Wochenrückblick KW 43-2026 - Fallende Renditen, wachsende Zweifel!

Jörg Schulte JS Research  | 
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Brent steigt auf über 116 USD, Gold fällt unter 4.000 USD. Zugleich suchen Anleger Schutz in US-Anleihen. Warum die widersprüchlichen Signale vor Fed, EZB und den nächsten Tech-Zahlen zählen.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

fallende US-Anleiherenditen konnten die Zweifel an teuren KI-Aktien nicht vertreiben. Zugleich verschärfte der Ölpreisanstieg die Sorge um Inflation und Unternehmensgewinne. Sinkende Staatsanleiherenditen helfen wenig, wenn das Vertrauen in künftige Erträge schwindet. Genau darin liegt die Spannung dieser Börsenwoche.

Bemerkenswert ist, wohin das Geld floss: US-Staatsanleihen waren gesucht, während Golddeutlich verlor und Frankreich höhere Risikoprämien zahlen musste. Sicherheit hat an den Märkten unterschiedliche Gesichter. Für Sie zählt deshalb, welche Risiken ein Vermögenswert tatsächlich abfedert. 2,3,5 6

Die Wochenbilanz verdeckt die Turbulenzen!

Vom Schlusskurs am 16. bis zum 23. Oktober verlor der S&P 500 0,5 % auf 7.623,68 Punkte, die Nasdaq Composite 0,7 % auf 25.955,34 Punkte. Dagegen gewannen Dow Jones 0,4 % und Russell 2000 2,0 %. Europas STOXX 600 gab rund 1,4 % nach. Ein pauschaler Ausverkauf aller Aktien lässt sich daraus also nicht ableiten.

Quelle: Associated Press, Wochenbilanz vom 23.10.2026; Eigene Darstellung vorgesehen.

Härter traf es die Halbleiter: Der iShares Semiconductor ETF (SOXX) verlor auf Schlusskursbasis 3,1 % in der Woche und 15,9 % seit Ende September. Allein am Donnerstag betrug das Minus 6,8 %. Bei KI-Unternehmen rückt damit die Frage in den Vordergrund, ob neue Rechenzentren genügend verdienen, um ihre Finanzierung zu tragen.1,2

Öl verteuert Wachstum!

Der Brent-Dezemberfuture schloss am Freitag bei 116,72 USD je Barrel, rund 6,2 % über der Vorwoche. Angriffe auf saudische Energieanlagen und die Sorge vor einer erneuten Eskalation mit Iran erhöhten das Risiko von Lieferstörungen. Teureres Öl belastet Konsum und Gewinnmargen zugleich. Auch für Minen können Treibstoff und Transporte teurer werden.

US-Erdgas verlor dagegen auf Basis des November-Futures rund 15 % in der Woche. Milde Wetterprognosen dämpften den erwarteten Heizbedarf. Der Gegensatz zeigt, warum eine pauschale Wette auf steigende Energiepreise zu kurz greift: Angebot, Nachfrage und Transportmöglichkeiten unterscheiden sich je nach Markt. 3,4

Vertrauen entscheidet auch bei Staatsanleihen!

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen lag am Freitag bei rund 4,99 %, nach mehr als 5,3 % Anfang Oktober. Die Nachfrage nach Sicherheit stützte die Kurse dieser Papiere. Das bedeutet jedoch keine Entwarnung für die Inflation: Am Freitag zogen die Renditen mit dem Ölpreis bereits wieder etwas an.

Frankreichs Zehnjahresrendite lag trotz eines Rückgangs am Freitag bei etwa 5,04 %. Haushaltsrisiken und politische Unruhe belasteten das Vertrauen. Moody’s beließ das Rating bei Aa3, den Ausblick aber negativ. Der Renditevergleich mit den USA ist wegen der unterschiedlichen Währungen kein unmittelbares Bonitätsurteil. Auch Staatsanleihen verlangen eine bewusste Auswahl.5

Gold spürt den Gegenwind der Zinserwartungen!

Gold kostete am Freitag um 17:20 Uhr MESZ am Spotmarkt 3.998,35 USD je Feinunze und lag zu diesem Zeitpunkt rund 4 % unter dem Stand der Vorwoche. Das Tagestief betrug 3.975,23 USD. Silber wurde in derselben Reuters-Meldung mit 53,97 USD je Feinunze ausgewiesen. Diese Handelsnotierungen sind keine einheitlichen Schlusskurse.

