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„Kurzfristig hui, langfristig bedenklich – Nachdenken über den Taco Trade“

Das Grönland‑Drama scheint den „Taco Trade“ zu bestätigen: Der US‑Präsident ist zurückgerudert, nachdem ihm die Märkte die gelbe Karte gezeigt haben. Die Vorzüge antizyklischen Investierens sind das Eine. Das Andere sind aber die tektonischen Verschiebungen, die die US‑Administration mit ihrer Politik auslöst, warnt Ali Masarwah, Fondsanalyst und Geschäftsführer des Beratungshauses Envestor.
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26. Januar 2026. FRANKFURT (envestor). Es hätte nicht einer gewissen Ironie entbehrt, wenn Donald Trump ausgerechnet in Davos die NATO in die Luft gesprengt hätte. Das Weltwirtschaftsforum (WEF) bringt die globale Elite aus Wirtschaft und Politik zum Gedankenaustausch zusammen. Es wäre die perfekte Kulisse gewesen, um den von MAGA verhassten „Davos Man“ in die Gletscherspalte zu stürzen. Der Polterer aus Queens hat eine besondere Freude daran, liberale, transnational agierende Entscheidungsträger, vor allem europäische Politiker, vor den Kopf zu stoßen.

Nun, es ist nicht zum Worst Case gekommen. In der entscheidenden Rede auf dem WEF hat Trump seine Drohung, Grönland unter Einsatz militärischer Gewalt den USA einzuverleiben, zurückgezogen. Anschließend nahm er Abstand davon, die Unterstützer Dänemarks mit Zöllen zu bestrafen. NATO‑Chef Mark Rutte darf sich auf die Fahnen schreiben, dass die USA von ihren Annexionsplänen vorerst Abstand nehmen. Viel Lärm um nichts also? Nicht ganz.

Auf den ersten Blick war das Grönland‑Drama ein typisches Beispiel des „Taco Trades“: Der US‑Präsident schreckt zurück, wenn seine Politik droht, den Märkten Schaden zuzufügen (Taco steht für „Trump always chickens out“, Copyright hat der FT‑Journalist Rob Armstrong). Folgerichtig kaufen Anleger, wenn die Kurse nach einem Ausfall des „Enfant terrible“ in die Knie gehen – weil Trump ja zurückrudern wird. „Taco“ im Blick zu behalten, ist noch wichtiger, weil Anlegende dann nicht durch Überreaktionen den Taco Trade erst ermöglichen - und Ihr Depot zum Kanonenfutter von gewieften Tradern machen.

Die Taco‑These greift dennoch zu kurz, weil sie nicht das Ausmaß der veränderten Rahmenbedingungen für Anlegende erfasst. In nur zwölf Monaten Trump‑II‑Regierung ist etwas Wichtiges zerbrochen: der transnationale Konsens zwischen den USA und Europa, ja auch die Prinzipien einer regelbasierten Ordnung für die Weltwirtschaft. Bestenfalls sehen wir die Rückkehr des Merkantilismus, schlimmstenfalls ein Comeback der Kanonenboot‑Diplomatie aus der Zeit vor 1914. Trump dreht stetig an der Eskalationsspirale: Ging es im April 2025 „nur“ um Zölle, schickte sich Trump vor Davos 2026 an, einen Alliierten militärisch anzugreifen.

Analysten der Deutschen Bank sprechen von der Möglichkeit, dass europäische Anleger in großem Stil amerikanische Staatsanleihen verkaufen könnten. Bei PIMCO ist man schon so weit: Der größte Anleihen‑Manager der Welt und ein US‑Vermögensverwalter reinsten Wassers ist dabei, das Länderrisiko USA in seinen Portfolios zu reduzieren. (Das setzen wir bei Envestor in unseren Beratungsmandaten bereits seit 2024 um und fühlen uns mit dieser Linie immer wohler!)

Anlegende sollten nicht auf Trumps Ausfälle hektisch reagieren. Sie sollten dennoch beachten, dass die dreist‑plumpe Machtprojektion der USA dazu führt, dass Anleger das Länderrisiko USA reduzieren. Das funktioniert am besten bei Anleihen bzw. beim US‑Dollar. Dass ein fallender Dollar einen Rieseneinfluss auf die Rendite haben kann, haben Investorinnen und Investoren außerhalb Amerikas 2025 schmerzlich erfahren müssen. Unter der Taco‑Oberfläche finden also entscheidende tektonische Verschiebungen an den Märkten statt.

 Von Ali Masarwah, 26. Januar 2026, © envestor.de

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