HANNOVER (dpa-AFX) - Der Iran-Krieg und seine Folgen treiben die Kunden des Reisekonzerns Tui weiter zum Buchen auf den letzten Drücker. Seit Juli ziehe das Geschäft aber wieder an - trotz Hitzewelle und Waldbränden, erklärte Vorstandschef Sebastian Ebel am Mittwoch in Hannover. Dennoch liegt der gebuchte Umsatz für den Sommer noch sechs Prozent niedriger als vor einem Jahr. Der Trend zu Last Minute drückt auf Reisepreise und Gewinn. An seiner Gewinnprognose hält Ebel zwar fest, betont aber nicht mehr das obere Ende der Zielspanne.
Für dich zusammengefasst:
Tui-Kunden buchen vermehrt Last Minute Reisen.
Der Umsatz für den Sommer liegt sechs Prozent niedriger.
Im dritten Quartal zählte Tui 9,9 Millionen Kunden.
An der Börse kamen die Neuigkeiten am Morgen schlecht an: Für die Tui-Aktie ging es zeitweise um fast vier Prozent abwärts. Zuletzt gehörte sie mit einem Abschlag von noch gut einem Prozent auf 7,274 Euro zu den schwächsten Titeln im MDax, dem Index der mittelgroßen Werte. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier inzwischen rund ein Fünftel eingebüßt.
"2026 ist kein normales Jahr", sagte Ebel bei der Vorlage der Zwischenbilanz am Morgen in Hannover. Infolge des Iran-Kriegs brachen nicht nur die Buchungen für den Nahen Osten ein. Zwei Kreuzfahrtschiffe von Tui Cruises steckten wochenlang im Persischen Golf fest, was den Konzern im abgelaufenen Quartal 20 Millionen Euro kostete. Die allgemeine Verunsicherung hielt zudem viele Verbraucher davon ab, sich frühzeitig für einen Urlaub im Sommer zu entscheiden.
"Wir sehen nicht mehr Rabatte als im letzten Jahr, aber sehr viel mehr Last Minute und damit geringere Margen", sagte Ebel in einer Videokonferenz mit Journalisten. Angesichts der Krise habe Tui das Urlaubsangebot für den Sommer bereits zurückgefahren. Auch Rabattaktionen gab es. Inzwischen erlebe er allerdings "eine starke Normalisierung des Geschäfts" einschließlich höherer Preise, sagte Ebel: "So billig kriegen Sie es heute nicht mehr."
Die Vorsicht der Urlauber liegt aus Sicht des Managers vor allem an den Folgen des Iran-Kriegs. Die jüngsten Waldbrände in Südeuropa spielten für Tui "keine Rolle". So zählten die stark getroffenen Regionen bei Bordeaux und Madrid nicht zu den Reisezielen des Konzerns. Und in den wichtigen Ferienregionen wie dem spanischen Andalusien fielen die Waldbrände diesmal "deutlich geringer" aus als in den vergangenen Jahren.
Auch die Hitzewellen in Deutschland und am Mittelmeer schrecken die Tui-Kunden offenbar nicht vom Urlaub ab. Es gebe in diesem Geschäft seit fünf bis sechs Wochen eine Dynamik, "die gerade vor dem Hintergrund des Wetters nicht zu erwarten war", sagte Ebel.
Dennoch wagt der Manager weiterhin keine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September. Das ursprüngliche Ziel hatte er wegen des Iran-Kriegs im April gestrichen und sein Gewinnziel gesenkt.
Seither rechnet er mit einem bereinigten operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) von 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro. Diesen Plan bekräftigte er auch am Mittwoch. Anders als im Mai betonte er aber nicht mehr die Ambition, das obere Ende der Spanne und damit annähernd das Ergebnis aus dem Vorjahr zu erreichen. Tui könne "positiv gespannt aufs Ende des Geschäftsjahrs schauen", sagte er nun.
Im dritten Geschäftsquartal bis Ende Juni zählte der Reisekonzern in seinem Veranstaltergeschäft, seinen Hotels wie Riu und Tui Blue und bei den Kreuzfahrten von Tui Cruises, Marella und Hapag-Lloyd (Hapag-Lloyd Aktie) 9,9 Millionen Kunden und damit drei Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Der Umsatz sank um sechs Prozent auf 5,8 Milliarden Euro, und der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn ging um 27 Prozent auf rund 234 Millionen Euro zurück. Unter dem Strich entfiel auf die Aktionäre mit knapp 83 Millionen Euro sogar weniger als halb so viel Gewinn wie ein Jahr zuvor.
Nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres steht bei Tui ein bereinigter operativer Gewinn von 118 Millionen Euro zu Buche. Den Löwenanteil ihrer Gewinne fahren sie im Sommer ein. Im vierten Geschäftsquartal von Juli bis September muss Tui im Tagesgeschäft folglich rund eine Milliarde Euro verdienen, um das Jahresziel zu erreichen./stw/mne/mis
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