Inflation allein macht Gold nicht unattraktiv. Entscheidend ist auch, wie die Notenbanken reagieren: Die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen kann Gold belasten. Hinzu kam am Freitag ein festerer Dollar. Gold bleibt ein eigenständiger Vermögensbaustein, schützt aber nicht in jeder turbulenten Woche vor Verlusten.5,6

Nickel reagiert auf mögliche Produktionskürzungen!

Bei Nickel stützten angekündigte beziehungsweise erwogene Produktionskürzungen in Indonesien die Preise. Der offizielle LME-Kassapreis stieg laut Westmetall vom 16. bis 23. Oktober um 3,5 % auf 15.695 USD je Tonne. Ob daraus eine dauerhafte Erholung wird, hängt auch davon ab, wie viel Produktion tatsächlich entfällt.

Kupfer verlor auf derselben Preisbasis 1,2 % auf 14.415 USD je Tonne. Gleichzeitig stiegen die erfassten LME-Bestände von 225.425 auf 273.750 Tonnen. Langfristiger Bedarf und kurzfristige Verfügbarkeit können gegeneinander wirken. Stromnetze und Industrie brauchen weiterhin Metall, für Produzenten bleiben Kosten, Bilanz und Umsetzung ihrer Projekte entscheidend.7

Quelle: Westmetall, LME Copper und LME Nickel Cash-Settlement; Eigene Berechnung und Darstellung vorgesehen.

Ausblick und Fazit: Fed und EZB müssen ihren Ausblick erklären!

Die Fed entscheidet am Mittwoch, 28. Oktober, die EZB am Donnerstag, 29. Oktober. Erwartet werden unveränderte Leitzinsen. Wichtiger könnten die Aussagen zum weiteren Kurs werden: Wie lange lässt sich abwarten, wenn Öl neue Preisimpulse setzt? Eine Pause im Oktober schließt spätere Erhöhungen nicht aus.8

Gewinne müssen höhere Kosten tragen!

Auf Unternehmensseite berichten Boeing und Coca-Cola am 27. Oktober. Microsoft und Alphabet folgen am 28. Oktober, ebenso Airbus und Unilever. Amazon, Air Liquide, Linde und Eli Lilly stehen am 29. Oktober an, Sanofi am 30. Oktober. Bei den KI-Schwergewichten zählen besonders Investitionsbedarf und der nach diesen Ausgaben verbleibende Mittelzufluss.9

Die erwarteten Zinspausen allein dürften kaum neue Begeisterung entfachen. Überzeugende Ausblicke, finanzierbare Investitionen oder eine Entspannung am Ölmarkt könnten mehr bewirken. Für Rohstoffanleger bleiben dennoch gute Unternehmen interessant, die im jüngsten Marktumfeld stark korrigiert haben. Weitere Informationen diesbezüglich finden Sie in unserem folgenden Wochenrückblick.

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Viele Grüße

Ihr

Jörg Schulte

Quellen: AP, Reuters, WSJ, FT, Fed, EZB, iShares, Stock Analysis, Saxo Bank, Trading Economics, Westmetall, Investing.com, The Edge, Mining.com.au/Republic of Mining, MarketScreener und die Unternehmenstermine. Abruf: 24.10.2026. Grafikquellen: AP und Westmetall; eigene Berechnung und Darstellung vorgesehen.

Quellennachweise zur Arbeitsfassung

1. Aktienindizes und Wochenbilanz am 23. Oktober: AP · US-Indizes · AP via The Hour · vollständige Kurstabelle · Reuters · Europa

2. SOXX und KI-Finanzierung: iShares · ETF-Profil · Stock Analysis · historische Kurse · Saxo Bank · Markteinordnung vom 23.10.

3. Brent, Wochenveränderung und Lieferängste: Reuters · 23.10. · WSJ · Schlusskurs und Wochenbilanz · The Edge · Dezemberkontrakt

4. US-Erdgas, Novemberkontrakt und Wettererwartungen: Investing.com · Kursreihe, 16.–23.10. · WSJ · Settlement und Marktlage, 23.10.

