FRANKFURT/PARIS (dpa-AFX) - Der Risikoaufschlag französischer Staatsanleihen ist wegen der angespannten Haushaltslage und der jüngsten gewaltsamen Proteste gegen geplante Sparmaßnahmen auf den höchsten Stand seit 15 Jahren gestiegen. Am Mittwoch kletterte der sogenannte Spread, also die Renditedifferenz zwischen französischen Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen mit einer Laufzeit von jeweils zehn Jahren, auf rund 1,6 Prozentpunkte. So groß war der Unterschied zuletzt in den Jahren der Euro-Schuldenkriese. Die absolute Rendite für zehnjährige französische Anleihen stieg zuletzt bis auf knapp fünf Prozent und damit so hoch wie zuletzt im Jahr 2002.
Für dich zusammengefasst:
Risikoaufschlag französischer Anleihen erreicht 15-Jahreshoch.
Spread liegt bei rund 1,6 Prozentpunkten aktuell.
Absolute Rendite für zehnjährige Anleihen beträgt knapp fünf Prozent.
"Die Lage in Frankreich spitzt sich zu - haushaltspolitisch und gesellschaftlich", sagte Robert Greil, Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck. Seiner Einschätzung nach bergen die aktuellen Proteste nicht nur ökonomische Risiken, sondern verschärfen auch die ohnehin angespannte Haushaltslage. "Für die Finanzmärkte könnte Frankreich damit in den kommenden Monaten zunehmend zum Belastungsfaktor werden", warnte Greil.
Der Risikoaufschlag für französische Staatsanleihen ist seit Ende September tendenziell gestiegen - vor dem Hintergrund von Befürchtungen hinsichtlich der französischen Schuldenlast. Am Markt sind die Anleger besorgt, dass die Regierung in Paris nicht in der Lage sein wird, einen Haushalt zu verabschieden. Hinzu kommen die gewaltsamen Proteste in Frankreich am vergangenen Wochenende gegen die Sparpolitik.
"Die Haushaltsvorstellung und eine großvolumige Ausgabe französischer Staatsanleihen trafen auf ein bereits nervöses Marktumfeld", beschrieb John Petersen, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz die Marktstimmung. Er rechnet aber nicht mit einer Eurokrise wie in den Jahren 2011 und 2012 . Angesichts der verfügbaren geldpolitischen Instrumente der Europäischen Zentralbank sei eine neue Krise unwahrscheinlich.
Zudem steht am Freitag das Ergebnis einer Überprüfung des Länderratings Frankreichs durch die Agentur Moody's an. Am Markt gilt eine Herabstufung des Kreditratings als wahrscheinlich, was die Renditen weiter antreiben könnte./jkr/la/mis
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