Rüstungsboom macht griechische Werften wieder attraktiv – TKMS hofft auf U-Boot-Auftrag

Nicolas Fuchs Nicolas Fuchs
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Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.

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Die griechische Flagge.
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Griechenlands Werften erleben getrieben von milliardenschweren Rüstungsprojekten nach Jahren des Niedergangs einen unerwarteten Aufschwung. Auch der deutsche Marineschiffbauer TKMS hofft auf ein lukratives Geschäft in Athen.
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Hinweis

Es ist eine bemerkenswerte Wende für eine Branche, die in Griechenland lange als Symbol des industriellen Niedergangs galt: Die großen Werften des Landes füllen sich wieder mit Schiffen, die Auftragsbücher mit Bestellungen. Der Wachstumstreiber liegt dabei nicht allein in der Reparatur von Handelsschiffen. Griechenlands Werftindustrie setzt zunehmend auf Rüstungsprojekte und damit auf einen Markt, der durch die veränderte europäische Sicherheitslage kräftig wächst. Für Anleger, die sich mit Rüstungsaktien und der Verteidigungsindustrie in Europa beschäftigen, rückt die griechische Küste damit stärker ins Blickfeld.

Werftindustrie mit Vervierfachungspotenzial

Nach einer aktuellen Analyse des Strategieberaters EY-Parthenon könnte der Jahresumsatz der griechischen Schiffbau- und Schiffsreparaturbranche in einem realistischen Szenario von derzeit rund 197 Millionen Euro auf 759 Millionen Euro steigen. Der weltweite Marktanteil würde sich damit von 0,4 auf 1,6 Prozent vervierfachenn. Ein optimistisches Szenario geht sogar von bis zu 2,25 Milliarden Euro Umsatz aus. Einen konkreten Zeitrahmen nennt die Studie nicht.

Der Aufschwung ist bereits messbar: Die Zahl der gewarteten Schiffe stieg laut EY von 593 im Jahr 2022 auf 656 im Jahr 2024. Waren 2011 noch rund 6.000 Menschen in der Branche beschäftigt, sind es aktuell mehr als 11.000. Werften, die jahrelang weitgehend stillstanden, werden derzeit modernisiert.

Werte aus dem Artikel:
TKMS AG + Co Aktie 84,10 € +0,24%
Onex Aktie 64,00 € 0,00%

Rüstungsboom als neuer Wachstumstreiber

Das Militärgeschäft soll künftig für verlässlichere Auslastung sorgen. Der europäische Markt für Marineschiffe dürfte nach EY-Prognosen bis 2030 von etwa 34 Milliarden auf 55 Milliarden Euro wachsen. Griechenland selbst plant bis zum Jahr 2036 Verteidigungsinvestitionen in Höhe von 25,8 Milliarden Euro wobei hier die Marine dabei einen Schwerpunkt bildet Für die heimische Industrie eröffnet das die Chance, nicht nur Wartungsarbeiten zu übernehmen, sondern stärker in Bau, Modernisierung und Lebenszyklusbetreuung von Kriegsschiffen einzusteigen.

Besonders sichtbar wird der Wandel bei den Elefsis Shipyards nahe Athen. Der Betreiber, das griechisch-US-amerikanische Unternehmen Onex Shipyards & Technology, plant gemeinsam mit dem südkoreanischen Schiffbau- und Rüstungskonzern Hanwha Ocean das „Project Trident". Das Investitionsvolumen soll sich auf 1,35 Milliarden Euro belaufen. Geplant sind neue Reparaturkapazitäten, modernisierte Hafen- und Logistikanlagen sowie automatisierte Produktionslinien. In einer späteren Phase sind zudem Anlagen für Bau und Wartung von U-Booten vorgesehen.

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Kooperation mit geopolitischer Relevanz

Der Vertrag über die Kooperation wurde Ende Mai in der Residenz der US-Botschafterin in Athen unterzeichnet und verdeutlicht dadurch die geopolitische Dimension: US-amerikanische und südkoreanische Technologie soll mit griechischer Industrie verbunden werden. Die USA wollen Elefsis zu einem regionalen Zentrum für maritime Verteidigung ausbauen, das neben der griechischen Marine auch die 6. US-Flotte im Mittelmeer sowie verbündete Streitkräfte unterstützen kann. Onex spricht von bis zu 10.000 direkten und indirekten Arbeitsplätzen und strebt einen heimischen Wertschöpfungsanteil von 70 Prozent an.