5. US- und französische Staatsanleihen: AP · US-Rendite, 23.10. · Reuters · französische Risikoprämie, 22.10. · Trading Economics · Frankreich, 23.10. · FT · Moody’s-Entscheidung

6. Gold, Silber und US-Dollar: Reuters via Kitco · 23.10., Goldstand 15:20 UTC · WSJ · Dollar am Freitag

7. Nickel, Kupfer und erfasste LME-Bestände: Westmetall · Nickel · Westmetall · Kupfer · Mining.com.au via Republic of Mining · Kürzungspläne

8. Zinsentscheidungen und Markterwartungen: Fed · Sitzungskalender · EZB · Sitzungskalender · Zinserwartungen · Reuters und AP, siehe [1], [5], [6]

9. Unternehmenstermine vom 27. bis 30. Oktober: Boeing · 27.10. · Coca-Cola · 27.10. · Microsoft · 28.10. · Alphabet · 28.10. · Airbus · 28.10. · Unilever · 28.10. · Amazon · 29.10. · Air Liquide · 29.10. · Linde · 29.10. · Eli Lilly · 29.10. · Sanofi · 30.10.

10. Ausgangsmaterial und abweichende Bezugsgrößen: MarketScreener · Wochenrückblick vom 23.10.

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Gemäß §34 WpHG weise ich darauf hin, dass Jörg Schulte, JS Research GmbH oder Mitarbeiter des Unternehmens jederzeit eigene Geschäfte in den Aktien der vorgestellten Unternehmen erwerben oder veräußern (z.B. Long- oder Shortpositionen) können. Das gilt ebenso für Optionen und Derivate, die auf diesen Wertpapieren basieren. Die daraus eventuell resultierenden Transaktionen können unter Umständen den jeweiligen Aktienkurs des Unternehmens beeinflussen. Die auf den „Webseiten“, dem Newsletter oder den Research-Berichten veröffentlichten Informationen, Empfehlungen, Interviews und Unternehmenspräsentationen werden von den jeweiligen Unternehmen oder Dritten (sogenannte „third parties“) bezahlt. Zu den „third parties“ zählen z.B. Investor Relations- und Public Relations-Unternehmen, Broker oder Investoren. JS Research GmbH oder dessen Mitarbeiter können teilweise direkt oder indirekt für die Vorbereitung, elektronische Verbreitung und andere Dienstleistungen von den besprochenen Unternehmen oder sogenannten „third parties“ mit einer Aufwandsentschädigung entlohnt werden. Auch wenn wir jeden Bericht nach bestem Wissen und Gewissen erstellen, raten wir Ihnen bezüglich Ihrer Anlageentscheidungen noch weitere externe Quellen, wie z.B. Ihre Hausbank oder einen Berater Ihres Vertrauens, hinzuzuziehen. Deshalb ist auch die Haftung für Vermögensschäden, die aus der Heranziehung der hier behandelten Ausführungen für die eigenen Anlageentscheidungen möglicherweise resultieren können, kategorisch ausgeschlossen. Die Depotanteile einzelner Aktien sollten gerade bei Rohstoff- und Explorationsaktien und bei gering kapitalisierten Werten nur so viel betragen, dass auch bei einem Totalverlust das Gesamtdepot nur marginal an Wert verlieren kann. Besonders Aktien mit geringer Marktkapitalisierung (sogenannte "Small Caps") und speziell Explorationswerte sowie generell alle börsennotierten Wertpapiere sind zum Teil erheblichen Schwankungen unterworfen. Die Liquidität in den Wertpapieren kann entsprechend gering sein. Bei Investments im Rohstoffsektor (Explorationsunternehmen, Rohstoffproduzenten, Unternehmen die Rohstoffprojekte entwickeln) sind unbedingt zusätzliche Risiken zu beachten. Nachfolgend einige Beispiele für gesonderte Risiken im Rohstoffsektor: Länderrisiken, Währungsschwankungen, Naturkatastrophen und Unwetter (z.B. Überschwemmungen, Stürme), Veränderungen der rechtlichen Situation (z.B. Ex- und Importverbote, Strafzölle, Verbot von Rohstoffförderung bzw. Rohstoffexploration, Verstaatlichung von Projekten), umweltrechtliche Auflagen (z.B. höhere Kosten für Umweltschutz, Benennung neuer Umweltschutzgebiete, Verbot von diversen Abbaumethoden), Schwankungen der Rohstoffpreise und erhebliche Explorationsrisiken.

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