FRANKFURT (dpa-AFX) - Deutschland droht nach Einschätzung der Deutschen Bank bei der Revolution durch Künstliche Intelligenz (KI) zurückzufallen. "Keine andere OECD-Nation investiert weniger in Software als Deutschland", sagte Robin Winkler, Chefvolkswirt Deutschland der Deutschen Bank, am Donnerstag in Frankfurt.
Für dich zusammengefasst:
Deutschland investiert wenig in KI-Software.
Weniger als 1% der Wirtschaftsleistung geht in Software.
Technologische Transformation ist für Wettbewerbsfähigkeit entscheidend.
Deutschland stecke weniger als ein Prozent der Wirtschaftsleistung in Software, der Spitzenreiter Schweden hingegen rund vier Prozent, gefolgt von Japan und Israel. Ohne deutliche Beschleunigung werde Deutschland an Boden verlieren. Selbst wenn man Hardware-Investitionen dazu nehme, ändere sich das Bild kaum. Deutschland sei bei der Digitalisierung weiter im Rückstand. Doch die technologische Transformation werde über Deutschlands künftige Wettbewerbsfähigkeit bestimmen.
Zugleich sieht Winkler im Rückstand auch eine Chance. "In vielen Bereichen der deutschen Wirtschaft sind digitale Prozesse bislang nur begrenzt verbreitet." Der Einsatz von KI könne hier besonders große Produktivitätsgewinne heben - deutlich stärker als in schon hoch digitalisierten Volkswirtschaften. Die Alterung der Gesellschaft mache Produktivitätsgewinne besonders wichtig.
Winkler widersprach Ängsten, KI werde im großen Stil Jobs kosten. Angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland sei es unwahrscheinlich, dass der Einsatz von KI zu höherer struktureller Arbeitslosigkeit führe. Künstliche Intelligenz sei ein zentraler Hebel für Wachstum, wenngleich "keine Allzweckwaffe". "Aber ohne KI wird es verdammt schwierig."
Mit Blick auf die Börsen bleiben zudem Christian Nolting, globaler Chefanlagestratege der Privatkundenbank sowie Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Deutschland im Privatkundengeschäft, optimistisch, was das Thema Kl betrifft. "Künstliche Intelligenz ist und bleibt der strukturelle Wachstumstreiber für Wirtschaft und Kapitalmärkte - und wir stehen erst am Anfang", betonte Nolting und sprach vom Übergang von der generativen KI zur wirkungsvolleren agentischen KI. Diese komplexen und selbstständig arbeitenden KI-Agenten, die zunehmend von Unternehmen genutzt werden, erzeugen neue Nachfrage und Bedarfe.
So hätten trotz geopolitischer Spannungen und Energiepreisschocks die Aktienmärkte im bisherigen Jahresverlauf Widerstandskraft gezeigt und teils deutliche Zuwächse verbucht, was stark den Bereichen IT und KI zu verdanken sei. Dabei sehen die Experten derzeit keine Gefahr ähnlich der Dotcom-Blase im Jahr 2000. Vielmehr verwiesen sie auf die weltweit drastisch nach oben revidierten Gewinnschätzungen für 2026. Dieses seien vor allem vom Technologiesektor und - angesichts des enorm steigenden Strombedarfs der wachsenden Zahl an Rechenzentren - vom Energiesektor getragen worden.
Anders als in Zeiten der Internetblase zeigen sich die Unternehmensgewinne laut Nolting sehr robust. Entsprechend sieht er Rücksetzer an den Aktienmärkten, die zum Gesamtbild dazu gehörten, als "attraktive Kaufgelegenheiten". Allerdings sei vor dem Hintergrund der "extrem engen Marktbreite mit ihren nur zwei starken Treibern IT und Energie Selektion wichtig, um Chancen gezielter zu nutzen. Neben großen Technologiewerten rückten zunehmend Unternehmen entlang der gesamten Kl-Wertschöpfungskette in den Fokus, die aus fünf Ebenen bestehe: Energie, Chips, Infrastruktur (KI Fabriken), Modelle und Applikationen./ck/als/nas/jha/
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