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"Datenspielerei vs. Datenquälerei, Prognosen vs. Schwurbelei"

Die Eine-Million-Euro-Frage – heute und immer: Wohin tendieren die Märkte? Viele ETF-Fans investieren prognosefrei. Doch die Meisten lassen sich von datengestützten Szenarien leiten. Warum das nicht in Datenquälerei ausarten darf, erklärt Ali Masarwah, Fondsanalyst und Geschäftsführer des Finanzdienstleisters envestor.
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25. August 2025. FRANKFURT (envestor): Vor wenigen Tagen flatterte eine DWS-Analyse auf meinen Tisch: Anleger bekommen heute für eine Unze Gold so viele Barrel Rohöl wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die These hinter dem errechneten Gold/Öl-Verhältnis: Der fallende Ölpreis signalisiert eine schwächelnde Weltkonjunktur; der von Hoch zu Hoch eilende Goldpreis wiederum lässt auf die steigende Nervosität der Anlegerinnen und Anleger schließen, die mutmaßlich mit volatilen Märkten rechnen. Stehen also eine Konjunkturkrise und eine Korrektur bei Risikoanlagen bevor? 

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Das ist möglich. Aber vielleicht auch nicht. Es könnte sein, dass ausgerechnet diese beiden Datenpunkte die komplexe Realität an den Märkten von morgen einfangen und heute aussagen, was morgen passieren wird. Es könnte aber auch sein, dass ganz andere Faktoren die Richtung der Märkte bestimmen werden. Etwa könnte eine erkennbare Lockerung der Geldpolitik der USA die Hausse an den Märkten befeuern. Ja, es könnte sogar sein, dass das Gold/Öl-Verhältnis darauf beruht, dass die Goldkäufe vieler Notenbanken den Preis des Edelmetalls nach oben getrieben haben. Dann wäre die Verknüpfung der beiden Datenpunkte Ölpreis und Goldpreis irrelevant. Sind Datenanalysen wie die oben genannte also eine pure Spielerei? Ja und nein.

Dass die Auslöser für Marktbewegungen oft vollkommen zufällig sind – Stichwort Schmetterlingsflügelschlag der Chaos-Theorie – bedeutet nicht, dass es keine fundamentalen Treiber für die mittelfristige Richtung der Märkte gibt. Vor diesem Hintergrund sind die Zahlenspiele der Analysten bei der DWS nicht nur harmlos, sondern auch legitim, ja: nötig. Denn Thesen aufzustellen ist nicht bloß eine intellektuelle Fingerübung, sondern die Voraussetzung dafür, Fakten abzuwägen, sich eine Meinung zu bilden und letztlich sein Portfolio so zusammenzuschrauben, dass es den Herausforderungen der Zeit gewachsen ist. Manche Thesen gehen auf, andere, auch die furchtbar schlauen, scheitern. Wer investiert, handelt unter unsicheren Bedingungen.

Doch nicht alles, was herbeizitiert wird, ist legitim. Denn Datenspielerei kann zu Datenquälerei metastasieren. Der DAX steht auf einem Allzeithoch? DER CRASH KOMMT! Datengestützte Szenarioanalysen dienen der Horizonterweiterung und der Wahrheitsfindung, Datenquälerei ist eindimensional, destruktiv und oftmals manipulativ. So berufen sich Verschwörungsschwurbler zunächst auf bekannte Fakten („Die Aktienmärkte sind so hoch bewertet wie lange nicht“), um dann ihre Verschwörungsagenda auszubreiten („Der DAX fällt in drei Monaten auf 8.000 Punkte!“). Fakten können also missbraucht werden. 

Andere Datenschinder wollen schlicht mit „Pump and Dump“-Methoden abzocken („Diese Aktie hat sich schon verdoppelt, sie wird sich in den nächsten drei Wochen noch einmal verachtfachen!“). Uns sollten bei allzu simplen und plakativen Botschaften tatsächlicher oder vermeintlicher Analysten die Warnleuchten angehen.

Leichtherzige Datenspielereien können amüsant, unterhaltsam, harmlos oder auch nützlich sein, um Hypothesen zu entwickeln und das Marktgeschehen aus einer anderen, bisher wenig beleuchteten Perspektive auszuloten. Datenquälerei hingegen ist agenda­getrieben und per se schädlich – sie ist eindimensional, fördert einseitige Sichtweisen und Betriebsblindheit und führt letztlich in die Sackgasse. Wer investiert, sollte gerade offen sein für die Argumente der Anderen. Wer kein Korrektiv der eigenen Meinung zulässt, wird in den meisten Fällen schlechte Renditen erzielen, schlimmstenfalls sogar üblen Schiffbruch erleiden.

Von Ali Masarwah, 25. August 2025, © envestor.de

Über den Autor
Ali Masarwah ist Fondsanalyst und Geschäftsführer von envestor.de, eine der wenigen Fondsplattform, die Cashbacks auf Fonds-Vertriebsgebühren zahlt. Masarwah analysiert seit über 20 Jahren Märkte, Fonds und ETFs, zuletzt als Analyst beim Research-Haus Morningstar. Seine Expertise wird auch von zahlreichen Finanzmedien im deutschsprachigen Raum geschätzt.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion vo

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