7. Juli 2025. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Zollpolitik ist wieder Thema Nummer eins. Am Mittwoch endet die neunzigtätige Frist, die US-Präsident Trump für Verhandlungen zur Verhinderung der „reziproken“ Zölle gesetzt hatte. Er hat bereits angekündigt, dass in den Tagen zuvor verschiedene Länder über die geplanten Zollanhebungen informiert würden.
„Die Märkte scheinen sich vom Worst-Case-Szenario verabschiedet zu haben und davon auszugehen, dass die Wirtschaft die Trump'sche Zollpolitik letztlich ohne Krise wegstecken wird“, erklärt Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner mit Blick auf die bisherige Kursentwicklung. Er hält das für eventuell zu optimistisch. Schließlich kämen „die richtig harten Brocken“ bei den Verhandlungen noch, und Trump könnte wieder zum „Zollhammer“ greifen. „Politisch könnte er auch ein Interesse daran haben, den Zollkonflikt wieder hochzukochen, um von möglichen Misserfolgen in anderen Politikbereichen abzulenken.“
Am Montagmorgen steht der DAX bei 23.750 Punkten. Am Freitag war der Index mit 23.787 Zählern aus dem Handel gegangen, der Stoxx Europe 600 mit 541 Punkten. Die US-Börsen waren am Freitag wegen Independence Day geschlossen.
„Größere Kursverluste für Zukäufe nutzen“
Auch laut Robert Halver von der Baader Bank zeigen sich die Börsen bislang eher sorglos, grundsätzlich sei die „Handels-Kuh“ aber noch nicht vom Eis. „Selbst wenn die Welt nicht zur Globalisierungs-Diaspora wird, am Ende wird das Zollniveau auf US-Importe mindestens dreimal so hoch ausfallen wie vor Trumps Amtsantritt“, stellt er fest. Kursrücksetzer seien möglich. „Dennoch werden Anleger an ihrer Einschätzung festhalten, dass Trumps Zölle keine großen Wunden schlagen. Größere Kursverluste sollten daher für Zukäufe genutzt werden.“
„Aussichten für deutsche Aktien positiv“
Laut Ulrich Kater von der DekaBank haben sich deutsche Aktien mit fast 20 Prozent Wertzuwachs im ersten Halbjahr „hervorragend“ entwickelt – erst recht mit Blick auf die zahlreichen geopolitischen Turbulenzen und den Handelskonflikt mit den USA. Allerdings habe es in den vergangenen anderthalb Monaten „nur“ eine Seitwärtsbewegung gegeben, während US-Aktien – zumindest in US-Dollar – weitere Kursgewinne verzeichnet hätten. Er verweist auf die ab Mitte/Ende Juli anstehende Berichtssaison für das zweite Quartal. „Mittel- und längerfristig bleiben die Aussichten für deutsche Aktien positiv, so dass Anleger in Schwächephasen konsequent zukaufen sollten.
Charttechnik: „Nicht in Sicherheit wiegen“
Laut Charttechniker Christoph Geyer hat der DAX die Unterstützungszone erfolgreich getestet, das alte Rekordhoch aber nicht wieder erreicht. Vielmehr trete er inzwischen auf der Stelle. „Auch wenn dies über der Unterstützungszone erfolgt, darf man sich nicht in Sicherheit wiegen“, bemerkt er. Die anstehende saisonale Phase sei nicht besonders vielversprechend, das aktuelle Auf-der-Stelle-Treten ein Zeichen für Abwarten statt Investieren. Geyer hält vor dem Hintergrund der anstehenden Saisonalität ein solches Abwarten für wenig erfolgsversprechend und rät zum Stockpicking und Auflösen einzelner Risikopositionen.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Montag, 7. Juli
8.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion Mai.
Dienstag, 8. Juli
8.00 Uhr. Deutschland: Exporte Mai. Die Helaba erwartet ein Minus von 1,5 Prozent gegenüber dem April.
Mittwoch, 9. Juli
„Zoll-Deadline“. Frist für Verhandlungen der USA mit anderen Ländern über „reziproke“ Zölle endet.
20.00 Uhr. USA: Protokoll der US-Notenbanksitzung vom 17./18. Juni.
von: Anna-Maria Borse, 7. Juli 2025, © Deutsche Börse AG
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