Weitere Werften rüsten auf

Auch die übrigen großen Werften richten sich zunehmend auf das Rüstungsgeschäft aus. Salamis Shipyards fertigt im Auftrag der französischen Naval Group Baugruppen für die FDI-Fregatten der französischen und griechischen Marine. Ein 2024 vereinbarter Vertrag sichert zudem Wartung und Unterstützung der Schiffe über sechs Jahre.

Bei Skaramagas Shipyards, der Werft des griechischen Großreeders George Prokopiou, laufen derweil Vorbereitungen für die Modernisierung der griechischen Meko-Fregatten. Eine Kooperation mit dem südkoreanischen Konzern Hyundai Heavy Industries soll zudem gemeinsame Projekte für Kriegsmarine, Küstenwache und Spezialschiffe ermöglichen. In der vergangenen Woche schloss die Werft zudem eine Vereinbarung mit dem Softwareunternehmen Qualco und Olympic Marine, um gemeinsam eine militärisch wie zivil nutzbare Meeresdrohne zu entwickeln.

TKMS hofft auf griechischen U-Boot-Auftrag

Besonders spannend für deutsche Investoren: Skaramagas arbeitet bereits mit dem deutschen Marineschiffbauer TKMS beim Midlife-Upgrade der von Griechenland betriebenen U-Boote der deutschen Klasse 214 zusammen. Nun macht sich TKMS Hoffnung auf einen deutlich größeren Auftrag aus Athen: Griechenland plant im Rahmen seines jüngsten Rüstungsprogramms die Beschaffung von vier neuen U-Booten. Neben TKMS sind die französische Naval Group und Südkoreas Hanwha Ocean als Anbieter im Rennen. Die Vergabe dürfte auch davon abhängen, welcher Bewerber eine hohe lokale Wertschöpfung in griechischen Werften anbieten kann. Dieses Kriterium wird  für internationale Rüstungskonzerne bei Ausschreibungen in Europa zunehmend zu einer entscheidenen Bedingung.

Griechenland hofft auf Stärkung der heimischen Produktionsbasis

Für Griechenland geht es dabei um mehr als zusätzliche Werftaufträge. Eine Studie der griechischen Zentralbank sieht in der Wiederbelebung des Schiffbaus die Chance, die Lücke zwischen der weltweit führenden griechischen Handelsflotte und der schwachen heimischen Produktionsbasis zu schließen. Rund 80 Prozent der weltweiten Schiffsproduktion entfallen heute auf Werften im Fernen Osten. Griechische Reeder gehören zu den besten Kunden der Schiffbaubetriebe in China und Südkorea. Mehr Wertschöpfung im eigenen Land soll Importe ersetzen, Arbeitsplätze schaffen und das Leistungsbilanzdefizit verringern, so die Zentralbank-Studie.

Die Verbindung von ziviler Schifffahrt und Verteidigung könnte dabei eine Schlüsselrolle spielen. Solche „Dual-Use-Strukturen" passen zur europäischen Forderung nach mehr strategischer Autonomie und machen griechische Werften für ausländische Technologiepartner zunehmend attraktiv.

Fachkräftemangel bremst das Comeback

Der Weg dorthin bleibt allerdings steinig, wie die EY-Parthenon-Studie zeigt: Fachkräftemangel, alternde Belegschaften, Bürokratie und langsame Genehmigungsverfahren bremsen die Branche. Hinzu kommen begrenztte Infrastruktur und ein geringer Digitalisierungsgrad. Viele Werften arbeiten projektbezogen und mit externen Zulieferern. Das schafft zwar Flexibilität, verhindert aber Skaleneffekte.

Gerade deshalb ist das Rüstungsgeschäft strategisch interessant: Militärische Programme versprechen langfristige Aufträge, technologische Aufrüstung und Know-how-Transfer. So könnte die europäische Aufrüstung zum Motor eines griechischen Schiffbau-Comebacks mit potenziellen Folgeeffekten für internationale Zulieferer und Partnerunternehmen aus der Verteidigungsindustrie werden. 



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