur und die tatsächliche Zahlungsbereitschaft potenzieller Kunden noch weitgehend unklar sind.

Die Annahme, dass Optimus zeitnah zu einem Massenprodukt mit automobilähnlichen Skaleneffekten werden könnte, wird in Zweifel gezogen. Die Heterogenität der Einsatzfälle, der hohe Integrationsaufwand in bestehende Prozesse und Sicherheitsanforderungen könnten die Marktdurchdringung verlangsamen und die Margen begrenzen. Damit droht das Risiko, dass Optimus zwar eine technologische Vorreiterrolle demonstriert, aber betriebswirtschaftlich hinter den Hoffnungen zurückbleibt.

Autonomes Fahren und Software-Margen

Auch beim autonomen Fahren relativiert die Analyse die häufig unterstellten Superrenditen. Zwar bietet Software traditionell höhere Margen als Hardware, doch regulatorische Hürden, Haftungsfragen und die Notwendigkeit einer extrem hohen Sicherheitsvalidierung begrenzen aus Sicht des Artikels die Geschwindigkeit der Monetarisierung.

Die Vorstellung, dass FSD kurzfristig zu einem dominanten Gewinnmotor wird, erscheint in der Bewertung skeptisch. Ein schrittweiser Rollout mit geographischen Beschränkungen, wechselnde Regulierungsregime und die Konkurrenz etablierter Tech- und Autohersteller mit eigenen Systemen führen zu einem Umfeld, in dem Überrenditen schwer durchsetzbar sind. Selbst bei beachtlichem Erfolg im Markt könnte der Beitrag zur Gesamtrendite Teslas hinter den heutigen Erwartungen zurückbleiben.

Kapitalallokation und strategisches Risiko

Der Artikel hebt hervor, dass die massive Fokussierung auf Robotik und autonome Systeme eine riskante Kapitalallokation darstellt. Tesla bindet erhebliche Ressourcen in Feldern, die noch wenig visibel monetarisierbar sind. Dies erhöht das strategische Klumpenrisiko: Scheitern Optimus und FSD an regulatorischen, technologischen oder marktwirtschaftlichen Hürden, bleibt Tesla überwiegend ein Automobilhersteller im zunehmend kompetitiven EV-Markt.

In dieser Konstellation droht aus Sicht der Analyse eine Neubewertung von einem hoch bewerteten Wachstumswert hin zu einem zyklischen Industriewert mit deutlich niedrigeren Bewertungsmultiplikatoren. Der Artikel betont, dass der Markt diese Downside-Risiken derzeit nicht angemessen in die Kursbildung einpreist.

Implikationen für die Tesla-Bewertung

Das zusammengefasste Bewertungsmodell des Beitrags kommt zu dem Ergebnis, dass selbst bei Einpreisung eines substanziellen, aber nicht extremen Erfolgs der Robotik- und FSD-Aktivitäten die derzeitige Marktkapitalisierung ambitioniert bleibt. Die Spanne von 70 bis 187 US-Dollar je Aktie versteht sich als aggregiertes Ergebnis mehrerer Szenarien, in denen das Automobilgeschäft als zunehmend kompetitiv, die Robotik aber als optionaler, nicht gesicherter Werttreiber gesehen wird.

Der Artikel charakterisiert die Aktie daher als „überbewertet“ und argumentiert, dass Investoren ein asymmetric risk profile in Kauf nehmen, bei dem die potenzielle Enttäuschung über zukünftige Wachstumsraten und Margen erhebliche Kurskorrekturen auslösen könnte. Ein nachhaltiges Upside über die genannte Spanne hinaus würde nach dieser Logik nur bei einem ausgesprochen erfolgreichen und raschen Durchbruch in Robotik und vollautonomem Fahren gerechtfertigt sein.

Fazit: Handlungsspielraum für konservative Anleger

Für konservative Anleger, die Kapitalerhalt und ein berechenbares Risiko-Rendite-Profil priorisieren, legt die auf Seeking Alpha präsentierte Analyse eine zurückhaltende Haltung gegenüber der Tesla-Aktie nahe. Angesichts der vom Autor genannten fairen Bewertungsspanne von 70 bis 187 US-Dollar und der Einschätzung, dass sich der Kurs „höchstwahrscheinlich um 100–150 USD“ einpendeln könnte, erscheint ein Neueinstieg auf deutlich höheren Kursniveaus nicht attraktiv.

Konservative Investoren könnten daher erwägen, bestehende Positionen schrittweise zu reduzieren, Marktrückgänge für eine Umschichtung in fundamental besser sichtbare, cashflow-starke Blue Chips zu nutzen oder Engagements in Tesla strikt zu begrenzen und als spekulative Satellitenposition im Portfolio zu behandeln. Wer noch nicht investiert ist, dürfte aus dieser Analyse eher die Schlussfolgerung ziehen, die weitere operative Entwicklung abzuwarten, insbesondere konkrete Nachweise für eine wirtschaftlich tragfähige Skalierung der Robotik- und FSD-Geschäfte, bevor substanzielles Kapital allokiert wird.

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