KIEW (dpa-AFX) - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Wirkung der jüngsten Angriffe gegen Ziele in Russland betont. "Wir schicken den russischen Angriffskrieg zurück nach Hause, an den einzigen Ort, von dem aus der Krieg gekommen ist", sagte er in seiner abendlichen Videoansprache. Er verwies auf die massierten Angriffe ukrainischer Langstreckendrohnen. "Früher war es ein Ereignis, wenn Dutzende ukrainischer Drohnen Russland angriffen, doch heute sind Hunderte unserer weitreichenden Angriffe täglich keine Sensation mehr, aber immer eine erfreuliche Nachricht, eine nützliche Nachricht."
Auch die Erfolge dieser ukrainischen Angriffe vor allem gegen die russische Infrastruktur, in erster Linie gegen die Erdölförderung und
-verarbeitung, blieben nach Selenskyj Worten nicht aus. Nach einem
ukrainischen Geheimdienstbericht sei die russische Erdölverarbeitung in den vergangenen Monaten um rund zehn Prozent zurückgegangen. Vor allem seien russische Ölkonzerne gezwungen, Bohrlöcher stillzulegen. Russland könne dies nur unter schwierigsten Bedingungen wieder rückgängig machen. "Förderausfälle sind für sie wirklich sehr schmerzhaft."
Selenskyj: Löcher im russischen Staatshaushalt
Mit den teilweise dadurch entstandenen Löchern im russischen Staatshaushalt werde Russland allmählich gezwungen, den Krieg zu beenden, meinte Selenskyj. "Derzeit befinden sich bereits zahlreiche Regionen des Landes in einer finanziellen Notlage, und (Kremlchef Wladimir) Putin treibt Russland in den Bankrott", sagte er. Der ukrainische Präsident stützte sich mit seinen Erklärungen auf einen Bericht seiner Geheimdienste zur Lage in Russland, dessen Details er nicht weiter ausführen wollte.
Der seit mehr als vier Jahren andauernde russische Angriffskrieg in der Ukraine ist teuer für Russland. Rund 180 Milliarden Euro sind für Militär, Rüstung, nationale Sicherheit und Polizeiorgane eingeplant - das entspricht knapp 40 Prozent der Gesamtausgaben. Die Rüstungsindustrie boomte in den vergangenen Jahren dank staatlicher Subventionen und Großaufträge. In anderen Sektoren gibt es allerdings schon seit geraumer Zeit Krisenzeichen.
Die Haushaltsprobleme in Russland haben Medien zufolge inzwischen die Provinzen des Landes erreicht. Das Gesamtdefizit der russischen Regionen sei bis Ende 2025 auf mehr als 16 Milliarden Euro gestiegen und ein Rekordwert seit Beginn der Beobachtungen, schrieb die Moskauer Tageszeitung "Kommersant" bereits im Februar unter Berufung auf eine von ihr in Auftrag gegebene Auswertung von Finanzdaten./cha/DP/he
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