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"Die Märkte und die Trump-Revolution – oder: Wer A sagt, muss auch B erwägen"

Sollten Anlegerinnen und Anleger, die langfristig orientiert sind, die derzeitigen Marktturbulenzen aussitzen? Ali Masarwah erinnert daran, dass man zwar Inaktivität nicht mit Strategie verwechseln sollte, aber auch nicht Taktik mit Hektik.
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19. Mai 2025. FRANKFURT (envestor): „Wer A sagt, muss auch B sagen“ ist ein sehr deutsches Sprichwort, von dem ich kein Fan bin, das ich aber mit Blick auf die aktuelle Marktlage für nützlich halte. Es geht hier – natürlich – wieder einmal um den US-Präsidenten und seinen Einfluss auf die Märkte. Anleger neigen dazu, dem täglichen Getöse an der Börse zu viel Einfluss auf ihre Entscheidungen einzuräumen. Getöse gibt es wegen des täglichen Trump-Chaos aktuell sehr viel. Jeden Tag werden in Washington in atemberaubendem Tempo Entscheidungen getroffen, geändert, verworfen. Investoren, die nach dem sogenannten Liberation Day am 2. April investiert haben, lagen mutmaßlich besser als diejenigen, die am 3. April ihr Portfolio umgeschichtet haben. In etlichen Punkten ist die Trump-Administration bei den Strafzöllen zurückgerudert. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Weisheit etabliert: Wer sich bewegt, verliert! Strategie schlägt also Taktik. Ist es auch dieses Mal so?

 

Ich meine, nein. Allerdings darf man Taktik nicht mit Hektik und Strategie nicht mit Inaktivität verwechseln. Nach gut 100 Trump-Tagen muss ich festhalten: MAGA-Amerika stellt einen Wendepunkt dar – nicht nur in den internationalen Beziehungen, sondern auch für die Kapitalmärkte. Die Verschiebungen sind real und von tektonischer Natur. Die Trump-Disruption der internationalen Beziehungen erfordert eine Neubewertung globaler Märkte. Die Zeit des US-Exzeptionalismus geht dem Ende entgegen, sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen und auch mit Blick auf die bisherige globale Leitwährung, den US-Dollar. Wenn wir aber anerkennen, dass US-Assets nicht länger das Maß aller Dinge sind (hier kommt das „A“ ins Spiel), dann müssen wir auch die Konsequenzen zumindest als plausible Investmentthese ins Blickfeld nehmen (wir sind beim „B“ angekommen).

Wir sollten uns aufgefordert fühlen, die Märkte mit anderen Augen zu sehen. Allerdings gilt das nicht erst seit heute. Auch tektonische Verschiebungen bahnen sich langsam an. Unsere langjährige Kritik an US-zentrierten Aktienportfolios (Stichwort: MSCI-World-ETFs) hat sich als richtig herausgestellt. Wir sind seit zwei Jahren in unseren Beratungsmandaten systematisch untergewichtet in den USA. Europa und auch China werden zwei neue Zentren in einer zunehmend multipolaren Welt sein, und daraus sollte sich ein stärkeres Gewicht dieser beiden Regionen bzw. Länder in globalen Aktienportfolios ergeben. Der Performance von Rentenportfolios hat es wiederum gutgetan, weniger in Staatsanleihen zu allokieren und stattdessen stärker Anleihen mit Risikoaufschlägen zu berücksichtigen – Unternehmensanleihen, High Yield, Loans und CAT-Bonds. Wer den US-Dollar als Risikofaktor identifiziert hat, wird auch bei Treasuries, die in globalen Rentenportfolios hoch gewichtet sind, Vorsicht walten lassen.

Von Ali Masarwah, 19. Mai 2025, © envestor.de

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