Antimon ist einer dieser Rohstoffe, die kaum jemand kennt – bis man merkt, wo sie überall gebraucht werden. In der Rüstungsindustrie steckt es unter anderem in Munition, Zündern, Nachtsichtgeräten und gehärteten Metalllegierungen. Dazu kommt der Einsatz in Batterien, Halbleitern und Flammschutzmitteln.
Genau deshalb ist der Fund so brisant: Nordamerika hat kaum eigene Versorgung, während China und Russland große Teile des Marktes kontrollieren. CEO Duane Parnham erklärte, sichere westliche Lieferketten würden damit immer wichtiger. Howells Lake könnte aus Sicht des Managements deshalb weit mehr sein als nur ein weiteres Explorationsprojekt.
Chefgeologe Matthew Trenkler erklärte, Bohrloch 6 habe genau das geliefert, wonach Explorer suchen: einen Abschnitt mit massiver Stibnit-Mineralisierung. Stibnit ist das wichtigste Erzmineral für Antimon und besteht aus Antimon und Schwefel. Besonders auffällig ist der Gehalt: Reiner Stibnit enthält theoretisch rund 71,7 % Antimon, der gemeldete Abschnitt kam auf 70,2 %. Damit liegt das Material fast am natürlichen Maximum. Für ein Explorationsprojekt ist das außergewöhnlich. Viele Lagerstätten müssen große Mengen Gestein bewegen, um vergleichsweise geringe Metallgehalte zu gewinnen. Hier meldet Critical One dagegen einen Abschnitt, der nahezu aus reinem Antimon-Erz besteht. Das macht den Fund so bemerkenswert und erklärt, warum das Management Howells Lake als mögliches Schlüsselprojekt für die nordamerikanische Antimonversorgung einordnet.
Zusätzlich meldete das Unternehmen eine zweite Zone mit 7,3 Metern zu 1,62 % Antimon. Laut Trenkler könne das darauf hindeuten, dass die Mineralisierung nicht nur punktuell auftritt, sondern sich in die Tiefe fortsetzt. Entscheidend werden nun die weiteren Bohrergebnisse sein.
Duane Parnham hob hervor, dass das Material wegen seiner außergewöhnlichen Reinheit möglicherweise als „Direct Shipping Ore“ geeignet sein könnte. Gemeint ist Erz, das ohne aufwendige Vorverarbeitung direkt transportiert und verkauft werden kann. Genau das gilt im Bergbau als eine Art „Königsklasse“, weil viele Projekte erst teure Anlagen für Zerkleinerung, Aufbereitung und chemische Reinigung bauen müssen, bevor überhaupt ein verkaufsfähiges Produkt entsteht.
Bei vielen Lagerstätten liegen die Metallgehalte oft nur im niedrigen Prozent- oder sogar Promillebereich. Das Material muss dann erst in großen Anlagen konzentriert werden. Solche Anlagen kosten häufig Hunderte Millionen Dollar und benötigen Jahre bis zur Genehmigung und Fertigstellung.
Sollte sich bei Howells Lake tatsächlich bestätigen, dass größere Mengen nahezu reinen Stibnits vorhanden sind, könnte das ein enormer Vorteil sein. Hochgradiges Erz könnte deutlich einfacher verarbeitet und schneller an potenzielle Käufer geliefert werden. Gerade im aktuellen Antimonmarkt wäre das bemerkenswert, weil Nordamerika derzeit kaum eigene Versorgung besitzt und westliche Industrien dringend nach neuen Quellen suchen. Ob das wirtschaftlich tragfähig ist, müssen allerdings weitere metallurgische Tests und zusätzliche Bohrungen erst belegen.
Howells Lake wurde bereits Ende der 1970er-Jahre entdeckt. Die historische Ressourcenschätzung liegt bei 1,7 Millionen Tonnen mit 1,4 % Antimon und begleitender Goldmineralisierung. Diese Schätzung entspricht jedoch nicht dem heutigen kanadischen Standard NI 43-101 und darf daher nicht als aktuelle Ressource betrachtet werden. Chet Idziszek, unabhängiger Direktor und ursprünglicher Entdecker von Howells Lake, erklärte, dass auf dem Projekt neben Antimon auch Gold, Zink und Kupfer beobachtet worden seien. Besonders die Kombination aus Antimon nahe der Oberfläche und möglichem Gold in tieferen Bereichen sei aus geologischer Sicht interessant.
Critical One kontrolliert inzwischen rund 25.000 Hektar über eine Streichlänge von etwa 30 Kilometern. Neue geochemische Daten und geophysikalische Messungen hätten zusätzliche Zielgebiete für Antimon und Gold aufgezeigt. Damit geht es nicht nur um einen einzelnen Treffer, sondern um die Frage, ob Howells Lake Teil eines deutlich größeren Systems sein könnte.
Wichtig ist nun, ob die noch ausstehenden Laborergebnisse die sichtbaren Stibnit-Funde in weiteren Bohrlöchern bestätigen. Das Management berichtete, dass alle acht bislang gebohrten Löcher sichtbare Stibnit-Mineralisierung enthalten hätten. Gleichzeitig bleibt das Projekt in einer frühen Phase: Für eine belastbare wirtschaftliche Bewertung braucht es weitere Bohrungen, metallurgische Tests und eine moderne Ressourcenschätzung.
Ein zusätzlicher Baustein ist das Explorationsabkommen mit der Eabametoong First Nation. Chief Solomon Atlookan erklärte, die Gemeinde werde in Umweltmaßnahmen und die Planung der Arbeiten eingebunden. Das schafft für die nächsten Explorationsschritte einen wichtigen organisatorischen Rahmen.
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