
Investoren unbeeindruckt, doch der Schein trügt
Nach einem tiefroten Start in die neue Handelswoche zeigten sich US-Aktien am frühen Montagabend (Stand: 17:30 Uhr MEZ) erstaunlich fest. Trotz der erneuten Eskalation politischer Spannungen und des Angriffs auf den Iran am vergangenen Wochenende und der damit verbundenen Explosion der Energiepreise standen der S&P 500 sowie der Technologieindex Nasdaq 100 kurz vor einem Vorzeichenwechsel.
Gefragt waren vor allem Anlegerlieblinge wie Nvidia, Microsoft und Palantir sowie Energiewerte, die aufgrund ihres hohen kombinierten Indexgewichtes Verluste in anderen Branchen ausgleichen konnten.
Seit dem Herbst 2022 befindet sich der S&P 500 befeuert durch den KI-Boom, robustem Wirtschaftswachstum und steigenden Unternehmensgewinnen in einem mehrjährigen Aufwärtstrend. Selbst tiefe Korrekturen wie der Zoll-Crash im vergangenen Jahr wurden rasch zurückgekauft und von Anlegerinnen und Anleger als Einstiegschancen begriffen.
Dementsprechend rasch konnten sich US-Aktien im vergangenen Jahr erholen und ihre Rekordjagd weiter fortsetzen. Doch spätestens seit dem September hat der S&P 500 ein technisches Problem. Erstens ist der in eine Seitwärtsbewegung übergangen, was langsam aber sicher das Vertrauen von Anlegerinnen und Anleger erodiert.
Und zweitens liegen ausgeprägte bearishe Divergenzen sowohl im RSI als auch im MACD vor. Trotz insgesamt weiter steigender Notierungen und neuer Allzeithochs noch vor wenigen Tagen befinden sich die technischen Indikatoren in hartnäckigen Abwärtstrends.

Rounding-Top könnte Schicksal des US-Marktes besiegeln
Der MACD droht sogar unter die Nulllinie zu fallen, was für einen neuen Abwärtstrend des US-Gesamtmarktindex sprechen würde. Mit dem jüngsten Absturz unter die 50-Tage-Linie wurde bereits ein erstes Verkaufssignal generiert.
Am Montag kann die Unterstützung bei 6.800 Punkten einem größeren Abverkauf noch einmal Einhalt gebieten, allerdings stagniert die Marktbreite, nachdem diese in den vergangenen Wochen noch gestiegen war und so dafür sorgte, dass der S&P 500 trotz des brutalen Abverkaufs bei Software- und KI-Werten in Schlagdistanz zur Ausbruchsmarke bei 7.000 Punkten blieb.
Die Erholung von der schwachen Eröffnung zum Wochenstart ist daher eher bearish als bullish zu interpretieren und dürfte dazu führen, dass der Support bei 6.800 Punkten in den kommenden Tagen unterschritten wird. In diesem Fall wird Abwärtspotenzial bis in den Bereich zwischen 6.500 und der bei 6.570 Punkten verlaufenden 200-Tage-Linie frei. Für Kurse darunter dürfte das Rounding-Top, das sich schon seit Monaten abzeichnet, bestätigt und eine nachhaltige Trendwende besiegelt sein. Dieses Szenario neutralisieren könnte aktuell nur ein technisch überzeugender Ausbruch über 7.000 Punkte.
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Fazit: Vorsicht, Bullenfall! Kein Rücksetzer, den man kaufen sollte
Der US-Aktienmarkt zeigt sich zum Wochenstart unbeeindruckt von der Eskalation am Wochenende. Doch davon sollten sich Anlegerinnen und Anleger nicht in falscher Sicherheit wiegen lassen. Die Erholung wird von einigen wenigen hochgewichteten Einzelwerten getragen, während es unter der Oberfläche des Index brodelt, der angesichts der zunehmenden technischen Schwäche jederzeit kippen könnte.
Mit dem Energiepreisschock ist der Markt außerdem um ein systemisches Risiko reicher, nachdem sich in den vergangenen Wochen bereits etliche Gefahrenherde, wie das mögliche Platzen der KI- und Private-Equity-Blase sowie ein zunehmend schwächerer US-Arbeitsmarkt gezeigt haben. Was am Montag wie ein weiterer, kaufenswerter Dip erscheint, kann für Investoren schnell zum fallenden Messer werden.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross