MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Klimawandel könnte in vielen Ländern in den kommenden Jahren häufiger zu Stromausfällen führen. Darauf deuten nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts Ergebnisse einer Studie von EconPol Europe hin. Sie untersucht in fünf Ländern - Deutschland, Australien, Brasilien, China und Mexiko - Stromausfälle im Verbrauchernetz von 2013 bis 2023.
"Deutschland hat ein vergleichsweise zuverlässiges Stromnetz, aber Extremwetter und Hitzewellen werden auch hierzulande die Infrastruktur zunehmend unter Druck setzen", sagt Ifo-Forscherin Jacqueline Adelowo.
In Deutschland ist die Zahl ungeplanter Stromausfälle laut der Studie im Winter am niedrigsten und steigt zum Hochsommer deutlich. Im Dezember der Jahre 2013 bis 2023 fiel demnach der Strom durchschnittlich 3.616 Mal ungeplant aus. Im Juli sei die Zahl um 53 Prozent auf 5.546 Ereignisse gestiegen.
Stromausfälle in Deutschland im Ländervergleich seltener
"Extreme Hitze, Gewitter und stärkere Stürme im Sommer belasten das deutsche Stromsystem spürbar. Jedoch fällt im Vergleich zu Brasilien oder Mexiko in absoluten Zahlen der Strom in Deutschland deutlich seltener aus", sagt Ifo-Forscher Filippo Pavanello.
Im Durchschnitt dauerten ungeplante Stromausfälle in Deutschland 1,5 bis 2 Stunden. Nur in einem Prozent der Fälle sei der Strom länger als 18 Stunden ausgefallen. Damit stehe Deutschland im Vergleich gut da: in China dauerten viele Ausfälle mehr als 6 Stunden, in Extremfällen sei der Strom auch 73 Stunden lang nicht verfügbar.
Europäische Vernetzung macht Versorgung stabiler
Die fortschreitende Vernetzung der europäischen Stromnetze mache grundsätzlich die Versorgung in Deutschland stabiler, da Ressourcen in verschiedenen Ländern zur Verfügung stünden, um Ungleichgewichte auszubalancieren, schreiben die Forschenden.
Gleichzeitig steige das Risiko von Kettenausfällen, wenn sich Störungen schnell über Grenzen ausbreiteten. Deshalb seien neben dem Netzausbau koordinierte Steuerung, gemeinsame Betriebsregeln und Informationsaustausch nötig./sl/DP/jha
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