AllUnity CEO Alexander Höptner, der das wohl vielversprechendste Euro-Stablecoin-Projekt der Eurozone leitet, bringt es im Gespräch mit BTC-ECHO auf den Punkt: “Für Zahlungen innerhalb der Eurozone braucht es keinen Euro-Stablecoin. Aber sobald wir grenzüberschreitend zahlen, zeigt sich ein strukturelles Problem: Das Geld ist immer noch drei bis fünf Tage unterwegs.”
Das Korrespondenz-Bankensystem ist historisch gewachsen, aber technologisch überholt. Gebühren sind hoch, Abwicklungszeiten lang, Nachverfolgung schwierig. Stablecoins versprechen eine andere Qualität: Finalität in Sekunden, 24/7-Verfügbarkeit und transparente Settlement-Ketten.
“Die Preise, die heute für solche Dienstleistungen aufgerufen werden, sind schlicht nicht gerechtfertigt”, kritisiert Höptner. “Veraltete Systeme und verkrustete Strukturen werden durch Stablecoins aufgebrochen. Die Effizienzsteigerungen müssen am Ende bei den Unternehmen ankommen.”
Verlieren Banken durch Stablecoins ihr Geschäftsmodell? Höptner widerspricht: “Unternehmen wollen ihre Bankbeziehungen nicht aufgeben, nur weil sie Stablecoin-Zahlungen nutzen. Wenn Banken klug sind, behalten sie ihre Rolle. Sie müssen aber zusätzlich Wallets und Stablecoins bereitstellen. Die Profitabilität im Auslandszahlungsverkehr wird sinken, aber die Bindung zum Kunden kann dadurch sogar wachsen.”
Banken könnten damit zu zentralen Gatekeepern einer neuen Infrastruktur werden – weniger profitabel, aber unverzichtbar für die Realwirtschaft.
Für CFOs großer Unternehmen ist klar: Nicht jeder Stablecoin ist einsetzbar. “Es gibt mehr US-Stablecoins als Tether und Circle – viele werden dennoch kaum genutzt. Gleiches sehen wir bei Euro-Stablecoins”, sagt Höptner. “Jurisdiktion, rechtliches Rahmenwerk, Funding, Governance: Wenn das nicht passt, werden Unternehmen diese Token nicht einsetzen.”
Höptner rechnet mit einer Bereinigung: “Nicht alle werden die Qualität liefern, die für echten Zahlungsverkehr nötig ist. Diese Projekte verschwinden wieder.”
Langfristig sieht er Standards und Ratings kommen – ähnlich wie bei klassischen Währungen.
Auch Stabilitätsbedenken, wie sie unter anderem eine aktuelle Studie der Freien Universität Berlin hervorhebt, begegnet Höptner entschieden: “Ein Stablecoin entsteht durch Einzahlung von Fiat-Geld, das auf Reservekonten liegt. Ich verändere die Geldmenge nicht, ich wechsle nur das technische Medium und zurück. Entscheidend ist ein sauberes Regelwerk und die Überwachung der Reserven.”
Und was passiert bei einer Rückkehr zu Negativzinsen? “Wir können bis zu einem gewissen Prozentsatz in High-Quality-Liquid-Assets investieren. Und es gibt keinen Negativzins auf E-Geld-Token. Kommt ein Negativzinsumfeld zu früh, bevor der Payment-Use-Case skaliert, kann es wirtschaftlich eng werden. Wenn die Transaktionsnutzung etabliert ist, kompensieren Zahlungsgebühren das.”

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