Angesichts der aktuellen Lage ist das fast schon erstaunlich. Wir befinden uns inmitten eines militärischen Konflikts im Nahen Osten, die Ölpreise sind empfindlich in die Höhe geschossen, die Zapfsäulenpreise schmerzen, geopolitische Risiken eskalieren und gleichzeitig geraten Technologie- und Softwarewerte unter Druck. Und dennoch verhalten sich die Aktienmärkte mit Blick auf die Belastungen durch die Energiepreise erstaunlich robust.

Der Aktienmarkt verhält sich, abgesehen von ersten Schreckmomenten, oftmals, ich nenne es einmal so: notorisch „gegenintuitiv“. Der Aktienmarkt schaut nach vorn, in der Regel sechs bis neun Monate, und nicht zurück. Kurzfristig sind Bewegungen oft schwer zu erklären – manchmal wirken die Kurse wie beschichtet mit Teflon, nichts scheint an ihnen zu haften.
Ein möglicher Grund: Investorinnen und Investoren versuchen, Überreaktionen zu vermeiden, und rechnen damit, dass sich der Konflikt schneller beruhigen könnte, als aktuelle Schlagzeilen vermuten lassen. Bezogen auf die aktuell hohen Rohöl- und Gaspreise bedeutet das: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Straße von Hormus auch in drei bis sechs Monaten noch nicht wieder passiert werden kann? Zudem haben Investorinnen und Investoren in den vergangenen Jahren gelernt, viele geopolitische Ereignisse zu ignorieren, sofern sie keine nachhaltigen Auswirkungen auf Unternehmensgewinne haben. Diese „Desensibilisierung“ mag rational erscheinen, aber: Wer oft genug erlebt hat, dass Panik nicht belohnt wird, verhält sich irgendwann entsprechend. Und das ist auch gut so!
Doch diese Robustheit hat eine Kehrseite: Wenn Märkte zu lange zu gelassen bleiben, wächst die Gefahr eines sogenannten Minsky-Moments – der Moment, in dem aus Sorglosigkeit plötzlich kollektive Panik wird. Dieser Moment und ob er überhaupt eintritt, ist nicht vorhersagbar. Nur so viel ist festzustellen: Je länger die Straße von Hormus nicht befahrbar ist, desto höher wird das Risiko für einen Minsky-Moment.
Natürlich kann man stundenlang darüber diskutieren, was die Märkte in den kommenden Wochen zum Steigen oder Fallen bringt. Doch der kurzfristige Blick hilft selten bei langfristigen Anlageentscheidungen. Eine Korrektur wird kommen – wie immer eigentlich jedes Jahr. Der Auslöser wird im Rückblick weniger bedeutend sein, als es heute erscheinen mag. Und auch diese Korrektur wird vorbeigehen. So funktioniert der Aktienmarkt.
Trotz aller Unsicherheiten gibt es einige konstruktive Punkte:
Kurz gesagt: 2026 könnte trotz holprigem Start ein ordentliches Aktienjahr werden – vielleicht kein Höhenflug wie in früheren Boomphasen, aber solide Renditen sind gut möglich, sofern geopolitische Krisen nicht weiter eskalieren.
Der Markt wird auch in diesem Jahr wieder tun, was er immer tut: übertreiben, korrigieren, sich erholen – und langfristig weiter zulegen.
Christian Stocker, Leitender Aktienstratege, UniCredit Bank GmbH
Christian Stockers Aktienmarkteinschätzungen gibt es regelmäßig auch online:
>> onemarkets.de/stockers-boersencheck
Bitte beachten Sie die wichtigen Hinweise und den Haftungsausschluss.
Diese Informationen stellen keine Anlageberatung, sondern eine Werbung dar. Das öffentliche Angebot erfolgt ausschließlich auf Grundlage eines Wertpapierprospekts, der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ("BaFin") gebilligt wurde. Die Billigung des Prospekts ist nicht als Empfehlung zu verstehen, diese Wertpapiere der UniCredit Bank GmbH zu erwerben. Allein maßgeblich sind der Prospekt einschließlich etwaiger Nachträge und die Endgültigen Bedingungen. Es wird empfohlen, diese Dokumente vor jeder Anlageentscheidung aufmerksam zu lesen, um die potenziellen Risiken und Chancen bei der Entscheidung für eine Anlage vollends zu verstehen. Sie sind im Begriff, ein Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann.
Funktionsweisen der Produkte: https://blog.onemarkets.de/funktionsweisen
Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link „Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.