Trotz der unterschiedlichen Bedingungen ähneln sich die Wahrnehmungen und Wünsche junger Menschen unabhängig vom Wohnort. Kinder und Jugendliche wünschen sich demnach vor allem Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, Selbstbestimmung und Beteiligung.
Schnelleres Internet in der Stadt
Insbesondere in Großstädten im Ruhrgebiet, Schleswig-Holstein und nördlichen Niedersachsen treffen hohe Kinderarmut und Jugendarbeitslosigkeit aufeinander, wie es im "Teilhabeatlas" heißt. Während in Duisburg, Bremerhaven und Gelsenkirchen 2022 mehr als jedes vierte Kind in einer Familie lebte, die staatliche Transferleistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) bezog, war es in Biberach, Neu-Ulm oder im Oberallgäu nur jedes 20. Kind. In einigen Orten im äußersten Norden und den ostdeutschen Bundesländern ist der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss demnach mit 10 bis 15 Prozent am höchsten.
Grundsätzlich profitierten Kinder und Jugendliche in städtischen Regionen von einem gut ausgebauten Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln. Auf dem Land sei Mobilität eher eine Herausforderung für junge Menschen. Auch die Verfügbarkeit von schnellem Internet sei dort teilweise ausbaufähig, so die Studienautoren.
Für den "Teilhabeatlas" analysierten die Forscherinnen und Forscher statistische Daten aus den 400 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland, zur Wirtschaft, Bildung, Demografie und Infrastruktur. Daraus wurden fünf ländliche und drei städtische Regionen gefiltert, die unterschiedliche Teilhabemöglichkeiten bieten. Vor Ort führten die Forscher Interviews mit jungen Menschen und Erwachsenen aus dem Bildungsbereich.
Junge Leute wünschen sich mehr Freiräume
Junge Menschen wünschen sich der Befragung zufolge mehr Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten, wie die Referentin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, Johanna Okroi, sagte. Kinder und Jugendliche würden vor allem in Ganztagsschulen viel Zeit verbringen und dort ein immer regulierteres Leben haben. Insbesondere in der kalten Jahreszeit sei das Angebot an Räumen, in denen junge Menschen sich aufhalten und selbst über ihre Freizeit entscheiden können, deutlich eingeschränkt.
Zu ihrer Selbstbestimmung gehöre auch die finanzielle Unabhängigkeit junger Menschen, die sich laut Okroi nur durch kostenlose Angebote sicherstellen lässt. Ein gutes Angebot an öffentlichem Nahverkehr und ausgebauten Radwegen seien eine ebenso wichtige Voraussetzung für die Selbstbestimmung wie Sicherheit - insbesondere für Mädchen, Menschen mit Einwanderungsgeschichte und queere junge Menschen.
Mehr mitreden an Schulen
Bei der Beteiligung handele es sich um eine Frage der Haltung, die eigentlich überall gelebt werden könne, sagte Okroi. Viele junge Menschen haben der Befragung zufolge vor allem in der Schule den Eindruck, dass ihre Vorschläge nicht gehört werden. Schulen bieten demnach ein ungenutztes Potenzial: Sie könnten Orte echter Beteiligung werden. Junge Menschen sollten bei der Gestaltung öffentlicher Räume einbezogen werden und es sei wichtig, ihnen das Gefühl zu geben, mitreden zu können, sagte Okroi.
Für relevant halten die Forscher die Teilhabemöglichkeiten junger Menschen auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in Deutschland. Je besser gerüstet junge Menschen seien, desto besser könnten sie mit den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft umgehen./aky/DP/jha
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