In ihrer Anfang Juni veröffentlichten Konjunkturprognose hatte die Bundesbank für dieses Jahr Stagnation vorhergesagt. Bei dieser Prognose konnte Nagel zufolge allerdings nicht mehr berücksichtigt werden, dass das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal mit plus 0,4 Prozent doppelt so stark ausfiel wie zunächst errechnet.
Noch ein weiter Weg aus dem Tal
"Für die deutsche Wirtschaft zeichnet sich das Ende der langen Durststrecke ab", sagte Nagel. "Der Weg führt uns aber nicht direkt in eine grüne Oase, sondern bleibt herausfordernd - zwischen wachstumsschädlichen Zolleffekten und wachstumsfördernder Fiskalpolitik."
Allgemein erwarten Ökonomen, dass die geplanten Milliardenausgaben für Infrastruktur und Verteidigung die Konjunktur spätestens ab 2026 anschieben werden. Nagel betonte jedoch: "Mit Geldausgeben allein ist beileibe nicht alles getan. Ein anhaltend höheres Wachstum in Deutschland lässt sich nur erreichen, wenn parallel auch strukturelle Anpassungen erfolgen."
Europa setze große Hoffnungen auf die neue Regierung. "Daraus könnte tatsächlich eine Turn-Around-Story werden", sagte Nagel. "Deutschland muss eine Erfolgsgeschichte werden." Es müsse gelingen, wirtschaftliche Strukturprobleme entschlossen anzugehen und zu lösen.
Reichlich Unsicherheiten
Neben der sprunghaften Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump gibt es jedoch weitere Unsicherheiten. So lassen sich die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten gegenwärtig nicht abschätzen, wie Nagel ausführt. "Sollte es zu einem langanhaltenden, gravierenden Konflikt kommen, könnten beispielsweise die Ölpreise erheblich steigen. Die wirtschaftlichen Perspektiven könnten sich dann spürbar verändern gegenüber dem, was ich Ihnen heute sage - in Bezug auf die Konjunktur ebenso wie auf die Preise", sagte der Bundesbank-Präsident.
Teuerung stabilisiert sich
Derzeit sei er zuversichtlich, "dass sich die Inflation nachhaltig bei 2 Prozent einpendeln wird und wir damit unser mittelfristiges Inflationsziel erreichen werden", sagte Nagel. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt Preisstabilität bei einer mittelfristigen Teuerungsrate von 2,0 Prozent im Euroraum an.
Nagel, der im EZB-Rat über die Geldpolitik im Euroraum mitentscheidet, mahnte zugleich: "Auch wenn die Inflation im Euroraum wieder bei rund 2 Prozent liegt und auch mittelfristig nach einer Delle wieder dort liegen dürfte, hat die Geldpolitik keinen Grund nachzulassen."/ben/DP/jkr
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