Der Münchner Automobilhersteller BMW (BMW Aktie) sieht sich gezwungen, seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2024 erheblich zu senken. Zwei wesentliche Faktoren belasten das Geschäft: massive Probleme mit einem von einem Zulieferer entwickelten Bremssystem und ein weiterhin schwacher Absatz auf dem wichtigen chinesischen Markt. Die Aktie von BMW reagierte empfindlich.
Der größte kurzfristige Druck auf BMW resultiert aus einem fehlerhaften Integrierten Bremssystem (IBS), das von einem Zulieferer bezogen wird. Aufgrund von Sicherheitsbedenken hat BMW weltweit Auslieferungssperren verhängt und umfangreiche Rückrufaktionen gestartet. Insgesamt sind mehr als 1,5 Millionen Fahrzeuge betroffen, was die Produktions- und Lieferketten des Unternehmens erheblich beeinträchtigt.
Die zusätzlichen Kosten, die BMW durch diese Maßnahmen entstehen, belaufen sich auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Diese unvorhergesehenen Ausgaben belasten die Gewinnmarge des Konzerns schwer. Statt der bisher erwarteten operativen Marge von 8 bis 10 Prozent im Kerngeschäft geht BMW nun nur noch von 6 bis 7 Prozent aus.
Zusätzlich zu den technischen Problemen steht BMW vor Herausforderungen auf dem chinesischen Markt. China, der weltweit größte Automarkt, ist traditionell ein wichtiger Wachstums- und Umsatztreiber für BMW. Doch trotz staatlicher Konjunkturprogramme bleibt die Nachfrage schwach. Das Kaufverhalten der chinesischen Verbraucher hat sich nach wie vor nicht erholt, was auf eine allgemeine wirtschaftliche Verunsicherung im Land zurückgeführt wird.
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| Strategie | Hebel | |||
| Steigender Kurs |
Call
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5
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10
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15
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| Fallender Kurs |
Put
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5
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15
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BMW hatte ursprünglich für das Jahr 2024 einen leichten Zuwachs beim Absatz prognostiziert. Nun rechnet das Unternehmen allerdings mit einem leichten Rückgang. Diese Marktentwicklung trifft BMW in einer Phase, in der das Unternehmen auf die Erholung in China gesetzt hatte, um die schwächeren Absätze in anderen Märkten auszugleichen.
Trotz der aktuellen Herausforderungen betont BMW, dass die strategische Neuausrichtung in Richtung Elektromobilität weiterhin im Fokus steht. Das Unternehmen hatte bereits im Vorjahr angekündigt, bis 2030 mindestens 50 Prozent seiner Neuwagenverkäufe mit vollelektrischen Fahrzeugen erzielen zu wollen. Dabei spielt die kommende Generation der sogenannten „Neuen Klasse“, einer Fahrzeugplattform, die speziell für Elektrofahrzeuge entwickelt wurde, eine zentrale Rolle.
Im Rahmen dieser Elektro-Offensive plant BMW, seine Produktionskapazitäten weltweit weiter auszubauen. In den Werken in München und Dingolfing sowie im ungarischen Debrecen sollen ab 2025 verstärkt Fahrzeuge der „Neuen Klasse“ vom Band laufen. Diese Modelle sind nicht nur auf verbesserte Batterietechnologie ausgelegt, sondern auch auf eine signifikante Senkung der CO₂-Emissionen während des gesamten Produktionsprozesses. BMW hat sich verpflichtet, bis 2030 die CO₂-Emissionen seiner Fahrzeuge über den gesamten Lebenszyklus um 40 Prozent zu reduzieren.
Neben der Elektromobilität setzt BMW verstärkt auf strategische Partnerschaften im Bereich nachhaltiger Rohstoffe und Kreislaufwirtschaft. Jüngst gab der Konzern bekannt, in den kommenden Jahren vermehrt auf recycelte Materialien in der Fahrzeugproduktion zu setzen. Ziel ist es, den Anteil an Sekundärmaterialien wie Aluminium, Stahl und Kunststoff in den Fahrzeugen deutlich zu erhöhen.
Parallel dazu kooperiert BMW mit verschiedenen Technologieunternehmen, um innovative Lösungen in den Bereichen Batterierecycling und Energieeffizienz zu entwickeln. Diese Partnerschaften sind Teil eines umfassenden Plans, die Abhängigkeit von neuen Rohstoffen zu verringern und gleichzeitig die Kosten für die Herstellung von Elektrofahrzeugen zu senken.
Die Nachricht von der gesenkten Prognose führte umgehend zu einem deutlichen Kursverlust der BMW-Aktie. Anleger zeigten sich besorgt über die Höhe der zu erwartenden Zusatzkosten und die Unsicherheiten im wichtigsten Auslandsmarkt des Konzerns. Mit einem Kursrückgang von 5,7 Prozent auf 73,22 Euro erreichte die BMW-Aktie den tiefsten Stand seit mehreren Monaten.
BMW-Chef Oliver Zipse betonte, dass das Unternehmen intensiv an der Lösung der Probleme arbeite, um die Auswirkungen auf den operativen Betrieb zu minimieren. Gleichzeitig stellte er jedoch klar, dass die Maßnahmen Zeit in Anspruch nehmen werden und BMW zunächst mit einer verminderten Produktion und eingeschränkten Auslieferungen rechnen müsse.
Trotz der aktuellen Herausforderungen bleibt BMW langfristig optimistisch. Die kontinuierlichen Investitionen in Elektromobilität, Nachhaltigkeit und Digitalisierung sollen dem Unternehmen helfen, auch in einem zunehmend wettbewerbsintensiven und technologiegetriebenen Umfeld seine Marktposition zu behaupten. Allerdings wird das Jahr 2024 für den Konzern weiterhin von Unsicherheiten geprägt sein – sowohl in Bezug auf den Absatz in China als auch im Hinblick auf die Lösung der technischen Probleme im Bremssystem.
Quelle: manager-magazin.de
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