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EUR/USD: Iran-Krieg verschiebt Aufwärtstrend

Die Bundesregierung hat eine Spritpreisbremse beschlossen. Auch die österreichische Regierung schränkt den Spielraum für Preiserhöhungen an den Tankstellen ein. In Italien und Spanien wurden gar die Kraftstoffabgaben bzw Steuern gesenkt. Und in Slowenien kommt es bereits zu ersten Rationierungen von Kraftstoffen. Kurz gesagt: Die Auswirkungen der Ölangebotsausfälle im Zuge des Iran-Krieges werden spürbar und die Regierungen beginnen zu reagieren. Ich muss gestehen: Ich fühle mich an die Corona-Pandemie erinnert und die massiven staatlichen Hilfspakete, die damals beschlossen wurden, um die Auswirkungen zu begrenzen. Steht uns ähnliches wieder bevor?

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EUR/USD 1,153 $ EUR/USD (Euro / US-Dollar) Chart +0,01%
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Woran ich mich sehr gut erinnere ist, dass die damaligen beträchtlichen Finanzhilfen zu großen Sorgen hinsichtlich der Schuldentragfähigkeit vieler Länder geführt hatte. Und das vor allem unter den Schwellenländern. Zeitweise war sogar die Rede von einem Schulden-Moratorium, also einem Schuldenerlass für besonders angeschlagene Staaten. Emerging Market Währungen kamen damals, nicht zuletzt aus diesem Grund, besonders stark unter Druck.

Aktuell muss man aber zugestehen, dass sich die Währungen der gleichen Länder recht gut schlagen. Die untere Abbildung zeigt, dass der US-Dollar erst seit kurzem gegenüber Währungen von Schwellenländern stärker aufgewertet hat (handelsgewichtet) als gegenüber jenen von Industrienationen. Die Diskrepanz bleibt jedoch überschaubar.

Dies fügt sich in den Trend ein, den wir über das vergangene Jahr beobachten konnten: Dass sich die Emerging Market Währungen allgemein – trotz US-Handelskrieg – überaus gut schlagen konnten. Zum Teil war dies mit steigenden Realzinsen zu erklären. Der Hang zu einer restriktiveren Geldpolitik mag angesichts der aktuellen Inflationsrisiken attraktiv erscheinen.

Allerdings wäre ich vorsichtig: Sollte es zu zunehmenden staatlichen Eingriffen kommen, um die wirtschaftlichen Folgen einer Ölmangellage abzufangen, dann dürften Währungen mit erhöhten fiskalischen Risiken verstärkt abwerten, da hier hohe Zinsen nicht haltbar wären. Dazu zählt ein brasilianischer Real oder auch ein südafrikanischer Rand. Aber auch aufseiten der G10 gibt es sicherlich Wackelkandidaten, allen voran das britische Pfund, was zuletzt verstärkt mit fiskalischen Sorgen zu kämpfen hatte.

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Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Auch in dieser Woche wurde bisher keine Lösung für ein Ende des Krieges im Nahen Osten gefunden. Allerdings haben die diplomatischen Versuche scheinbar Fahrt aufgenommen. Anfang der Woche verkündete der US-Präsident einen vorläufigen Angriffsstopp auf iranische Energieanlagen, welcher gestern nochmal verlängert wurde, um produktiven Verhandlungen Zeit zu geben. Von iranischer Seite gab es seither viele Dementis, die US-Seite thematisiert aber regelmäßig die stattfindenden Verhandlungen. Im Zuge dieser Hoffnung auf ein Ende des Krieges gab der Ölpreis deutlich nach und EUR-USD konnte wieder zulegen.

Wir sind noch skeptisch, dass dieser Krieg wirklich derart schnell endet, wie einige Marktteilnehmer seit Anfang der Woche hoffen. Dementsprechend zweifeln wir auch an der jüngsten Erholung in EUR-USD. Solange der Krieg weitergeht, dürfte sich der Wechselkurs auf niedrigeren Niveaus als vor dem Krieg einpendeln. Die Gründe dafür dürften auf der Hand liegen. Die Realwirtschaft aus dem Euroraum war ohnehin in einer schwierigeren Situation als die aus den USA, die höhere Energieabhängigkeit dürfte diese Situation bis zu einer Lösung noch verschärfen. Gleichzeitig profitiert der US-Dollar von der Tatsache, dass die USA mittlerweile Netto-Energieexporteur sind und in Zeiten erhöhter Risikoaversion eine größere Nachfrage nach dem US-Dollar besteht.

Da wir nun erst Ende Mai mit einem Ende des Krieges rechnen, haben wir unsere EUR-USD-Prognose für Ende Juni um zwei Cent nach unten korrigiert. Dass das Niveau nicht noch niedriger ausfällt, liegt vor allem am Kriegsende, welches eine Erholung auslösen dürfte. Zwar dürfte der Krieg dann seine Spuren beim Wachstum hinterlassen, die Erleichterung über ein Ende dürfte EUR-USD aber wieder auf das Niveau von vor dem Kriegsausbruch heben (d.h. 1,18, Chart 1).

Ab der zweiten Jahreshälfte rechnen wir wie zuvor mit einem weiteren Anstieg des Wechselkurses, d.h. mit einem schwächeren US-Dollar. Die Bewegung dürfte nun aber etwas langsamer als zuvor vonstattengehen. Unser erwartetes Hoch von 1,22 erwarten wir dadurch nicht mehr bereits im September dieses Jahres, sondern erst im September des kommenden Jahres. Der Iran-Krieg dürfte in diesem Jahr die Erholung im Euroraum abwürgen, während sich die Fed bis zum letzten Quartal dieses Jahres mit weiteren Zinssenkungen Zeit lässt und diese erst im kommenden Jahr wieder Fahrt aufnehmen. Unsere generelle Sichtweise bleibt aber intakt: Die erodierende Fed-Unabhängigkeit dürfte auf dem US-Dollar lasten, zumal die US Währung weiterhin deutlich überbewertet ist. Der Iran-Krieg sorgt lediglich für eine Verlangsamung dieser Erwartung (siehe erneut Chart 1).

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