Störungen in dieser strategischen Passage könnten den globalen Energiemarkt über Wochen oder sogar Monate unter Druck setzen. Bereits jetzt berichten Marktbeobachter von eingeschränkten Tankerbewegungen, Produktionskürzungen im Nahen Osten und steigenden Sicherheitsrisiken für Energieinfrastruktur in der Region. Für Europa bringt diese Entwicklung eine alte Frage mit neuer Dringlichkeit zurück auf die Agenda: Wie sicher ist die eigene Energieversorgung wirklich?
Steigende geopolitische Spannungen, fragile Lieferketten und stark schwankende Energiepreise rücken die Versorgungssicherheit erneut in den Fokus. Vor diesem Hintergrund gewinnt die heimische Öl- und Gasproduktion innerhalb Europas zunehmend an strategischer Bedeutung. Das australische Unternehmen ADX Energy, das bereits Öl und Gas in Österreich produziert und weitere Projekte in Österreich sowie Italien entwickelt, sieht sich nach eigenen Angaben als Teil dieser Entwicklung. In einem Interview erklärte das Management um Executive Chairman Ian Tchacos, dass Europa seine eigenen Energieressourcen stärker nutzen müsse, um langfristig unabhängiger von Importen zu werden.
Im Gespräch betonte das ADX-Management, dass die globale Energiesituation derzeit stark von geopolitischen Risiken geprägt sei. Ein erheblicher Teil der weltweiten Ölversorgung komme aus dem Nahen Osten. Besonders kritisch sei die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des globalen Ölhandels transportiert werde. Störungen in dieser Region könnten unmittelbare Auswirkungen auf die Ölpreise haben.
Auch im Gasmarkt gebe es derzeit Unsicherheiten. Katar, einer der größten Exporteure von verflüssigtem Erdgas (LNG), liefere mehr als zwanzig Prozent der weltweiten LNG-Mengen. Ein großer Teil davon gehe nach Europa. Ereignisse in dieser Region könnten daher ebenfalls direkte Folgen für die europäischen Gaspreise haben. Nach Einschätzung von ADX steige deshalb das Interesse an regionalen Energiequellen innerhalb Europas. Gleichzeitig habe die Europäische Union angekündigt, bis spätestens 2027 vollständig auf russisches Gas verzichten zu wollen. Diese Entwicklung erhöhe den Druck, alternative Versorgungsquellen zu erschließen.
ADX Energy ist ein Öl- und Gasunternehmen, das an der australischen Börse ASX notiert ist. Der operative Schwerpunkt liegt jedoch zunehmend in Europa. Besonders aktiv ist das Unternehmen in Österreich, wo bereits Öl- und Gasproduktion stattfindet. So lag die durchschnittliche Produktion aus österreichischen Feldern im Jahr 2025 zeitweise bei rund 303 Barrel Öläquivalent pro Tag (BOEPD), eine Einheit, mit der Öl- und Gasförderung gemeinsam gemessen wird.
Ein Teil dieser Förderung stammt aus den Feldern der Vienna Basin Region, ein weiterer aus dem Anshof-Ölfeld in Oberösterreich. Dort betreibt ADX eine Produktionsanlage mit einer Kapazität von bis zu 3.000 Barrel Flüssigkeiten pro Tag. Im Juni 2025 erhöhte das Unternehmen außerdem seinen wirtschaftlichen Anteil am Anshof-Feld auf 70 Prozent, nachdem ein Partneranteil übernommen wurde. Nach Angaben des Managements könnten zusätzliche Bohrungen in der Umgebung dieses Feldes relativ schnell zu weiterem Produktionswachstum führen.
Besonders viel Aufmerksamkeit richtet ADX derzeit auf das Projekt Welchau in Oberösterreich. Die Bohrung Welchau-1 wurde ursprünglich mit dem Ziel niedergebracht, Gas-Kondensat zu finden, also eine Mischung aus Erdgas und leichten flüssigen Kohlenwasserstoffen. Während der Arbeiten wurden jedoch auch Hinweise auf leichtes Rohöl entdeckt. Analysen der geologischen Struktur zeigen laut Unternehmen, dass sich etwa 500 Meter oberhalb der aktuellen Bohrposition eine mögliche Ölansammlung befinden könnte. Für diese sogenannte Aufwärtsstruktur („updip“) wird ein Ressourcenpotenzial von etwa 18 Millionen Barrel leichtem Öl geschätzt.
Parallel dazu deuteten neue geologische Modelle darauf hin, dass sich unterhalb der Bohrung weiterhin das ursprünglich gesuchte Gas befinden könnte. Eine Vertiefung der Bohrung um etwa 600 bis 700 Meter könnte diesen Bereich erreichen. Aktuelle Ressourcenschätzungen gehen davon aus, dass das Welchau-Gebiet insgesamt etwa 387 Milliarden Kubikfuß Gas sowie rund 31 Millionen Barrel Öl und Kondensat enthalten könnte. Nach Einschätzung von Executive Chairman Ian Tchacos könnte das Projekt damit sowohl eine bedeutende Gas- als auch eine Ölentdeckung darstellen.
Zur Auswertung der komplexen geologischen Daten arbeitet ADX mit internationalen Fachberatern sowie Forschungseinrichtungen zusammen. Laut Unternehmensangaben unterstützen auch Geologen und Studierende der Universität Wien die Modellierung der Lagerstätte. Technischer Leiter des Unternehmens ist der Geophysiker Paul Fink, der über rund 30 Jahre Erfahrung in der Exploration und Entwicklung von Öl- und Gasvorkommen verfügt und Mitglied mehrerer internationaler Fachorganisationen ist. Die Ressourcenbewertungen orientieren sich am internationalen Standard PRMS (Petroleum Resources Management System), der weltweit zur Klassifizierung von Öl- und Gasressourcen verwendet wird.
Neben Welchau arbeitet ADX an mehreren weiteren Projekten. In Oberösterreich wurden mehrere sogenannte „Shallow Gas“-Prospekte identifiziert, relativ flache Erdgaslagerstätten. Insgesamt wurden sieben Bohrziele mit zusammen rund 29 Milliarden Kubikfuß potenziellen Gasressourcen definiert.
Diese Lagerstätten liegen nahe bestehender Infrastruktur und könnten im Erfolgsfall vergleichsweise schnell erschlossen werden. Darüber hinaus erhielt ADX im Jahr 2025 eine neue Offshore-Explorationslizenz im Sizilienkanal vor Italien. Dort schätzt das Unternehmen das potenzielle Gasvolumen auf rund 619 Milliarden Kubikfuß. Das Gebiet liegt in der Nähe bestehender Gasfelder und in Reichweite wichtiger Pipeline-Verbindungen nach Italien. Das Management erklärte im Interview, dass die Kombination aus bestehender Produktion, kurzfristigen Bohrprojekten und größeren Explorationszielen die Grundlage für die nächste Wachstumsphase des Unternehmens bilden solle. Gleichzeitig zeige die aktuelle geopolitische Lage, dass Europa langfristig weiterhin auf Öl und Gas angewiesen sein werde. Unternehmen mit Projekten innerhalb Europas könnten daher künftig eine wichtigere Rolle für die regionale Energieversorgung spielen.
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