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EUR/USD: Die Mär von der stärkeren Rolle des Euros

Seit Ende Juni hatte sich EUR-USD in einer recht engen Handelsspanne bewegt, trotz aller Attacken auf die Fed-Unabhängigkeit und erratischer Zollankündigungen, sodass in vielen Kundengesprächen die Frage aufkam, ob unsere Prognose von signifikant höheren EUR-USD-Niveaus überhaupt noch realistisch ist. Am Ende ging es dann doch ganz schnell, zwischenzeitlich stieg EUR-USD in dieser Woche bis auf knapp über 1,20. Unerwartet kam dies nicht, schließlich hatten wir immer wieder betont, dass es im Zweifelsfall schnell gehen dürfte mit der USD-Schwäche, sollten irgendwann für den Markt die Zweifel zu groß werden. Und der US-Präsident hat augenscheinlich mit seiner Aussage, dass der USD sich “großartig entwickeln” würde, den Weg freigemacht für weitere USD-Schwäche, auch wenn der US-Finanzminister bemüht war, die Aussagen wieder einzufangen.

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EUR/USD 1,1798 $ EUR/USD (Euro / US-Dollar) Chart +0,06%
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Im Grunde hätten sich an dieser Stelle doch die Offiziellen aus dem Euroraum freuen müssen, schließlich haben viele von ihnen in den vergangenen Monaten kaum eine Gelegenheit ausgelassen, eine stärkere Rolle des Euros zu betonen. Nur so ganz war von Freude nichts zu spüren. Direkt am Mittwochmorgen wurde ein Interview vom österreichischen Notenbankchef veröffentlicht, in dem er Zinssenkungen thematisierte, sollte der Euro weiter aufwerten (auch wenn er betonte, dass die Aufwertung dafür noch nicht stark genug war). Der französische Notenbankchef folgte noch am selben Morgen mit ähnlichen Aussagen, wodurch EUR-USD wieder etwas unter Druck geriet.

Wie passt das zusammen? Wir hatten auf diesen Seiten mehrfach angesprochen, dass sich die Offiziellen aus dem Euroraum zwar eine größere Rolle des Euros auf den internationalen Märkten wünschen, sie die damit einhergehenden Nebenwirkungen aber eher nicht tragen wollen. Dass der USD Weltleitwährung ist, hat für den USD aber eben nicht nur Vorteile. Wenn die ganze Welt USD nachfragt, dann müssen a) die USA dieses Kapital zur Verfügung stellen (über ein Leistungsbilanzdefizit) oder b) der USD wertet aufgrund der starken Nachfrage immer weiter auf (oder natürlich c) eine Kombination von beidem).

Wenn also der französische Präsident Macron oder auch die EZB-Präsidentin Lagarde immer wieder von der stärkeren Rolle des Euros sprechen, dann haben sie sehr wahrscheinlich dabei nicht im Kopf, ein Leistungsbilanzdefizit im Euroraum anzustreben. Dies wäre politisch sehr schwierig umsetzbar. Gleichzeitig wollen sie aber sicherlich auch keine deutliche Aufwertung des Euros. Und nur die Vorteile ohne die Nachteile dürfte wie im richtigen Leben schwer zu erreichen sein.

Nun sollten wir uns nichts vormachen, die EZB hat im Zweifelsfall wenig Möglichkeiten, um höhere EUR-USD-Niveaus zu verhindern. Sicherlich kann sie Zinssenkungen ins Auge fassen, nur ist das Potential angesichts der immer noch deutlichen USD-Überwertung wohl begrenzt. Und Interventionen werden die Politiker wohl eher nicht ins Auge fassen. Hinzu kommt, die Bewegung geht eindeutig vom US-Dollar aus. Mit den Aussagen können die Politiker aus dem Euroraum vielleicht für einen schwächeren Euro sorgen, die USD-Schwäche aber wohl nicht ausgleichen (siehe die untere Abbildung). Entscheidend ist: Wenn immer wieder über den US-Dollar als Weltleitwährung diskutiert wird und ob der Euro nicht eine größere Rolle einnehmen könnte bzw. sollte, dann sollte man immer im Hinterkopf behalten, was damit für Konsequenzen einhergehen.

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