Ölpreis-Schock am Persischen Golf: Was der Iran-Krieg für Ihre Zinsen bedeutet
Nicolas Fuchs
Nicolas Fuchs
Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.
Die Eskalation am Persischen Golf treibt den Ölpreis auf das höchste Niveau seit Mai – und schürt die Inflation im Euroraum weiter an. Die EZB hat entschieden, wie sie darauf reagiert, mit spürbaren Folgen für Bauherren, Unternehmen und Sparer gleichermaßen.
Für dich zusammengefasst:
Die EZB hat den Einlagensatz auf 2,5 Prozent erhöht.
Die IEA prognostiziert einen Rückgang des Ölangebots um 5,7 Mio. Barrel.
Die Bauzinsen für zehnjährige Finanzierungen liegen bei 4,29 Prozent.
Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag zum zweiten Mal in diesem Jahr an der Zinsschraube gedreht. Der Einlagensatz steigt um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent. Auslöser ist eine Inflationsrate im Euroraum, die mit aktuell 3,3 Prozent deutlich über dem EZB-Zielwert von 2 Prozent liegt. Die Notenbank begründet ihren Schritt mit der Sorge, dass sich der Preisdruck verfestigt. Die Ursache dafür liegt weit weg von Frankfurt, nämlich am Persischen Golf.
Ölmarkt außer Kontrolle: IEA warnt vor wachsender Angebotslücke
Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat die Durchfahrt durch die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Handelsrouten für Erdöl weltweit, weitgehend blockiert. Die Internationale Energieagentur (IEA) korrigierte ihre Prognosen für 2026 deutlich nach unten: Das weltweite Ölangebot dürfte in diesem Jahr um 5,7 Millionen Barrel pro Tag sinken, ein Minus von rund sechs Prozent und damit deutlich mehr als die zuvor erwartete Vierprozent-Lücke. Auch die Nachfrage bricht stärker ein als angenomen, um 2,5 statt der zunächst prognostizierten 1,6 Millionen Barrel täglich, da die Rekordpreise für Kraftstoffe den Verbrauch bremsen.
Um die Lücke zu schließen, greifen Länder und Unternehmen auf ihre Reserven zurück. Allein im August schrumpften die globalen Lagerbestände um 3,1 Millionen Barrel pro Tag. Die IEA warnt, dass diese Puffer zur Neige gehen, während das globale Raffineriesystem bereits an seiner Kapazitätsgrenze arbeitet. Der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl näherte sich in dieser Woche erstmals seit Mai wieder der Marke von 110 US-Dollar, auch der WTI-Ölpreis zog kräftig an. Noch deutlicher zeigt sich der Engpass bei Diesel, dessen Preis in den USA zuletzt ein Rekordhoch erreichte. In Deutschland kostet ein Liter E10-Benzin inzwischen rund 50 Cent mehr als vor Kriegsbeginn, auch Heizöl und Erdgas haben sich spürbar verteuert. Solange sich am Konflikt am Golf und am Krieg in der Ukraine, der mitttlerweile ins fünfte Jahr geht, nichts ändert, dürfte sich diese Entwicklung nach Einschätzung der IEA fortsetzen.
Für private Immobilienkäufer und -besitzer sind das schlechte Nachrichten. Die Zinsen für eine Baufinanzierung mit zehnjähriger Zinsbindung liegen laut FMH-Finanzberatung derzeit bei 4,29 Prozent, dem höchsten Stand seit dem Ende der Niedrigzinsphase. Noch Anfang Juli hatten Bauherren im Schnitt mit einer Drei vor dem Komma kalkuliert. Wichtig zu verstehen: Die Baufinanzierungszinsen folgen nicht direkt dem EZB-Leitzins, sondern der Rendite von Bundesanleihen, die das allgemeine Kapitalmarktzinsniveau widerspiegelt. Steigen diese Renditen, weil Anleger höhere Risikoaufschläge für anhaltende Inflation verlangen, zieht das die Bauzinsen mit nach oben, unabhängig davon, was die Notenbank tut.
Branchenvertreter rechnen vorerst nicht mit einer Entspannung. Ein von Interhyp befragtes Bankenpanel ist für die kommenden Monate gespalten: Die eine Hälfte erwartet weiter steigende Zinsen, die andere eine Seitwärtsbewegung. Mit Blick auf das Jahresende teilen sich die Einschätzungen exakt in drei Lager, steigend, stabil, fallend, ein Beleg dafür, wie stark die weitere Entwicklung von Inflationsdaten und geopolitischen Faktoren abhängt. Am Markt für Immobilienfinanzierungen wächst unterdessen der Druck auf professionelle Investoren: Höhere Finanzierungskosten treffen auf bereits gesunkene Immobilienwerte, wodurch sich die möglichen Fremdkapitalanteile verringern und zusätzlicher Eigenkapitalebdarf entsteht. Das betrifft nicht nur private Bauherren, sondern auch börsennotierte Wohnungsunternehmen wie die Vonovia-Aktie, deren Geschäftsmodell unmittelbar von Refinanzierungskosten und Bewertungsniveaus am Immobilienmarkt abhängt. Als größter deutscher Wohnimmobilienkonzern gilt Vonovia (Vonovia Aktie) vielen Marktbeobachtern als Indikator dafür, wie stark sich das gestiegene Zinsniveau auf die Branche insgesamt auswirkt.
Sparer profitieren: Tagesgeld-Rally zwischen den Banken
Während Kreditnehmer die Zeche zahlen, können Sparer von der Entwicklung profitieren. Nach einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox, das die Konditionen von mehr als 800 Banken und Sparkassen analysiert hat, bieten aktuell mindestens elf Geldhäuser zeitweise Tagesgeldzinsen von über 3,5 Prozent für Neukunden. Bis Mitte Mai gab es Angebote dieser Größenordnung noch gar nicht. Angeführt wird das Feld von der britischen Digitalbank Revolut mit 4,25 Prozent für bis zu vier Monate, allerdings an mehrere Nebenbedingungen geknüpft. Dahinter folgen die Renault (Renault Aktie) Bank mit 4,1 Prozent sowie Chase, der deutsche Ableger der US-Großbank J.P. Morgan, und die niederländische Ayvens Bank mit jeweils 4 Prozent für ihre Einführungsangebote.
Hintergrund dieser Zinsrally sind die gestiegenen Kapitalmarktzinsen und die Aussicht auf einen höheren EZB-Einlagensatz, jenen Zins, den Banken erhalten, wenn sie überschüssige Liquidität bei der Notenbank parken. Ein Teil dieser Verbesserung geben die Institute im Wettbewerb um Kundengelder an Sparer weiter, was sich in den aktuellen Lockangeboten für Tages- und Festgeld niederschlägt. Für Anleger, die im Rahmen ihrer privaten Altersvorsorge auch auf zinstragende Anlageformen setzen, verbessert sich damit zumindest im kurzfristigen Segment die Ertragslage, während gleichzeitig die Finanzierungskosten für Immobilien und Investitionen steigen.
Ausblick: Wie geht es weiter?
Ob die EZB in diesem Jahr noch einmal nachlegt, ist unter Ökonomen umstritten und hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten ab. Die Notenbank hat wiederholt betont, eine zu hohe und zu lang anhaltende Teuerung nicht tolerieren zu wollen, auch mit Blick auf die Kritik, beim letzten Inflationsschub zu spät reagiert zu haben. An den Finanzmärkten wird teilweise bereits mit einem dritten Zinsschritt in diesem Jahr gerechnet. Volkswirte weisen zugleich darauf hin, dass nicht in erster Linie das Zinsniveau Unternehmen von Investitionen abhält, sondern strukturelle Probleme wie hohe Energiekosten, Bürokratie, Fachkräftemangel und Kaufzurückhaltung der Konsumenten.
Ein Sonderfall bleibt die US-Notenbank Fed, die anders als die EZB neben der Inflation gleichwertig den Arbeitsmarkt im Blick hat und zudem unter politischem Druck von Präsident Trump steht, der trotz hoher US-Inflation Zinssenkungen fordert. Viele Experten erwarten dennoch, dass auch die Fed in Kürze die Zinsen anheben wird. Für deutsche Bauherren bedeutet die Gemengelage aus geopolitischem Risiko und Notenbankpolitik vor allem eines: Wer eine Anschlussfinanzierung plant, dem raten Finanzierungsvermittler, Konditionen frühzeitig zu sichern, etwa über ein Forward-Darlehen, statt auf einen kurzfristigen Rückgang der Bauzinsen zu spekulieren.
Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen finden Sie jeweils hier:
DE000NB5N8W2 . Bitte informieren Sie sich vor Erwerb ausführlich über Funktionsweise und Risiken der Produkte. Bitte beachten Sie auch die weiteren Hinweise zu dieser Werbung.
Im Durchschnitt erleiden 7 von 10 Kleinanlegern Verluste beim Handel mit Turbo-Zertifikaten. Turbo-Zertifikate sind hoch risikoreiche Produkte und nicht für langfristige Anlagestrategien geeignet.
Hinweis:
ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen.
Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich
dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch
eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link
„Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für
diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.