BYD-Aktie: Ein Bündel guter Nachrichten, welche die Aktie relativ kalt lassen
Neue Technologien, internationale Expansion und strategische Partnerschaften: Beim chinesischen Elektroautoriesen BYD häufen sich derzeit die positiven Nachrichten. Doch an der Börse reagieren Anleger bislang erstaunlich zurückhaltend.
Der chinesische Elektroautohersteller BYD treibt seine globale Expansion mit Hochdruck voran. Neue Technologien, Kooperationen beim Ladenetz und mögliche Produktionsstandorte im Ausland zeigen, wie ambitioniert der Konzern seine internationale Strategie ausbaut.
Ein zentrales Element dieser Strategie ist die konsequente Unabhängigkeit. BYD setzt stark auf vertikale Integration und produziert einen Großteil seiner Komponenten selbst. Dadurch behält der Konzern die Kontrolle über Lieferketten und Kostenstrukturen – ein wichtiger Wettbewerbsvorteil gegenüber vielen Konkurrenten.
Diese Strategie erklärt auch, warum BYD bei möglichen neuen Werken auf vollständige Kontrolle setzt. So prüft das Unternehmen derzeit den Bau einer Produktionsstätte in Kanada. Eine solche Anlage würde laut Unternehmensangaben vollständig im Besitz von BYD bleiben und nicht als Joint Venture mit lokalen Partnern strukturiert werden.
Der US-Markt bleibt dagegen vorerst schwierig. Hohe Importzölle sowie politische Restriktionen gegenüber chinesischer Technologie machen ein Engagement kompliziert. BYD-Managerin Stella Li bezeichnete das Geschäft in den Vereinigten Staaten daher als besonders herausfordernd.
Gleichzeitig zeigt sich der Konzern offen für eine deutlich aggressivere Expansionsstrategie. BYD prüft laut Berichten auch mögliche Übernahmen traditioneller Automobilhersteller in Europa, den USA oder Japan. Viele dieser Konzerne kämpfen derzeit mit der finanziellen Doppelbelastung aus Verbrennergeschäft und teuren Investitionen in Elektromobilität.
Ein prominentes Beispiel für eine erfolgreiche Transformation liefert der chinesische Autokonzern Geely, der bereits vor mehr als einem Jahrzehnt den schwedischen Hersteller Volvo Cars übernommen hatte.
Parallel baut BYD sein Ökosystem rund um Elektromobilität weiter aus. Gemeinsam mit dem chinesischen E-Commerce-Konzern JD.com entwickelt das Unternehmen neue Schnellladestationen. Die erste gemeinsame Station wurde bereits in Shenzhen eröffnet. Neben der Ladeinfrastruktur sollen dort auch Einzelhandelsangebote, Cafés und Serviceflächen, die JD.com betreibt, integriert werden.
Diese Kombination aus Ladeinfrastruktur und Serviceangeboten könnte künftig auch an Logistikstandorten und Gewerbeparks von JD.com ausgebaut werden und so den Aufbau eines landesweiten Ladenetzes beschleunigen.
Technologisch setzt BYD ebenfalls neue Maßstäbe. Das Premium-Elektrofahrzeug Denza Z9GT, eine Marke des BYD-Konzerns, kann dank der neuesten "Flash-Charging"-Technologie in wenigen Minuten geladen werden. Laut Unternehmen lässt sich der Akku innerhalb von fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent aufladen. Selbst bei extremen Temperaturen von minus 30 Grad Celsius soll eine Ladung von 20 auf 97 Prozent in nur zwölf Minuten möglich sein.
Mit einer Reichweite von bis zu 800 Kilometern könnte das Modell einen wichtigen Schritt darstellen, um die Ladezeiten von Elektroautos näher an die Tankzeiten klassischer Verbrenner heranzubringen.
Um diese Technologie zu unterstützen, plant BYD bereits in diesem Sommer mit dem Aufbau eines eigenen Netzes von Flash-Charger-Stationen in Europa. Diese sollen Leistungen von bis zu 1.500 Kilowatt ermöglichen – deutlich mehr als heutige Schnellladesysteme.
Der internationale Markt gewinnt für den Konzern zunehmend an Bedeutung. Bis 2026 will BYD rund 1,3 Millionen Fahrzeuge außerhalb Chinas verkaufen. Besonders stark investiert das Unternehmen derzeit in Südamerika. In Brasilien sollen bis 2027 rund 500 Millionen Real – etwa 97 Millionen Dollar (Dollarkurs) – in ein landesweites Schnellladenetz fließen.
Dabei wächst BYD in einem atemberaubenden Tempo. Zwischen 2020 und 2025 steigerte der Konzern seinen Absatz von 420.000 Fahrzeugen auf 4,6 Millionen Einheiten und stieg damit zum fünftgrößten Automobilhersteller der Welt auf.
Doch trotz der strategischen Fortschritte steht BYD im Heimatmarkt unter Druck. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres sank der Absatz um rund 36 Prozent auf etwa 400.000 Fahrzeuge. Gleichzeitig wurde das Unternehmen zuletzt vom lokalen Rivalen Geely Auto überholt.
Auch politische Entscheidungen beeinflussen den Wettbewerb. Das Auslaufen der Steuerbefreiung für Elektroautos und Plug-in-Hybride in China hat etablierten Herstellern wie Volkswagen wieder Auftrieb gegeben. Der Wolfsburger Konzern konnte im Januar sogar seine Position als meistverkaufte Automarke im Land zurückerobern.
Fazit:
Technologische Fortschritte, internationale Expansion und neue Partnerschaften liefern derzeit eine ganze Reihe positiver Nachrichten für BYD. Doch kurzfristige Absatzschwächen im Heimatmarkt und der härter werdende Wettbewerb sorgen dafür, dass Investoren noch abwarten. Langfristig bleibt der chinesische Konzern jedoch einer der dynamischsten Herausforderer der globalen Autoindustrie.
Der Aktienexperte von wallstreetONLINE, Markus Weingran, hat in der vergangenen Woche die chinesischen Autobauer genauer unter die Lupe genommen. Wenn Sie wissen möchten, welchen Autobauer aus dem Reich der Mitte er für besonders aussichtsreich hält, dann schauen Sie doch mal in die Folge der wO Börsenlounge rein.
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