Mai 2026
Die staatlich geförderte private Altersvorsorge wird reformiert. Sparer können künftig über ETFs auch auf den Erfolg der Aktienmärkte setzen. Ist der Schritt zu schwankenden Anlageklassen richtig?
Die Bundesregierung hat beschlossen, die Riester-Rente zu reformieren. Dass dies nötig ist, war unter Fachleuten unumstritten. Seit 2017 ist die Zahl der Verträge von über 16 Millionen auf unter 15 Millionen im Jahr 2024 gesunken. Und diese Zahl verrät nicht mal, wie viele davon schon gar nicht mehr aktiv bespart werden. Schätzungen gehen von drei bis fünf Millionen stillgelegten Produkten aus, die nur weiterlaufen, um die Förderung nicht zurückzahlen zu müssen. Die schwindende Begeisterung lag nicht zuletzt am Konstruktionsfehler des Riester-Systems. Die in den Verträgen eingezahlte Geldsumme war garantiert. Das klingt super, hat aber entscheidende Nachteile. Es wurden überwiegend Versicherungsverträge verkauft, die abzüglich der Kosten nur in sehr bescheidenem Umfang rentabel waren, insbesondere wenn man die staatliche Förderung herausrechnet. Selbst wenn, was auch bei Riester grundsätzlich möglich war, Fonds als Basis genutzt wurden, war die Chance auf reale Rendite gering. Denn die Anbieter mussten auch hier die Auszahlung der nominalen Einzahlungen garantieren und haben deshalb immer nur einen Teil chancenreich investiert. Oder anders formuliert: Ein 100-prozentiges Sicherheitsversprechen kann ziemlich teuer sein und unter dem Strich dazu führen, dass das eigentliche Ziel verpasst wird.
Renditechancen nutzen Deswegen ist die Grundidee des Altersvorsorgedepots richtig, in das ab 2027 voraussichtlich auch die meisten Selbständigen investieren können. Es soll möglich sein, Sparpläne auf breit gestreute ETFs einzusetzen und trotzdem die Förderung zu erhalten. Dafür müssen Sparer allerdings das Schwankungsrisiko tragen. Warum ist das eine gute Nachricht? Gerade beim Thema Altersvorsorge, die im Idealfall über Jahrzehnte gedacht wird, sind vorübergehende Börsenhochs und -tiefs relativ unwichtig für die Gesamtrendite. Wer die Entwicklung über so lange Zeiträume analysiert, wird kaum einen rentableren Bereich finden als die globalen Aktienmärkte. So lag zum Beispiel die durchschnittliche Rendite des global breit aufgestellten MSCI World in Euro zwischen 1975 und 2024 im Schnitt bei über acht Prozent pro Jahr. Trotz aller Krisen, Börsencrashs und Co konnten Anleger damit locker die Inflation ausgleichen. Also nicht nur das Ersparte vergrößerte sich, sondern auch die Menge an Waren und Dienstleistungen, die sich Sparer dafür im Rentenalter kaufen können. Genau das sollte das eigentliche Ziel einer gut angelegten privaten Altersvorsorge sein.
Genau hinsehen Die Riester-Reform löst aber nicht alle Probleme. Eine jährlich geförderte Sparsumme von maximal 1800 Euro wird allein nicht für einen angenehmen Ruhestand reichen. Geringverdienern, Eltern kleiner Kinder und generell Sparenden mit noch einigen Jahren Abstand zum Ruhestand können die staatlichen Förderungen jedoch helfen. Auch die hier greifende nachgelagerte Besteuerung kann die Zinseszinseffekte verstärken und sogar ein Überzahlen attraktiv machen. Dabei kommt es aber auf die individuelle Gesamtsituation im Ruhestand an. Was generell bedacht werden sollte: Ohne die staatlichen Leistungen zurückerstatten zu müssen, ist eine Auszahlung grundsätzlich erst zwischen dem 65. und 70. Geburtstag vorgesehen. Nur ein Teil kann dann sofort abgerufen werden, und das Ersparte ist auch nicht einfach so vererbbar. Gedacht ist es hauptsächlich für eine lebenslange Auszahlung oder eine gestraffte bis zum 85. Geburtstag. Auch beim Riester-Nachfolgemodell wird es wieder die Möglichkeit geben, auf Garantieprodukte zu setzen. Bevor aber über Jahrzehnte in so etwas investiert wird, sollten Anleger gut überlegen und sich die Bedingungen lieber zweimal durchlesen. Wie wertvoll ist zum Beispiel ein Sicherheitsversprechen von 80 oder 100 Prozent auf das nominal Eingezahlte in 30 Jahren? Um das zu garantieren, verlangen die Anbieter nicht nur Gebühren, sondern setzen auf weniger schwankungsanfällige Anlageformen, die geringere Renditechancen haben. Bei einer durchschnittlichen Inflation von zwei Prozent können für 1000 Euro in 30 Jahren jedoch nur noch Waren und Dienstleistungen im heutigen Wert von rund 550 Euro gekauft werden. Letztlich muss sich da jede und jeder die Frage stellen, auf wie viele Renditechancen man für so eine Form von Sicherheit verzichtet.
Auf viele Säulen bauen Wer sich langfristig ein real wertvolles Polster für den Ruhestand aufbauen will, sollte mit Sinn und Verstand Risiken eingehen und Chancen nutzen. Es ist dabei eigentlich immer sinnvoll, auf verschiedene Säulen zu bauen und neben chancenreichen Aktien auch weniger schwankungsanfällige festverzinsliche Anlageformen oder eine Edelmetallreserve als Basis zu nutzen. Auch die gesetzliche Rente, eine betriebliche Altersvorsorge, die klassische Immobilie und in manchen Fällen eine private Rentenversicherung können sinnvolle Bausteine sein. Das eine tun, heißt nicht das andere zu lassen! Aber vor lauter Sicherheitsbedenken auf reale Rendite zu verzichten, ist sehr wahrscheinlich für niemanden ein guter Plan, unabhängig von staatlichen Förderungen. Daran ändert auch die Riester-Reform nichts. Und weiterhin gilt: Je früher sich Sparende um die Ruhestands-planung kümmern, desto einfacher ist es, die richtigen Weichen zu stellen.
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